Einsatz für die Menschenrechte

Als Vorsitzende der UN-Menschenrechtskommission war Eleanor Roosevelt maßgeblich an der Ausarbeitung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beteiligt. (Foto: Wikipedia/Archiv/UN)

Ausstellung in der Magdalenenkapelle würdigt 60-jähriges Bestehen von Amnesty International

Burgdorf (r/fh). Mit einer Plakat- und Foto-Ausstellung erinnert die Ortsgruppe Hannover Nordost von Amnesty International an das 60-jährige Bestehen der Menschenrechtsorganisation. Die Schau ist noch bis zum 24. Mai jeweils von 14 bis 18 Uhr in der Magdalenenkapelle auf dem alten Friedhof unter der Hochbrücke in Burgdorf zu sehen. Für die Ortsgruppe war es eine Punktlandung – denn sie hatte die Eröffnung der Ausstellung für den gestrigen Freitag geplant. Gerade einmal einen Tag vorher durften Museen und Galerien in der Region nach fast einem halben Jahr Corona-Pause erstmals wieder Besucher empfangen, nachdem die Inzidenz fünf Werktage unter 100 lag.
Allerdings ist das nur unter strengen Hygieneauflagen erlaubt. Demnach darf sich jeweils nur ein Haushalt in der Kapelle aufhalten. Deshalb ist eine Anmeldung per E-Mail an hannovernordost@amnesty-hannover.de erforderlich. Außerdem müssen Besucher ein negatives Ergebnis aus einem Corona-Schnelltestzentrum vorlegen oder vor Ort im Beisein des Ausstellungsteams einen Selbsttest machen. Ausgenommen sind davon Menschen, die mit ihrem Impf­ausweis oder einer gleichwertigen Bescheinigung nachweisen, dass sie seit mindestens 14 Tagen vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind oder die belegen, dass sie erkrankt waren und wieder genesen sind. Ungeachtet dessen besteht vor Ort für alle Maskenpflicht.
Die Ausstellung erinnert in Texten und Bildern an Meilensteine und Rückschläge seit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948 und der Gründung von Amnesty International 1961. „Es werden Menschenrechtsaktivisten wie Nelson Mandela porträtiert und Ikonen der Bürgerrechtsbewegung wie Martin Luther King“, beschreibt der Sprecher der Ortsgruppe André Ohnhold. Außerdem zeige die Ausstellung Erfolge wie das Ende von Diktaturen in einigen Ländern und die Ahndung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Andere Fotos zeugen von Missständen und Verstößen gegen die Menschenrechte. Es ist beispielsweise ein indischer Fabrikarbeiter zu sehen, der ohne jeden Arbeitsschutz gefährliche Tätigkeiten verrichtet oder eine Roma-Familie, die mit 40 Personen auf engstem Raum in unhaltbaren Zuständen leben muss. „Wir blicken nicht mit Stolz zurück, sondern in dem Bewusstsein, dass es weiterhin sehr viel zu tun gibt“, betont Ohnhold.
Die Vollversammlung der Vereinten Nationen hat die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ am 10. Dezember 1948 bei acht Enthaltungen einmütig verabschiedet. In 30 Artikeln werden dort Rechte beschrieben, die für alle Menschen in jedem Land der Welt gelten sollen. Doch Anspruch und Wirklichkeit klaffen zum Teil weit auseinander. Vielerorts werden beispielsweise die Prinzipien des Rechtsstaats verletzt, die als einer der Grundpfeiler der Erklärung in den Artikeln 5 bis 11 festgeschrieben sind. Menschen werden willkürlich festgenommen, ohne Gerichtsverfahren und Rechtsbeistand über Jahre inhaftiert und gefoltert.
Das veranlasste den britische Rechtsanwalt Peter Benenson im Jahr 1961, 13 Jahre nach dem Beschluss der UN-Vollversammlung, zu dem Zeitungsartikel „Die vergessenen Gefangen“. Darin berichtete er über das Schicksal von vier politischen Gefangenen und forderte die Leser auf, Appellbriefe an die jeweiligen Regierungen zu schreiben. Der Artikel wurde weltweit von 30 großen Zeitungen veröffentlicht und erzeugte einen großen internationalen Druck. Die vier von ihm porträtierten Gefangenen wurden schließlich tatsächlich freigelassen.
Daraus entstand die Kampagne „Appeal for Amnesty“ (Appell für Amnestie), die nach kurzer Zeit zur Gründung der Organisation „Amnesty International“ führte. Seit nunmehr 60 Jahren setzt sie sich gegen Menschenrechtsverletzungen ein, wie willkürliche Inhaftierungen wegen oppositioneller Meinungen, Folter und Todesstrafe. Die Ortsgruppe Hannover Nordost besteht seit 46 Jahren und umfasst die Kommunen Burgwedel, Wedemark, Isernhagen, Uetze, Lehrte, Sehnde und Burgdorf. Weitere Informationen gibt es unter https://amnesty-hannover.de/gruppen/burgdorf-burgwedel.