„Eine Woche allein zu Haus kann einen ganz schön runter drücken“

Es ist vielleicht kein Leistungssport. Aber ein Riesenspaß, der nach spätestens zehn Minuten auch auf die Arme geht. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Hier können die Senioren ihre Sinne baumeln lassen, nachdenken und vor allen Dingen miteinander reden. (Foto: Svenja Steinseifer)

Sport, Spiel und Spaß beim Sommerfestival des Deutschen Roten Kreuzes, Ortsverein Burgdorf

BURGDORF (svs). Es dauert keine fünf Minuten. Und das gemeinsame Wirbeln des Schwungtuchs zaubert ein Lächeln in die Gesichter der Senioren und Gäste. Es wird gelacht, Bälle fliegen und der ein oder andere landet einen Kopfball. „Es ist die Gemeinsamkeit“, sagt Elke Baxmann. Mit ihrem Mann und Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD) schaut sie dem bunten Treiben zu. Genau darum geht es. Um Spaß am sportlichen Miteinander. Auch mit 90 Jahren.
„Zuhause allein macht man ja doch nichts“, sagt Erika Prieß. Die Seniorin möchte „fit bleiben“. Mit einer festen Tanzgruppe gibt das Deutsche Rote Kreuz, Ortsverein Burgdorf, der 74-jährigen die Möglichkeit, mal „rauszukommen“ und zu „klönen“. Am vergangenen Sonntag präsentierten sich im Rahmen eines Sommerfestivals das Jugendrotkreuz, die Gymnastikgruppe und das Sanitätsteam in der Villa Regenbogen.
„Die Senioren brauchen Kontakt“, betont Gisela Bittkau, Leiterin der Gymnastikgruppe, „eine Woche allein zu Haus kann einen schon ganz schön runter drücken.“ Bei den „Hupfdohlen“, den „Golden Girls“ mit einem „Golden Man“ und dem „Regenbogenclub“ gehe es daher nicht um Leistungssport. „Es entwickeln sich Freundschaften“, erzählt Bittkau. Das sei etwas was sich nicht erzwingen lasse. „Und das Beste, was passieren kann“, betont Bittkau.
Jeden dritten Sonntag im Monat treffen sich Burgdorfs Senioren zum Kaffee und zum Spielen. „Wenn es dann mal ausfällt oder wir es verschieben müssen, sind die meisten doch sehr traurig“, erzählt Manuela Paulitz vom Sanitäts-Team, dem Veranstalter des Senioren-Cafés. Wie wichtig solche Anlaufstellen und der gemeinsame Austausch sind, weiß auch Bürgermeister Alfred Baxmann (SPD). „Es wird in unserer Gesellschaft zukünftig immer mehr ältere Menschen geben“, sagt er. Klönen, Spaß haben, ein bisschen Sport machen – darauf komme es an. Außerordentlich gut aufgestellt sei die Seniorenarbeit in Burgdorf.
Für Erika Prieß ist auch der im Stadtpark neu eingerichtete Aktiv-Park ein Highlight. In Holzhausen habe sie solche Geräte schon einmal gesehen und sich gedacht: „Sowas müssten wir in Burgdorf auch haben – jetzt haben wir es!“ Erika Prieß möchte die Sportgeräte auf jeden Fall nutzen. So habe sie ein neues Ziel. „Dann wird das Rad halt mal abgestellt und dann wird geturnt“, sagt sie und lacht. Wenn möglich gemeinsam.
Gemeinsamkeit und Zusammengehörigkeitsgefühl, „nettes miteinander reden“. „Das ist das Wichtigste überhaupt in der Seniorenarbeit“, betont Bittkau. Besonders nett klönen lässt es sich im vor zwei Jahren eingerichteten Seniorenpark hinter der Villa Regenbogen. Die Beete sind so konzipiert, dass sie auch mit dem Rollstuhl oder Rollator angefahren werden können. Pflanzen anzufassen, Wasser plätschern zu hören und Dinge zu riechen – ein sinnvolles Training für die Sinne.
Seit zehn Jahren leitet Bittkau die Gymnastikgruppe und sie weiß auch, dass „die Demenz nicht lange auf sich warten lässt.“ Es sei nicht immer leicht zu sehen, wie Mitglieder körperlich oder geistig abbauen. „Eine Dame der „Golden Girls“ traute sich allein nicht mehr mit ihrem Rollator nach draußen“, erzählt sie. Gefallen sei sie. Gisela Bittkau fragte bei ihren Senioren rund, ob sich jemand fände, der die alte Dame begleitet. „Und es fand sich jemand“, erzählt die Leiterin stolz. Momente, die sie glücklich machen. „Solche Freundschaften sind das Beste was passieren kann!“ Und wenn es nur das wöchentliche Telefonat sei.
„Es macht einfach unglaublich viel Spaß“, sagt Bittkau und Erika Prieß halte es fit. „Die Älteste in unserer Gruppe ist schon 90 Jahre alt – und gut drauf!“, erzählt Prieß. Genau wie ihr Mann die wöchentlichen Skatabende lässt sich die 74-jährige ihren Sport nicht nehmen. „Sonst altert man ja noch schneller!“