Ein Teil der Feuerwehrgeschichte

Die Vorsitzende des Feuerwehrausschusses Beate Neitzel gratuliert Kurt Fuchs zu seiner Auszeichnung für 75 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr. Brandabschnittsleiter Detlev Hilgert (rechts) und der Leiter der städtischen Ordnungsabteilung Christian Enderle bekunden ebenfalls ihren Respekt.
 
Ortsbrandmeister Florian Bethmann übergibt Bürgermeister Armin Pollehn eine Feuerwehrjacke mit ganz besonderem Schriftzug: "Damit man Sie sofort erkennt, wenn Sie mal zu einer Einsatzstelle kommen."

Der ehemalige Stadtbrandmeister Kurt Fuchs erhält eine Auszeichnung für 75-jährige Mitgliedschaft

BURGDORF (fh). Für die Ortsfeuerwehr Burgdorf war die Jahreshauptversammlung diesmal so etwas wie eine Generalprobe: Denn nächstes Jahr will sie dort einen großen Kommers zu ihrem 150-jährigen Bestehen ausrichten. Im Sitzungsraum im Obergeschoss würden dann nicht alle Gäste Platz finden. Deshalb wurde die Veranstaltung testweise wie schon im vergangenen Jahr in die Fahrzeughalle verlegt.
Und während die Ortsfeuerwehr auf ihr großes Jubiläum zusteuert, wurde in diesem Jahr jemand geehrt, der ziemlich genau die Hälfte dieser Geschichte miterlebt und mitgestaltet hat: Der ehemalige Stadtbrandmeister Kurt Fuchs erhielt eine Würdigung für 75 Jahre Mitgliedschaft. Als der Musikzug zu seinen Ehren spielte und die Anwesenden ihm mit Applaus und einem dreifachen „Gut Schlauch“ gratulierten, liefen dem 89-Jährigen Tränen der Rührung über die Wangen.
Ortsbrandmeister Florian Bethmann reichte ihm ein Taschentuch. „Das macht einfach Gänsehaut“, leitete er anschließend seine Rede ein. Er hoffe, dass Kurt Fuchs auch nächstes Jahr am Jubiläum seiner Feuerwehr teilhaben könne. „Schließlich planen wir eine Vorführung mit dem historischen Löschfahrzeug, mit dem du 1974/75 schon die großen Waldbrände bekämpft hast“, sagte er in Richtung des Ehrenstadtbrandmeisters.
In seinem Bericht ließ Beth­mann außerdem die Ereignisse des vergangenen Jahres Revue passieren: 2019 habe die Ortsfeuerwehr Burgdorf 265 und damit 82 Prozent aller Einsätze im Stadtgebiet absolviert. Dabei leisteten die Mitglieder 4622 Einsatzstunden und zusammen mit Übungsdiensten, Lehrgängen, Wettkämpfen und vielem mehr insgesamt 33.763 ehrenamtliche Dienststunden. Selbst bei einem Verdienst nur knapp über dem Mindestlohn würde das etwa 1,1 Millionen Euro entsprechen, die die Stadt durch den ehrenamtlichen Einsatz der Ortsfeuerwehr eingespart habe, rechnete Bethmann vor.
Angesichts der vielen ehrenamtlichen Stunden forderte Ortsbrandmeister Florian Bethmann von der Stadt ein stärkeres finanzielles Engagement für die Feuerwehr. „Vor allem bei der Beschaffung der persönlichen Schutzausrüstung hakt es“, bemängelte er. Es dauere etwa sechs Monate, bis Neumitglieder so ausgestattet seien, dass sie einigermaßen an den wöchentlichen Übungsdiensten teilnehmen könnten und bis zu einem Jahr, bis sie vollständig eingekleidet seien. Für Einsteiger, die mit ihrem Grundlehrgang beginnen wollen, sei das schon ärgerlich genug.
Noch schlimmer sei es aber für langjährige und gut ausgebildete Feuerwehrleute, die aus einer anderen Stadt nach Burgdorf ziehen. „Für sie ist das eine elendig lange Durststrecke“, sagte Bethmann und fügte hinzu: „Ich weiß nicht, ob ich so lange durchhalten würde, wenn ich in dieser Situation wäre, oder ob ich mich irgendwann verarscht fühlen würde.“ Diese klaren Worte quittierten die Mitglieder mit kräftigem Applaus.
