Ein Zeichen gegen die Todesstrafe

André Ohnhold befestigt das Banner am Dach der Magdalenenkapelle.
 
Ursula Gerhorst-Renneberg (von links), Ingrid Henze und Andreas Greulich halten die Schnüre an denen das Banner befestigt ist und versuchen, es in Position zu ziehen.

Ortsgruppe von Amnesty International befestigt ein Banner am Dach der Magdalenenkapelle

Burgdorf (fh). André Ohnhold steht auf einer Leiter und versucht, am Dach der Magdalenenkapelle ein großes gelbes Banner zu befestigen. Die Burg­dorfer Ortsgruppe von Amnesty International will damit anlässlich des Aktionstages „Cities for Life“ am 30. November ein Zeichen gegen die Todesstrafe setzen und auf Menschenrechtsverletzungen in vielen Teilen der Welt aufmerksam machen. Doch noch wirft der Stoff so viele Falten, dass der Schriftzug darauf nur zu erahnen ist. „Ihr müsst noch mal etwas mehr ziehen!“, ruft Gruppensprecher Ohnhold den anderen Mitgliedern zu.
Andreas Greulich, Ingrid Henze und Ursula Gerhorst-Renneberg stehen hinter der Kapelle. Sie halten die Schnüre, an denen das Banner befestigt ist und versuchen, es in Position zu ziehen. Die Schwierigkeit dabei: Sie können Ohnhold nicht sehen – und wie sich bald herausstellt auch nicht hören. Denn seine Anweisungen verhallen an diesem stürmischen Nachmittag sprichwörtlich im Wind.
Doch davon lassen sich die Ehrenamtlichen nicht entmutigen. „Wir sind auf jeden Fall weiter als vor drei Stunden“, sagt Greulich mit einem Augenzwinkern. Da ist es kurz nach 16 Uhr; gegen 13 Uhr hat sich die Gruppe getroffen. Sein Optimismus zahlt sich aus: Etwa eine halbe Stunde später hängt das Banner nach vielem Ziehen, Zerren und Herumprobieren tatsächlich gerade am Dach der Kapelle.
Der 13-jährige Julius Vogel baut derweil Scheinwerfer am Fuß des Gebäudes auf: Seine Lichtinstallation sorgt dafür, dass die Autofahrer das Banner von der Hochbrücke aus in der Dunkelheit sehen können. „Ich kümmere mich seit anderthalb bis zwei Jahren im JohnnyB. um die Beleuchtung bei Veranstaltungen. Deshalb habe ich die Aufgabe gern ehrenamtlich übernommen“, sagt er.
Die Initiative „Cities for Life“ macht jedes Jahr am 30. November darauf aufmerksam, dass noch immer viele Staaten in der Welt an der Todesstrafe festhalten. In Deutschland unterstützen rund 300 Kommunen die Aktion; die Stadt Burgdorf gehört seit 2014 zu dem Bündnis. Und während draußen das beleuchtete Banner die Blicke auf sich zieht, hat die Amnesty-Gruppe im Inneren der Kapelle Unterschriftenlisten ausgelegt. Sie fordern, die Hinrichtung von Viktar Paulau in Belarus (Weißrussland) zu stoppen. Er wurde im November 2019 wegen Mord verurteilt. Gegenwärtig kennen weder seine Angehörigen noch seine Anwälte seinen Aufenthaltsort und wissen nicht einmal, ob er noch lebt.
Ingrid Henze zeigt sich überzeugt, dass die Aktionen von Amnesty etwas bewegen können. Die ist Lehrerin der Aurelia-Wald-Gesamtschule Uetze und bereits seit 1989 Mitglied der Menschenrechtsorganisation. Damals sei sie eingetreten, weil sie in der Klasse eine Schülerin hatte, die mit ihrer Familie nach Deutschland geflohen ist. „Ihr Schicksal hat mir vor Augen geführt, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssen, weil sie dort verfolgt werden“, blickt sie zurück. Das wollte sie nicht einfach hinnehmen und begann deshalb, sich bei Amnesty zu engagieren.
Dabei ist sie bis heute geblieben, obwohl es im Laufe der Jahre auch immer wieder Rückschläge gegeben habe. „Wir können nicht alle zu Unrecht Inhaftierten befreien“, sagt Henze. Doch bis heute sei ihr ein Fall aus Russland in Erinnerung geblieben. „Da haben wir vor etlichen Jahren die Freilassung eines Unschuldigen gefordert“, erzählt sie. Das sei zwar nicht erreicht worden, aber immerhin habe er Stift und Papier bekommen. „Wir waren damals enttäuscht, aber er hat später erzählt, wie viel ihm das in der Haft bedeutet habe“, so Henze. Seitdem freue sie sich auch über die vielen kleinen Erfolge.
Und dafür will sie sich auch am heutigen Samstag, 4. Dezember, wieder einsetzen. An einem Infostand vor dem Rewe-Markt an der Marktstraße stellt die Ortsgruppe vormittags den sogenannten Briefmarathon vor. Mit dieser Aktion setzt sich Amnesty International für zehn Menschen ein, die von Willkür, Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen bedroht sind.