Ein Zeichen der Solidarität

Vor dem jüdischen Friedhof setzten die Besucher ein Zeichen für Toleranz und Solidarität.

Nach dem rechtsextremen Anschlag in Halle: St.-Nikolaus-Gemeinde hält Andacht vor dem Tor des jüdischen Friedhofs ab

BURGDORF (fh). Mit einer Solidaritätskundgebung am Eingang des jüdischen Friedhofs hat die St.-Nikolaus-Gemeinde ein Zeichen für Toleranz, Offenheit und Mitmenschlichkeit gesetzt. Rund 60 Burgdorfer versammelten sich dort am Montagabend, um der Opfer des rechtsextremen Anschlags in Halle zu gedenken und sich mit denjenigen zu solidarisieren, denen er gegolten hat: den Jüdinnen und Juden, die in der Synagoge den Feiertag Jom Kippur begingen. "Es ist schön, dass Sie alle hier sind und es ist traurig, dass das immer wieder nötig ist", sagte Pfarrer Martin Karras zur Begrüßung.
Die Gemeinde habe sich bewusst gegen eine lautstarke Demonstration entschieden und sich stattdessen zu stillem Gebet und Andacht versammelt. "Wir beten für die Ermordeten, für die Verletzten und für alle, die an Körper und Seele Schaden genommen haben, und wir beten sogar für denjenigen, der das getan hat, dass er vielleicht begreift, was er angerichtet hat", sagte Karras einleitend.
Gemeinsam sprachen die Teilnehmer der Andacht den Psalm 121, in dem es heißt: "Siehe, er schlummert nicht ein und schläft nicht, der Hüter Israels." Danach sangen sie das Lied "Gottes Guter Segen" und sprachen das Vater unser. Viele Teilnehmer der Kundgebung entzündeten Kerzen, die sie am Ende der Andacht rund um eine Blumenschale vor dem Friedhofstor abstellten. "Wir wollen damit ein Stück Hoffnung wiedergeben und Licht dorthin bringen, wo andere das Licht ausgemacht haben", so Karras.
Die St.-Nikolaus-Gemeinde habe bewusst nicht auf den jüdischen Friedhof eingeladen, sondern sich am Eingang getroffen, erläuterte Karras. "Im Judentum werden keine Kerzen auf die Gräber gestellt. Wir wollen deshalb nicht einfach mit einer christlichen Tradition dort eindringen", betonte der Pfarrer. Außerdem wolle sich die Gemeinde damit symbolisch vor die Jüdinnen und Juden stellen, um sie zu beschützen.
Unter den Besuchern war auch die ehemalige Diakonin der St.-Pankratius-Gemeinde Marie-Luise Behm. Sie sei überzeugt, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung für Offenheit und Toleranz sei. "Das müssen wir viel häufiger und viel lauter deutlich machen, damit die kleine braune Minderheit nicht mehr zum Zuge kommt", begründete sie ihre Teilnahme.
"Ich bin 1937 geboren und habe die Judenverfolgung während des Nationalsozialismus mitbekommen. Wenn jetzt wieder so ein Anschlag verübt wird, beängstigt mich das", sagte Ingrid Sandau, die zusammen mit ihrem Mann Friedrich zu der Andacht gekommen war. Ute Bittner war es dabei besonders wichtig, dass gerade auch Christen ein Zeichen setzten. "Es war ja nicht zuletzt die Kirche, die den Hass auf Juden verursacht hat", rief sie in Erinnerung.