Einsatz für Kirche und Dorf

In ihrer Abschiedspredigt zitiert Pastorin Susanne Paul aus dem Brief des Jeremia: "Suchet der Stadt Bestes!".
 
Besucher aus Ehlershausen, Ramlingen und Otze sind zu dem Abschiedsgottesdienst unter freiem Himmel gekommen.

Pastorin Susanne Paul verabschiedete sich von der Martin-Luther-Gemeinde

Ehlershausen (fh). Schon seit zwei Monaten leitet Pastorin Susanne Paul jetzt das Frauenwerk der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover – doch so richtig konnte sie sich erst jetzt von ihrer Martin-Luther-Gemeinde verabschieden. Denn der für Juli geplante Abschlussgottesdienst musste wegen der Corona-Epidemie abgesagt werden und wurde nun am vergangenen Wochenende in Ehlershausen nachgeholt.
Um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, haben sich die mehr als 100 Besucher aus den drei Kirchorten der Gemeinde Ehlershausen, Ramlingen und Otze dafür unter freiem Himmel zwischen Kirche und Gemeindehaus versammelt. Und sie hatten Glück: Denn nachdem es Samstag ausgiebig geregnet hatte, waren ihnen am Sonntagnachmittag trockenes Wetter und vergleichsweise milde Temperaturen beschieden. Mit markierten Laufwegen, viel Abstand zwischen den Stühlen sowie einer Maskenpflicht auf dem Weg zum Sitzplatz wurde trotz des Andrangs auch den Regeln zum Infektionsschutz Genüge getan.
Ihre Abschiedspredigt hat Susanne Paul mit einem Appell verknüpft: „Suchet der Stadt Bestes. Denn wenn‘s ihr wohlgeht, so geht‘s auch euch wohl!“, zitierte sie aus einem Brief des Jeremia aus dem Alten Testament. Das enthalte die Aufforderung, sich mit Gebet und Tatkraft für die Gemeinschaft einzusetzen, nicht nur innerhalb der Kirchenmauern unter sich zu bleiben, sondern in den Ort hineinzuwirken. „Auch wenn wir uns das in den vergangenen zwölf Jahren, in denen ich hier als Pastorin tätig war, vielleicht nicht immer gesagt haben, so hat es uns doch bewegt“, betonte Paul.
Als Beispiele nannte sie die „Weißen Nächte“, bei denen jedes Jahr viele Dorfbewohner ganz in Weiß gekleidet zusammenkamen und an einer langen Tafel speisten, zahlreiche Kunstausstellungen und viele weitere Veranstaltungen. Außerdem habe man gemeinsam das Dach der Martin-Luther-Kirche saniert und Luthers Garten auf dem Gelände an der Ramlinger Straße geschaffen. „In den zurückliegenden Wochen hat der Kirchenvorstand trotz aller Widrigkeiten auch noch die Sanierung des Gemeindesaals gewuppt!“, lobte Paul.
Und dann schlug sie noch einen Bogen vom Brief des Jeremia zu den gegenwärtigen „verrückten Zeiten“, wie sie es ausdrückte: Damals habe sich der Prophet an die Juden im babylonischen Exil gewandt und sie ermutigt, ihr Leben in der Fremde einzurichten. „Auch unser Leben ist in den zurückliegenden Monaten aus dem Takt geraten – nicht durch einen mächtigen Herrscher, sondern durch ein kleines Virus“, sagte Paul und ergänzte: „Wir befinden uns in einer Art Corona-Exil und viele kennen die Einsamkeit, die das mit sich bringt.“ In diesen Zeiten sei es besonders wichtig, dass sich die Gemeinde aktiv einbringe.
Das griff auch Superintendentin Sabine Preuschoff auf und gab den Gemeindemitgliedern auf den Weg: „Bleibt weiter so offen. Schätzt eure Rolle in den drei Orten und bewahrt sie!“ Sie würdigte Susanne Paul als begeisterte Gemeindepastorin. „Es war dir wichtig, Gelegenheiten zu schaffen, wo Menschen einfach so mit Kirche in Kontakt kommen können“, hob sie hervor. Und auch auf Ebene des Kirchenkreises habe Paul sich in vielfältiger Weise engagiert und Verantwortung übernommen. Dabei habe sie großes fachliches Wissen eingebracht, sei gut vernetzt gewesen und habe ein beeindruckendes Gedächtnis für Beschlusslagen unter Beweis gestellt. „Noch Jahre später hast du uns wieder an frühere Entscheidungen erinnert“, sagte Preuschoff mit einem Augenzwinkern.
Vor allem aber sei Paul für ihre Überzeugungen eingetreten und habe dabei mitunter auch unbequem sein können. „Wir haben uns aneinander gerieben, hart diskutiert, miteinander gerungen und gestritten“, blickte Preuschoff zurück und fügte hinzu: „Aber immer in gegenseitiger Wertschätzung und es hat uns in der Sache vorangebracht.“ Reibung erzeuge bekanntlich nicht nur Wärme, sondern auch Energie.
Nach dem Abschied von Susanne Paul betreut jetzt vorübergehend Pastor Axel Kawalla die Martin-Luther-Gemeinde, der im gesamten Kirchenkreis Burgdorf immer dort einspringt, wo es eine Vakanz gibt. Im Dezember kommt dann Nachfolgerin Dorothea Wöller.