Elf Bauabschnitte in drei Jahren

An der BBS Burgdorf ziehen die Schüler jetzt klassenweise in Unterrichtscontainer, damit im Hauptgebäude der Brandschutz ertüchtigt werden kann. (Foto: BBS Burgdorf / Daniela Rosendahl)
 
An vielen Räumen sind Treppen angebracht, damit Lehrer und Schüler im Notfall durch die Fenster ins Freie gelangen können.

An den Berufsbildenden Schulen Burgdorf soll ab November mit deutlicher Verzögerung der Brandschutz ertüchtigt werden

Burgdorf (fh). Die Berufsbildenden Schulen (BBS) Burgdorf am Berliner Ring werden für die nächsten drei Jahre wieder zur Großbaustelle: Schon jetzt befinden sich überall auf dem Schulgelände Erdhügel, Sandhaufen, Gerüste und Baufahrzeuge. Denn die Sanierung des Flachdachs hat bereits im Frühling begonnen und soll Ende des Jahres abgeschlossen sein. In diesem Zuge müssen auch neue Rohre für das Regenwasser verlegt werden, weshalb der Boden an vielen Stellen aufgerissen ist. Am langwierigsten wird aber die Ertüchtigung des Brandschutzes, die voraussichtlich im November beginnen und bis 2024 andauern soll. Insgesamt investiert die Region als Schulträgerin mehr als zwölf Millionen Euro in die Sanierungsmaßnahmen.

Projekte mit langer Vorgeschichte

Dabei hätte sie mit alldem eigentlich schon viel weiter sein wollen. Denn die Maßnahmen wurden bereits 2017 heiß diskutiert. Damals war die BBS Burgdorf aufwendig umgebaut worden, um dort die Fahrzeugtechnik zusammenzulegen, die vorher auf mehrere Standorte in der Region verteilt war. Weil sich der Umbau schon deutlich verzögert hatte und den Schulbetrieb stark beeinträchtigte, entschied die Region, die Brandschutzmaßnahmen in eine eigenständige Maßnahme auszulagern. Sie sollte eigentlich bereits Anfang 2019 beginnen und Mitte 2022 abgeschlossen sein.
Zugleich hatte die Regionsverwaltung damals auch festgestellt, dass das Flachdach in einem desolaten Zustand sei. „Der teils stark durchfeuchtete Dachaufbau hat seine Lebensdauer überschritten und muss erneuert werden, um die darunter liegende Bausubstanz zu schützen“, hieß es damals in der Beschlussvorlage. Die nötigen Arbeiten sollten von Anfang 2018 bis Mitte 2019 erfolgen.

Sanierungsarbeiten verzögern sich


In beiden Fällen konnte die Region ihren Zeitplan nicht halten. Bei der Dachsanierung seien zusätzliche technische und statische Untersuchungen nötig gewesen. So sollten beispielsweise auch die Voraussetzungen für eine spätere Photovoltaikanlage geschaffen werden. Außerdem habe sich herausgestellt, dass die Regenwasserkanäle umfangreich erneuert werden müssen. Deshalb sei nun erst anderthalb Jahre später, als ursprünglich geplant, mit dem Abschluss der Maßnahme zu rechnen. „Das bringt eine eventuelle konjunkturbedingte Kostensteigerung mit sich“, teilt die Region mit. Ob und wie weit die vorgesehene Summe von 2,4 Millionen Euro überschritten werde, ließe sich aber noch nicht sagen.
Bei den Brandschutzmaßnahmen geht die Region indes davon aus, dass sie trotz der erheblichen Verzögerungen den Kostenrahmen von 9,8 Millionen Euro einhalten könne. Dass sich der Baubeginn auch dort verschoben habe, hänge letztlich mit der Dachsanierung und insbesondere mit der Erneuerung der Regenkanäle zusammen. Die Maßnahmen seien eng miteinander verknüpft.

Klassen ziehen zeitweise in Container um

Die Brandschutzmaßnahmen werden sich auch deshalb über drei Jahre hinziehen, weil der Schulbetrieb währenddessen weiterlaufen soll. Die Region hat die Arbeiten in elf Abschnitte unterteilt, für die jeweils ein Teil des Gebäudes geräumt werden muss. Dafür wurde in den zurückliegenden Monaten zwischen Hauptgebäude und Sporthalle bereits eine zweigeschossige Containeranlage mit acht Unterrichtsräumen sowie Sanitäranlagen aufgestellt, die im September bezugsfertig sein soll.
Rund 40 der insgesamt 69 Klassenzimmer an der BBS sind von der Sanierung im Laufe der nächsten drei Jahre betroffenen – die jeweiligen Klassen sollen in mehreren Durchgängen vorübergehend in den Containern unterkommen. Als erstes ziehen Ende des Jahres aber voraussichtlich Schulleiter Reiner Behrend, sein Stellvertreter, die Koordinatoren, sowie das Lehrerzimmer und das Sekretariat dorthin um, damit die Arbeiten im Verwaltungstrakt beginnen können.

Schon 2017 dringender Handlungsbedarf

Nach und nach sollen dann in weiten Teilen des Schulgebäudes geeignete Türen und Fenster eingebaut und die Wände so ertüchtigt werden, dass sie einem Feuer ausreichend standhalten und eine Barriere für den Rauch bilden. Teilweise fehle bisher sogar der obere Abschluss von Flurwänden zu Aufenthaltsräumen, wodurch sich Brandgase im Ernstfall ungehindert verteilen und Flammen überschlagen könnten. Das soll sich nun ändern. Außerdem müssen an einigen Stellen die Zwischendecken, sowie die darunterliegenden Leitungen und technischen Installationen erneuert werden.
Wie dringend all das nötig ist, wurde bereits 2017 deutlich, als das Bauordnungsamt der Region bei einer Ortsbegehung sofortigen Handlungsbedarf anmahnte und sogar drohte, die Schule zu schließen, wenn nicht umgehend Pläne für die Brandschutzsanierung vorgelegt und zusätzlich provisorische Maßnahmen ergriffen würden. Deshalb wurden unter anderem an mehreren Klassen- und Büroräumen im Erdgeschoss kleine Treppen aufgestellt, über die Lehrer und Schüler aus dem Fenster ins Freie klettern könnten.

Beeinträchtigungen für den Schulbetrieb


Schulleiter Reiner Behrend rechnet damit, dass die Baumaßnahmen in den nächsten Jahren den Unterricht und Schulbetrieb beeinträchtigen werden. Das hätten nicht nur die Erfahrungen des aufwendigen Umbaus für die Fahrzeugtechnik von 2015 bis 2017 gelehrt sondern auch die Geräuschkulisse, Parkplatznot und weitere Einschränkungen in den zurückliegenden Wochen vor den Sommerferien. „Alle Beteiligten haben, so gut es geht, Rücksicht aufeinander genommen und auch so manches ausgehalten“, lobt Behrend und bedankt sich für die Geduld und Gelassenheit bei Lehrern, Schülern und bei den Handwerkern.
Auch an dem Standort der BBS an der Ecke Vor dem Celler Tor/Sorgenser Straße muss übrigens etwas für den Brandschutz getan werden. Dort ist die Handelslehranstalt (HLA) untergebracht. Auf dem Grundstück will die Region ebenfalls Container aufstellen lassen, um das Gebäude in drei Abschnitten räumen zu können. Insgesamt sind für die dortige Maßnahme 4,1 Millionen Euro eingeplant. Sie soll Ende dieses Jahres beginnen und Ende 2022 abgeschlossen sein.