Ein Name, der verpflichtet

IGS-Schulleiter Rudolf Alker (von links) enthüllt im Beisein von Bürgermeister Alfred Baxmann und Rudolf Bembennecks Frau Christa das neue Namensschild der Schule.
 
Bei der Feier zur Namensgebung singt der IKU-Chor, ein gemeinsames Projekt von Gymnasium, IGS, Haupt- und Realschule.

Die IGS Burgdorf heißt jetzt Rudolph-Bembenneck-Gesamtschule

BURGDORF (fh). „Mit diesem Namen hat sich die Schule eine Selbstverpflichtung und einen hohen Anspruch auferlegt“ – das haben Bürgermeister Alfred Baxmann, Schulleiter Rudolf Alker und Elternvertreter Jörg Fröhlich in ihren Reden betont. Die Integrierte Gesamtschule (IGS) Burgdorf heißt jetzt „Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule“ und will sich damit das Engagement und die Werte des früheren Burgdorfer Pastors zum Vorbild nehmen.
„Als mein Vater ein Kind war, hätte wahrscheinlich kein Lehrer gedacht, dass mal eine Schule nach ihm benannt wird“, sagte seine jüngste Tochter Christina Bembenneck bei der Feier zur offiziellen Namensgebung am Mittwoch. In ihrer kurzen und persönlichen Rede machte sie deutlich, dass trotz der großen Leistungen ihres Vaters niemand in Ehrfurcht erstarren müsse. Gerade auch den Schülern wollte sie ihn als Menschen näher bringen und nicht als unerreichbares Vorbild hinstellen.
Bei der Feierstunde in der Aula waren die Erwachsenen eindeutig in der Überzahl: Politiker, Mitarbeiter der Stadt, Schulleiter, Burgdorfer Geschäftsleute und Wegbegleiter. Um aber auch mit den Kindern und Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, hatte Christina Bembenneck schon zuvor an einer Schülervollversammlung der fünften bis achten Klassen teilgenommen.
Ihre Botschaft: „Es gibt niemanden, der alles gut kann und dem alles leicht fällt.“ Auch ihr Vater sei ein ganz normaler Mensch gewesen, ein ganz normales Kind und ein ganz normaler Schüler. „Er konnte zum Beispiel überhaupt nicht singen und auch Englisch fiel im schwer“, machte sie all denjenigen Mut, die in einigen Fächern zu kämpfen haben und fügte dann hinzu: „Aber das, was er gut konnte, hat er sein Leben lang für andere eingesetzt. Das hat ihn zu einem außergewöhnlichen Mann gemacht.“
Bembenneck, der im Januar 2018 nach schwerer Krankheit gestorben ist, hatte sich viele Jahrzehnte lang für die lokale Erinnerungskultur eingesetzt. Er beschäftigte sich intensiv mit den Familiengeschichten und dem Schicksal der Burgdorfer Juden, die von den Nazis deportiert und ermordet wurden. Dazu hielt er immer wieder öffentliche Reden und nahm Kontakt zu Überlebenden der Shoa und ihren Angehörigen in allen Teilen der Welt auf.
Auch das Gedenkfries zur Erinnerung an die Burgdorfer Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung und die Stolpersteine vor den Häusern der Opfer gehen auf seine Initiative zurück. Kurz vor seinem Tod veröffentlichte er mit der Unterstützung von Weggefährten ein Buch über Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die während des Zweiten Weltkrieges nach Burgdorf verschleppt und dort in Lagern interniert wurden. „Mit Zielstrebigkeit, Akribie und Beharrlichkeit hat er seine Anliegen verfolgt. Und wenn es sein musste, war er auch unbequem und unbeugsam“, sagte Bürgermeister Alfred Baxmann bei der Feierstunde.
Die IGS wolle dieses Vermächtnis in die pädagogische Arbeit integrieren, betonte Schulleiter Rudolf Alker. Die Erinnerung vor allem auch an die Burgdorfer Geschichte solle gepflegt und mit Leben gefüllt werden. Viele Werte, die Rudolf Bembenneck wichtig gewesen seien, fänden sich auch im Leitbild der Schule wieder. "Sein überzeugender Einsatz für soziale Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und sozialen Ausgleich soll uns Vorbild sein", betonte Alker.
Ihr Vater sei nicht nur weltoffen, tolerant und menschlich gewesen, sondern auch nachsichtig, wenn jemand etwas falsch gemacht habe, gab Christina den Anwesenden und gerade auch den Schülern mit auf den Weg. Dazu erzählte sie eine Episode aus der Kindheit ihres Vaters. Er habe sich damals sehnlich einen Bleistift gewünscht, der damals noch einen echten Wert gehabt habe. Eines Tages habe er seinem Lieblingsonkel deshalb einen geklaut. „Als er ihm das am nächste Tag voller Reue gebeichtet hat, hat sein Onkel ihm sofort verziehen. Er hat sogar gesagt, dass es seine Schuld sei: Er hätte wissen müssen, dass er einen Bleistift brauche“, so Christina Bembenneck. Diese Erfahrung habe ihren Vater geprägt und es sei ihm deshalb später leicht gefallen, auch anderen gegenüber gnädig zu sein.
Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Rudolf Bembennecks Frau Christa für die Namensgebung und wünschte "allen, die in diesem Hause Aufgaben haben, gutes Gelingen und Gottes Segen." Danach enthüllte sie gemeinsam mit Bürgermeister Alfred Baxmann und Schulleiter Rudolf Alker das neue Namensschild.