Nachholbedarf sehe er außerdem bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge, da viele die Soll-Nutzungsdauer von 20 Jahren bereits weit überschritten hätten. Und auch eine neue Damenumkleide werde dringend benötigt. Denn als das Feuerwehrhaus Vor dem Celler Tor vor 25 Jahren gebaut wurde, seien nur Plätze für acht Frauen eingeplant worden – mittlerweile gebe es aber 15 weibliche Mitglieder. Um sie aufnehmen zu können, wurden die Urinale aus einem Männerklo entfernt und dort zusätzliche Spinde für die Frauen hineingestellt. Aber auch so seien die Kapazitäten längst ausgeschöpft.
Deshalb sei es an der Zeit, eine vernünftige Damenumkleide zu schaffen. „Ich rechne fest damit, dass der Frauenanteil weiter steigt“, betonte Bethmann. Das zeige auch ein Blick auf die Mitgliederzahlen: Während der Anteil bei den Aktiven ungefähr bei 17 Prozent liege, seien es in der Jugendfeuerwehr 25 Prozent und bei der Kinderfeuerwehr sogar rund 50 Prozent.
Ganz so lange wie einige Neumitglieder musste Bürgermeister Armin Pollehn übrigens nicht auf seine persönliche Ausstattung warten: Als Geschenk für 100 Tage im Amt und zu seinem 60. Geburtstag überreichte Florian Bethmann ihm eine ausgemusterte, „aber gut gereinigte“ orangefarbene Feuerwehrjacke mit dem Schriftzug „Bürgermeister“. „Damit man Sie immer sofort erkennt, wenn Sie an den Einsatzort kommen“, sagte der Ortsbrandmeister mit einem Augenzwinkern.
Pollehn bedankte sich und nahm auch die teils harsche Kritik nicht übel. „Ich bin schon ganz froh, dass Sie zumindest kein neues Feuerwehrhaus gefordert haben“, sagte er angesichts der umfangreichen Wunschliste. Burgdorf habe sich finanziell viel vorgenommen und die Haushaltslage sei angespannt, was den Spielraum für weitere Investitionen einschränke. „Aber die Feuerwehr ist eine kommunale Pflichtaufgabe und ich werde immer dafür sorgen, dass Sie mindestens mit dem Nötigsten ausgestattet sind“, sicherte Pollehn zu und ergänzte: „Ich weiß und wir wissen, was Sie uns wert sind.“
Außer Kurt Fuchs wurden auch noch Manfred Wiese für 60 Jahre, der ehemalige Ortsbrandmeister Ernst-August Beneke für 50 Jahre und Jörg Ehrhardt für 25 Jahre geehrt. Beneke interpretierte zu diesem Anlass eine alte Feuerwehr-Tradition neu. „50 Jahre Feuerwehr hieß zu meiner Zeit 50 Liter Freibier. Aber das trinkt ja heute niemand mehr“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Er habe aber ausgerechnet, dass ihn das etwa 200 Euro gekostet hätte. „Bei Bier bekommt man etwa fünf Prozent raus. Wenn man das Geld hingegen in die Nachwuchsarbeit und damit in die Zukunft steckt, rentiert sich das noch viel mehr“, so Beneke. Deshalb spende er die Summe je zur Hälfte an die Kinder- und an die Jugendfeuerwehr.
Darüber hinaus nahm Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer folgende Ernennungen vor: Norman Puffay und Florian Zeumer zum Feuerwehrmann, Jasmin Ebeling und Katharina Roy zur Oberfeuerwehrfrau, Jerome Surborg zum Hauptfeuerwehrmann, André Helms und Frank Sellmann zum Ersten Hauptfeuerwehrmann sowie Marco Henze zum Oberlöschmeister, Klaus Wickboldt zum Hauptlöschmeister und den stellvertretenden Ortsbrandmeister Simon Grabow zum Oberbrandmeister.