Empfehlungen für Stichwahl

Am 16. Juni stimmen die Burgdorfer darüber ab, ob Matthias Paul oder Armin Pollehn Bürgermeister werden soll.

Die Grünen und die Freien Burgdorfer unterstützen Matthias Paul / Die FDP stellt sich hinter Armin Pollehn

BURGDORF (fh). Nicht nur SPD und CDU bringen sich für die Stichwahl in Stellung. Auch drei weitere Ratsfraktionen beziehen Position und geben eine Wahlempfehlung für den 16. Juni ab. Die Grünen und die Freien Burgdorfer stellen sich hinter Matthias Paul; die FDP stärkt Armin Pollehn den Rücken.
Die Grünen, deren Kandidatin Sinja Münzberg mit 16,5 Prozent auf dem dritten Platz gelandet war, betonen, dass sie in der SPD und deren Kandidaten Matthias Paul aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit die verlässlicheren Partner im Rat sähen. Nach dem Ausscheiden Münzbergs habe die Fraktion sowohl mit der SPD als auch mit der CDU Gespräche geführt. "Hierbei ging es in erster Linie um die Frage, mit welchem Kandidaten am ehesten grüne Politik für Burgdorf möglich ist", heißt es in der Pressemitteilung der Fraktion. Mit Paul gebe es dabei deutlich mehr Gemeinsamkeiten als mit der Pollehn.
Die Fraktion "Freie Burgdorfer" stärkt ebenfalls dem SPD-Kandidaten Matthias Paul den Rücken. Wichtig sei ihnen, dass er hinter den Plänen für die Rudolf-Bembenneck-Schule stehe; sein Herausforderer Armin Pollehn habe bisher weitestgehend gegen die Integrierte Gesamtschule gearbeitet, schreiben sie in ihrer Pressemitteilung. "Wir wollen, einen schnellen und reibungslosen Schulbau, inklusive Oberstufe voranbringen, ohne dass dies auf Kosten der Grundschulen oder Kindertagesstätten geht“, betont der Vorsitzende der Freien Burgdorfer, Lukas Kirstein. Für Matthias Paul spreche außerdem, dass er sich schon seit langem für Burgdorf einsetze und nicht erst seitdem er Bürgermeister werden wolle. Der Kandidat der Freien Burgdorfer, Rüdiger Nijenhof, hatte bei der Wahl am vergangenen Sonntag 7,8 Prozent der Stimmen erhalten.
Auch Armin Pollehn erhält Unterstützung - und zwar von der Burgdorfer FDP, deren Kandidat Dirk Schwerdtfeger auf 12,1 Prozent gekommen war. Sie empfiehlt ihren Wählern nun, bei der Stichwahl für den CDU-Kandidaten zu stimmen. Eine inhaltliche Begründung geben die Freien Demokraten dafür nicht. "Die Diskussion hat sich erübrigt" sagt der Vorsitzende des FDP-Ortsverbandes, Mario Gawlik. Denn als CDU- und FDP-Fraktion nach der Kommunalwahl 2016 eine Gruppe bildeten, hätten sie vertraglich vereinbart, dass beide Parteien für die Bürgermeisterwahl ihren eigenen Kandidaten aufstellen könnten. "Für den Fall, dass es nur einer der beiden Bewerber in eine etwaige Stichwahl schafft, haben wir uns aber gegenseitige Unterstützung zugesagt. Daran halten wir uns jetzt", so Gawlik.
Michael Fleischmann (Die Linke), der am Sonntag 10,9 Prozent der Stimmen erhielt, gibt keine Empfehlung für die Stichwahl ab. „Mit beiden Kandidaten wird es keine konstruktiven Veränderungen geben. Sie stehen für ein ‚Weiter so‘“, kritisiert er. Nun müsse jeder Wähler für sich entscheiden, welcher Kandidat den „geringeren Schaden“ anrichte.
Sollten alle Wähler, die am vergangenen Sonntag abgestimmt haben, auch an der Stichwahl teilnehmen und sich an die jeweiligen Wahlempfehlungen halten, würde sich nach jetzigem Stand eine rechnerische Mehrheit für Matthias Paul ergeben. Er würde dann mit 55 Prozent vor Armin Pollehn mit 45 Prozent liegen. Nicht mit berücksichtigt sind dabei die Wähler von Michael Fleischmann sowie die Stimmen für den Kandidaten der Satirepartei „Die Partei“ Marc Müller (2,5 Prozent), der bisher ebenfalls keine Wahlempfehlung abgegeben hat.
Das ist aber bei weitem nicht die einzige Unbekannte in der Rechnung: Unklar ist auch, ob sich die Wähler tatsächlich an die jeweilige Empfehlung halten werden. Und ein noch größerer Unsicherheitsfaktor stellt die Wahlbeteiligung am 16. Juni dar. Wer Burgdorfs neuer Bürgermeister wird, dürfte entscheidend davon abhängen, wie gut die beiden Kandidaten ihre jeweiligen Wählergruppen mobilisieren können.
So gaben beispielsweise 2014 bei der Bürgermeister-Stichwahl in Langenhagen knapp 15.000 Bürger ihre Stimme ab - im ersten Wahlgang waren es noch rund 20.000 gewesen. Die Wahlbeteiligung sank damit von 48 auf 35 Prozent. Auch in Garbsen und Gehrden betrug die Differenz damals rund zehn Prozentpunkte. Bei der Bürgermeisterwahl 2016 in Springe war der Unterschied deutlich geringer: Im ersten Wahlgang lag die Wahlbeteiligung bei 44,2 Prozent, im zweiten bei 41,2 Prozent.