Elterngeld für Pflegeeltern

Erst wenige Tage vor der Sitzung des Jugendhilfeausschusses hatte Bürgermeister Armin Pollehn die Pflegeeltern zum Dankeschön-Frühstück im Burgdorfer Schloss empfangen. (Foto: Stadt Burgdorf)

Jugendhilfeausschuss spricht sich mehrheitlich dafür aus / Stadt rechnet mit Kosten von 28.800 euro pro Jahr

BURGDORF (fh). Wenn nach der Geburt eines Kindes Vater oder Mutter bis zu ein Jahr lang zu Hause bleibt, zahlt der Staat in dieser Zeit Elterngeld. Doch das entsprechende Bundesgesetz hat eine Lücke: Denn Pflegeeltern gehen bisher leer aus. Das will die Stadt Burgdorf jetzt ändern und ihnen künftig einen elterngeldähnlichen Betrag in Höhe von 800 Euro pro Monat zahlen, wenn ein Pflegevater oder eine Pflegemutter nach der Aufnahme eines Kindes die Erwerbstätigkeit vollständig ruhen lässt. Insgesamt würde das nach Berechnungen der Verwaltung mit 28.800 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Dabei geht die Stadt von maximal zwei bis drei Pflegefamilien aus, die die diese Leistung in Anspruch nehmen werden.
Ursprünglich hatte SPD-Ratsfrau Birgit Meinig diesen Antrag gestellt und dabei auch auf ähnliche Regelungen in Braunschweig und Lehrte verwiesen. Die Verwaltung griff den Vorschlag auf: Sie brachte im Jugendhilfeausschuss, der über den Sachverhalt beraten sollte, ihrerseits eine offizielle Beschlussvorlage ein und lieferte zusätzliche Infos zum rechtlichen Rahmen, den Kosten und der Machbarkeit. Vor diesem Hintergrund votierten die Politiker einstimmig dafür; die endgültige Entscheidung trifft dann am 20. Februar der Rat.
Die Verwaltung hat wohl auch deshalb so schnell reagiert, weil die Jugendämter in der Region Hannover sich bereits auf ein entsprechendes Vorgehen geeinigt hatten, um in den 21 Kommunen möglichst einheitliche Förderleistungen für Pflegeeltern zu schaffen. Die Maßnahme sei erforderlich, weil sich in den zurückliegenden Jahren immer weniger Menschen als Pflegeeltern beworben hätten. Eine wesentliche Hürde seien dabei die finanziellen Einbußen im ersten Aufnahmejahr, wenn ein Elternteil zu Hause bleibe.
Und das sei nicht nur bei Kleinkindern meist erforderlich. Denn die Pflegekinder seien oft verunsichert, weil sie ihre eigene Familie verlassen mussten. Außerdem seien viele von ihnen vorher vernachlässigt worden oder hätten Gewalt erfahren. Da sei es umso wichtiger, dass sie in der Pflegefamilie erst einmal eine feste Bezugsperson hätten, um richtig anzukommen. Dies erfordere vom hauptbetreuenden Pflegeelternteil nicht nur Kraft, sondern auch eine quasi ständige zeitliche Verfügbarkeit und Präsenz.
Bisher berufstätige Pflegepersonen können zwar Elternzeit in Anspruch nehmen, anders als leibliche Eltern haben sie jedoch keinen Anspruch auf Elterngeld. Eine Änderung des entsprechenden Bundesgesetzes sei in naher Zukunft nicht zu erwarten - deshalb wollten nun die Kommunen einspringen. Die Region Hannover hat auf Anfrage in Aussicht gestellt, die entstehenden Kosten zukünftig im Rahmen des Jugendhilfekostenausgleichs zu berücksichtigen – dann würden die Kosten für die Stadt Burgdorf unterm Strich geringer ausfallen. Eine konkrete Zusage gebe es aber noch nicht, sodass die Stadt zunächst ohne diese mögliche Entlastung kalkuliert hat.
Aber auch so lohne sich die Maßnahme in jedem Fall. Denn wenn sich keine Pflegefamilie finde und das Kind stattdessen in einem Heim untergebracht werden müsse, komme das die Stadt deutlich teurer zu stehen. Als daraufhin mehrere Politiker die finanziellen Vorteile dieses Beschlusses priesen, reagierte der Erste Stadtrat Michael Kugel gereizt: „Es ist schön, wenn wir sparen. Aber vor allem ersparen wir damit Kindern einen Heimaufenthalt“, betonte er.

Dankeschön-Frühstück im Burgdorfer Schloss

Erst wenige Tage vor der Beratung im Jugendhilfeausschuss hatte Bürgermeister Armin Pollehn selbst viele Pflegeeltern getroffen. Denn als Dankeschön für ihr Engagement hatte er sie zum gemeinsamen Frühstück in Burgdorfer Schloss eingeladen und hatte im Laufe des Vormittags auch viele persönliche Gespräche geführt. „Ich bin wirklich fasziniert, was sie für die Kinder und für die Gesellschaft leisten“, fasste er bei der Ausschusssitzung seine Eindrücke zusammen.
Derzeit stehen der Stadt Burgdorf 48 Pflegefamilien zur Verfügung, die insgesamt 53 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dauerhaft in ihre Obhut genommen haben sowie fünf weitere vorübergehend im Rahmen der Bereitschaftspflege betreuen. Trotzdem würden noch weitere Pflegefamilien gebraucht. Eltern, Paare und Einzelpersonen, die Interesse daran haben, können jederzeit Kontakt zum Jugendamt aufnehmen unter Telefon (05136) 898332 oder per E-Mail an huebert@burgdorf.de.