Einkaufen mit Termin

Das Team vom Modegeschäft Fehling freut sich, endlich wieder Kunden empfangen zu dürfen. (Foto: privat)

„Click&Meet“ ist möglich, solange die Inzidenz laut RKI nicht drei Tage am Stück über 150 liegt

Burgdorf (fh). Für Jörg Fehling war es ein ganz besonderer Moment, als er am Montag sein Modehaus an der Marktstraße aufschloss und die ersten Kunden hereinkamen, um sich nach leichten Übergangsjacken, luftigen Pullovern oder farbenfrohen Tüchern umzusehen. Monatelang war das wegen des Corona-Lockdowns nicht möglich gewesen, jetzt können die Burgdorfer zum ersten Mal wieder vor Ort stöbern und sich im persönlichen Gespräch beraten lassen. Mode- und Schuhgeschäfte, Elektrofachmärkte und viele weitere Läden mussten Mitte Dezember wegen der Corona-Epidemie schließen und konnten seitdem allenfalls einen Abhol- oder Lieferservice auf Bestellung anbieten.
Seit Montag ist nun auch das sogenannte „Click&Meet“-Verfahren erlaubt. Demnach erhalten Kunden Zutritt, wenn sie vorher per Telefon, E-Mail oder Internetportal einen Termin vereinbart haben und ein negatives Ergebnis aus einem Corona-Schnelltestzentrum vorweisen können, das nicht älter als 24 Stunden ist. Ein Selbsttest reicht nicht aus. Für die Geschäfte, die auch bisher schon geöffnet waren – wie Lebensmittelmärkte, Buchhandlungen und Blumenläden – ändert sich nichts. Dort ist der Einkauf weiterhin ohne Termin und ohne Test möglich.

Leichte Lockerung durch Bundesgesetz

Für die übrigen Branchen resultiert die vorsichtige Lockerung aus der Änderung des Infektionsschutzgesetzes auf Bundesebene: Dort ist die sogenannte „Bundesnotbremse“ verankert, mit der die Corona-Maßnahmen vereinheitlicht und an bestimmte Inzidenzwerte gekoppelt werden. In Niedersachsen waren die Regeln zuletzt deutlich strenger als in vielen anderen Teilen Deutschlands. „Click&Meet“ war demnach nur bei einem Inzidenzwert unter 100 möglich und diese Grenze wird in der Region Hannover konstant überschritten. Laut Bundesgesetz ist es nun bis zu einer Inzidenz von 150 erlaubt.
Deshalb ist schwer absehbar, wie lange die Öffnung mit „Click&Meet“ möglich bleibt. Ausschlaggebend dafür sind die Infektionszahlen, die das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht. Demnach lag der Inzidenzwert in der Region Hannover am Dienstag bei 155,0. Am Mittwoch sank er auf 138,8 und am Donnerstag auf 125,0. Die Daten von Freitag lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Wird die Marke von 150 an drei Tagen hintereinander überschritten, wird das Shoppen nach Terminvereinbarung wieder untersagt. Aktuelle Infos zu den geltenden Regeln gibt es unter www.hannover.de.

Teststationen in der Innenstadt

Trotz der Unsicherheit überwiegt bei Fehling die Freude. „Viele Stammkunden haben schon sehnlich darauf gewartet, wieder zu uns zu kommen. Wir mussten sie immer wieder vertrösten“, blickt er zurück. Deshalb habe er in den zurückliegenden Monaten eine Liste eingeführt, auf die sich Interessierte aufnehmen lassen konnten. „All diejenigen haben wir am Montag angerufen und viele haben sich gleich für diese Woche einen Termin geben lassen“, sagt Fehling. Einige hätten auch schon von sich aus zum Telefonhörer gegriffen oder seien direkt vorbeigekommen. „Wer ein negatives Schnelltest-Ergebnis vorweisen kann, bekommt an unserer ‚Modetür‘ auch spontan einen Termin, wenn noch etwas frei ist“, erläutert der Inhaber.
Er sei froh, dass es mit den Angeboten der Apofox-Apotheke an der oberen Marktstraße und der Löwen-Apotheke in dem Kiosk­-Häuschen auf dem Spittaplatz zwei zentral gelegene Teststationen in der Innenstadt gebe. „So können unsere Kunden ohne großen Aufwand einen Schnelltest machen“, betont Fehling.

