Ein Pfarrer für drei Gemeinden

Franz Kurth betreut als leitender Pfarrer künftig den neuen Pastoralbereich mit den Kirchengemeinden St. Nikolaus Burgdorf, St. Bernward Lehrte und St. Martin Hannover-Roderbruch.

St. Nikolaus Burgdorf gehört ab dem 1. September zum Pastoralbereich Hannover-Ost

Burgdorf/Uetze (fh). Für die katholische St.-Nikolaus-Gemeinde bricht eine neue Ära an: Wenn Pfarrer Martin Karras Burgdorf am 31. August verlässt, wird in das Pfarrhaus neben der Kirche im Langen Mühlenfeld kein Nachfolger mehr einziehen. Denn die St.-Nikolaus-Gemeinde bildet künftig zusammen mit St. Bernward Lehrte und St. Martin Hannover-Roderbruch den Pastoralbereich Hannover-Ost. Die priesterlichen Aufgaben in den drei Gemeinden übernimmt fortan Franz Kurth als leitender Pfarrer gemeinsam mit Pater Cherian Marottickathadathil und Kaplan David Bleckmann.
Mit diesem neuen Personalkonzept reagiert das Dekanat Hannover im Bistum Hildesheim auf den gegenwärtigen Priestermangel. "An der Eigenständigkeit der einzelnen Gemeinden ändert sich dadurch aber nichts. Jede behält ihren Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand", betont Kurth. Über Bauprojekte und Personal werde also weiterhin vor Ort entschieden und auch die Finanzhoheit obliege nach wie vor den einzelnen Gemeinden.
Bei den priesterlichen Aufgaben sind Franz Kurth und sein Team künftig hingegen allen drei Gemeinden gleichermaßen verpflichtet. "Wir müssen deshalb ganz genau schauen, was machbar ist und wo wir noch Energie reinstecken wollen. Ohne Einschnitte wird es nicht gehen", sagt er. Wichtig sei ihm aber, dass das sonntägliche Gottesdienst-Angebot in der St.-Nikolaus-Gemeinde erhalten bleibe. "Wir werden wie bisher jeweils ab 9 Uhr eine Heilige Messe in Uetze feiern und ab 11 Uhr in Burgdorf", kündigt der Pfarrer an. Das werde allerdings nicht immer dieselbe Person machen, sondern er werde sich dabei mit seinen beiden Kollegen abwechseln.
An den Feiertagen müsse das Angebot indes ausgedünnt werden. "Wir können an Heiligabend nicht mehr in jeder Kirche zwei oder drei Christmessen feiern", macht Kurth deutlich. Und wie es mit den Gottesdiensten in Hänigsen weitergehe, stehe auch noch nicht fest. Seit die dortige St.-Barbara-Kirche 2012 profaniert und später abgerissen wurde, werden sie zwei mal im Monat in der evangelischen St.-Petri-Kirche begangen. "Wir müssen im Pfarrgemeinderat diskutieren, ob und gegebenenfalls wie wir das aufrechterhalten können", sagt er.
Auch die personelle Präsenz in Burgdorf werde sich verändern. Das Pfarrbüro Im Langen Mühlenfeld bleibe zwar weiterhin besetzt und auch Gemeindereferent Stefan Horn habe dort weiterhin seinen Dienstsitz. "Es wird aber künftig keinen Pfarrer mehr vor Ort geben", sagt Kurth. Denn er selbst und Marottickathadathil wohnen in Hannover, Bleckmann in Lehrte. "Am eigenen Wohnort bekommt man von der Gesellschaft mehr mit und hat auch mehr Kontakte", räumt Kurth ein. Als leitender Pfarrer für einen ganzen Pastoralbereich werde hingegen manches an ihm vorbeigehen. "Ich bin deshalb darauf angewiesen, dass die Ehrenamtlichen im Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat vor Ort gut vernetzt sind", betont Kurth.
Er wirbt dafür, den Umbruch nicht als ein notwendiges Übel zu betrachten, sondern auch als Chance. Für die Gemeindemitglieder eröffneten sich dadurch neue Möglichkeiten, sich einzubringen, mitzugestalten und Verantwortung zu übernehmen. Und auch ganz persönlich sehe er in der neuen Struktur einen Vorteil. "Wir brechen endlich die Einzelkämpfermentalität auf, die es seit Jahrzehnten gab und treten im Team an", betont er. 16 Jahre lang habe er eine Pfarrei alleine betreut. "Alle Gottesdienste, alle Sakramentsspenden und alle Beerdigungen hingen an mir. Privates musste ich immer nach hinten schieben", blickt er zurück. Von nun an könne man sich gegenseitig unterstützen.