Einbahnstraße vor Grundschule

Wenn es nach Schulleiter Heiko Blumenstein geht, sollen künftig mehr Grundschüler mit dem Fahrrad kommen, anstatt von den Eltern mit dem Auto gebracht zu werden.

Pilotprojekt auf der Lippoldstraße geplant / Stadt holt derzeit Angebote für ein umfassendes Mobilitätskonzept ein

Burgdorf (fh). In einem Pilotprojekt wollen Politik und Verwaltung jetzt dem morgendlichen Verkehrschaos vor der Astrid-Lindgren-Grundschule entgegenwirken, den Hol- und Bringverkehr nach Möglichkeit reduzieren und vor allem die Sicherheit für die Kinder erhöhen. Der Verwaltungsausschuss hat dem Vorschlag am Dienstag mehrheitlich zugestimmt. Demnach soll auf der Lippoldstraße nach den Sommerferien für ein Schulhalbjahr eine Einbahnstraße eingerichtet werden. Zwischen Beckstraße und Witzlebenstraße wird die Fahrt dann nur noch in Richtung Norden gestattet sein; Radfahrer dürften aber auch in Gegenrichtung fahren. „Wir stehen in den Startlöchern, um das umzusetzen“, sagte Claudia Vollmert von der Stadtverwaltung jüngst im Verkehrsausschuss.
Der Beschlussvorschlag der Verwaltung geht auf einen Antrag des SPD-Ratsherrn René Arand zurück. Ursprünglich hatte er sich dafür eingesetzt, die Lippoldstraße zu den Stoßzeiten morgens und mittags in beide Richtungen komplett zu sperren. Doch Polizei, Region und auch die Grundschule selbst äußerten Bedenken. Stattdessen brachten sie die Einbahnstraßenregelung ins Spiel, die sich jetzt durchgesetzt hat. Das mobilnetzwerk Hannover soll die Stadt dabei unterstützen, die neue Regelung bekannt zu machen und das Projekt begleiten.
Ziel sei es, die Situation für die Kinder übersichtlicher zu machen, weil dann nur noch aus einer Richtung Autos kommen können; das gefährliche Wenden und Rangieren falle weg. Aus diesem Grund sollen auch 17 Schrägparkplätze in der Nähe der Schule in acht Längsparkplätze umgewandelt werden, um eine Hol- und Bring-Zone zu schaffen, in der Eltern mit dem Auto nur kurz halten, um die Kinder herauszulassen und direkt weiterfahren. Dadurch könne das Rückwärtsfahren beim Ein- und Ausparken vermieden werden, so die Hoffnung.
Auch diese Variante hat nicht nur Freunde: So wendet beispielsweise die Regionsabteilung Bevölkerungsschutz ein, dass sich dadurch Rettungswege für Krankenwagen, Notärzte und Feuerwehr verlängern könnten. Denn aus Sicherheitsgründen werde trotz der Sonderrechte das Fahren entgegen einer Einbahnstraße nach Möglichkeit vermieden.
Und die benachbarte Kita fürchtet, dass sich die Parkplatzsituation auch für ihre Eltern und Mitarbeiter verschlechtern könnte. „Krippen- und Kindergartenkinder können den Weg in die Kita nicht ohne elterliche Begleitung bestreiten“, schreibt der Leiter Benjamin Vasterling in seiner Stellungnahme. Es reiche also nicht aus, kurz anzuhalten, das Kind aussteigen zu lassen und weiterzufahren.
Sowohl die Stadtverwaltung als auch der Leiter der Astrid-Lindgren-Grundschule riefen im Verkehrsausschuss mehrfach in Erinnerung, dass es sich lediglich um ein Pilotprojekt handele. Es gehe nicht darum, von vornherein die perfekte Lösung zu finden, sondern Erfahrungen zu sammeln, von denen gegebenenfalls auch andere Schulen profitieren könnten. Dabei sei nichts in Stein gemeißelt. „Wir sind bei diesem Experiment sehr flexibel und bleiben mit allen Beteiligten in Kontakt“, betonte Rainer Herbst von der städtischen Tiefbauabteilung. Wenn es Probleme gebe, könne nachgesteuert werden. Und Grundschulleiter Heiko Blumenstein bekannte: „Ich möchte das unheimlich gern ausprobieren.“
Unabhängig von diesem Einzelprojekt lässt die Stadt derzeit Schulwegpläne für alle Schulen in der Kernstadt erstellen. Im März hat sie ein Planungsbüro damit beauftragt, das zur Zeit eine Bestandsaufnahme der Schulwege mache. Später sollen sich Schüler, Eltern und Lehrer dann beispielsweise auch bei Workshops einbringen können. Das weitere Vorgehen solle in Kürze mit dem Planungsbüro abgestimmt werden. Ob es dabei aufgrund der Corona-Epidemie zu Verzögerungen komme, sei noch nicht absehbar. Die Gesamtkosten für die Schulwegpläne belaufen sich auf 40.000 Euro, die Hälfte davon übernimmt die Region.
Zusätzlich könnte Burgdorf mittelfristig einen umfassenden Masterplan Mobilität bekommen, der die gesamte Verkehrssituation in der Stadt beleuchtet – inklusive innovativer Lösungsvorschläge für bestimmte Problemstellen. Das Ingenieurbüro SHP hatte diese Möglichkeit am 16. September 2019 im Verkehrsausschuss vorgestellt. Auf Wunsch der Politiker holt die Stadt derzeit Angebote von drei Firmen ein. Laut Stadtsprecher Sebastian Kattler werden sie nach der Sommerpause erwartet. Dann könnten die Ratsgremien entscheiden, ob ein entsprechender Auftrag erteilt werden soll. Die Stadt geht von Kosten im höheren fünf- bis sechsstelligen Bereich aus.