Erinnerung eröffnet Zukunft – Entstehung des Gedenkfrieses wird dokumentiert

Die Broschüre zum Gedenkfries im Burgdorfer Ratssaal. (Foto: Arbeitskreis Gedenkweg 9. November)
 
Der Flensburger Künstler Uwe Appold (Mitte) stellt den Bild- und Textband zusammen mit Wolfgang Hornig (links) und Rudolf Bembenneck (rechts) vor, von denen die Broschüre gestaltet worden ist. (Foto: Arbeitskreis Gedenkweg 9. November)

Broschüre mit einem Vorwort von Avi Primor ist erschienen

BURGDORF (jk). Am Gründonnerstag ist im BENEFIZZ-Laden in der Hannoverschen Neustadt eine Broschüre zum Gedenkfries im Ratssaal des Schlosses der Öffentlichkeit übergeben worden. Der Titel nimmt das Motto auf, das dem Fries als Deutung mitgegeben wurde. In dem Bild- und Textband wird die Entstehung des Gedenkfrieses anschaulich dokumentiert. Uwe Appold, der Flensburger Künstler, der den Gedenkfries entworfen und gestaltet hat, schildert in Wort und Bild seine Vorgehensweise.
Die Redebeiträge zur Einweihung des Frieses, unter anderem von Rabbiner Gabor Lengyel, Bürgermeister Alfred Baxmann, Superintendent Dr. Ralph Charbonnier und Pastor i.R. Rudolf Bembenneck, werden wieder gegeben. Einen außerordentlichen Akzent erhält das Buch durch ein einfühlsames Vorwort, das Avi Primor, der langjährige Botschafter Israels in der Bundesrepublik Deutschland verfasst hat.
Einen besonderen künstlerischen Reiz gewinnt der Bild- und Textband durch die Wiedergabe eines Bilderzyklus, den Uwe Appold unter dem Titel „Schweigespuren – Requiem in elf Bildern“ zu Gedichten von Paul Celan geschaffen hat. Der Zyklus hat eine unmittelbare Beziehung zu Burgdorf und zum Gedenkfries. Denn Appold hat darin die restliche für den Fries bestimmte Erde vom jüdischen Friedhof und die aus dem Fries heraus gebrochenen Buchstaben verarbeitet. Dieser Zyklus wird vom 20. Mai bis zum 3. Juli im Ratssaal des Schlosses als Ergänzung und Deutung des Frieses ausgestellt werden.
Während der Vorstellung der Broschüre hat Bürgermeister Alfred Baxmann auf die „Kultur des Erinnerns“ hingewiesen, um die sich die Stadt Burgdorf seit Jahren bemüht: „Wir setzen uns bewusst mit allen Facetten unserer Geschichte auseinander, um sie nachvollziehbar – nicht verstehbar – für die kommenden Generationen zu machen, und weil wir wissen, dass wir permanent und aktiv im Alltag um Humanität ringen müssen, wenn wir Zukunft gewinnen und verantwortlich gestalten wollen.“
Dr. Judith Rohde, die Sprecherin des Arbeitskreises Gedenkweg 9. November, hat bei der Übergabe des Bild- Und Textbandes auf einen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang aufmerksam gemacht: „Ich freue mich besonders, dass wir diese Broschüre in der Karwoche präsentieren, die ja auch die Pessachwoche ist. Am Dienstag wurde in den jüdischen Familien überall der Sederabend gefeiert. Im Rahmen der Liturgie dieses Abends fragt der Jüngste am Tisch: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten?“ Und der Hausvater und die Tischgemeinschaft antworten mit einer langen Erzählung der Glaubens- und Befreiungsgeschichte des Volkes Israel aus der Knechtschaft Ägyptens. Im Dialog zwischen Jungen und Älteren wird eine dreitausendjährige Erinnerung lebendig. Ich wünsche mir, dass wir in dieser Tradition die in der Broschüre dokumentierte Botschaft des Gedenkfrieses an unsere Kinder weitergeben. Nur so kann Erinnerung Zukunft eröffnen.“
Die Broschüre kann zum Preis von acht Euro im BENEFIZZ-Laden (Hannoversche Neustadt 8), in der Buchhandlung Wegener (Hannoversche Neustadt 25) und im Bürgerbüro der Stadt Burgdorf (Spittaplatz 4) erworben werden.