„Neue Möglichkeit muss sich noch herumsprechen“

Martin Polch vom gleichnamigen Schuhhaus an der Hannoverschen Neustadt stimmt zu. „Es wissen aber noch nicht alle, wie einfach das ist. Ich würde gern noch ein paar mehr Termine vergeben“, sagt er. Bis zu 20 Kunden dürfen sich gemessen an der Ladenfläche gleichzeitig in dem Schuhhaus aufhalten, bisher werde das nicht ausgeschöpft. Es gebe ein ausgeklügeltes Hygienekonzept und ausreichend Platz, um viel Abstand zu halten. „Unsere Kunden können hier mit gutem und sicheren Gefühl einkaufen“, sagt Polch.
In den Regalen stehen bereits die neuen Modelle für den Frühling und Sommer. „Gerade Kinder müssen jetzt dringend aus ihren dicken Winterstiefeln raus und brauchen Halbschuhe für die warme Jahreszeit“, betont er. Aber auch viele Erwachsene sehnten sich nach Frische und Leichtigkeit. „Die Schuhe der Saison sind weich, leicht und hell, von weiß bis farbenfroh“, so der Inhaber.
Auch beim Elektrofachmarkt expert an der Weserstraße in der Weststadt ist der große Ansturm bisher ausgeblieben. In den ersten Tagen sei die Nachfrage nach „Click&Meet“ eher verhalten gewesen. „Mit Terminvereinbarung und Schnelltest gibt es ja gleich zwei Hürden“, nennt Tesch einen möglichen Grund. Außerdem müsse sich die neue Möglichkeit erst herumsprechen und einspielen. „Ich hoffe deshalb sehr, dass wir nächste Woche und darüber hinaus weitermachen dürfen. Bei einem ständigen Hin und Her zwischen Öffnen und Schließen weiß sonst keiner mehr, woran er ist“, so seine Befürchtung. Wenn es die Inzidenz­werte und Vorgaben zuließen, wolle er „Click&Meet“ auf jeden Fall weiter anbieten, selbst wenn es anfangs noch nicht so viel genutzt werde. „Wir wollen für unsere Kunden da sein und freuen uns über jeden, der kommt“, betont er.

Händler appellieren, die Corona-Regeln einzuhalten

Aber selbst wenn es einen Rückschlag geben sollte und sie das Einkaufen mit Termin wieder einstellen müssten, wollen die Burgdorfer Einzelhändler den Kopf nicht in den Sand stecken. „Wir waren auch in den vergangenen Wochen und Monaten immer für unsere Kunden da. Auf telefonische Bestellung konnten sie Kleidungsstücke kaufen oder zur Auswahl mitnehmen“, sagt Fehling. Dieses „­Click&Collect“-Prinzip bleibe in jedem Fall möglich, auch wenn die Inzidenz konstant über 150 liegen sollte.
Auch expert habe damit gute Erfahrungen gemacht, betont Tesch. „Wenn unsere Kunden anrufen, können sie direkt in der jeweiligen Abteilung eine Telefonberatung erhalten“, erläutert er. Und auch über die Internetseite www.expert-burgdorf.de könne bestellt werden. „Gerade kleinere Geräten kaufen viele online und holen sie dann bei uns ab“, schildert Tesch. Beim Kauf eines neuen Fernsehers wollten die meisten hingegen vor Ort vergleichen und sich von der Bildqualität überzeugen. „Manche Produkte muss man einfach live angucken und anfassen“, ist er überzeugt.
Mit einer dauerhaften Öffnung, irgendwann auch wieder ohne Termin und Test, sei aber nur zu rechnen, wenn die Infektionszahlen sinken. „Wir müssen jetzt alle noch ein bisschen durchhalten, bis große Teile der Bevölkerung durchgeimpft sind“, sagt er. Dem pflichtet Jörg Fehling bei und appelliert: „Wer etwas für den Einzelhandel tun will, sollte sich vor allem an die Corona-Regeln halten und sich impfen lassen, wenn er an der Reihe ist!“