Ein Lehrstück über die Faszination von realer und virtueller Gewalt

Der Hausmeister Herr Baris (rechts) berichtet Schüler Ben von seinen furchtbaren Kriegserlebnissen in Bosnien. (Foto: Theater in der List)

Theaterstück „Feindberührung 2.0“ in der St. Pankratiuskirche

BURGDORF (r/jk). Das Theaterstück „Feindberührung 2.0“ wird am Dienstag, 8. März, ab 17.30 Uhr in der St. Pankratiuskirche aufgeführt. Die Kirchengemeinde zeigt das Theaterstück im Rahmen ihres Themenjahres 2011 „Achtung Mensch“. Der Eintritt ist frei. Eine Spende am Ausgang ist erwünscht. Das Theaterstück richtet sich an Jugendliche, bietet aber auch Erwachsenen eine Möglichkeit, mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen.
„Feindberührung 2.0“ ist ein emotionales Lehrstück über die Faszination von realer und virtueller Gewalt und den riskanten Weg zum alltäglichen Frieden. Gewalt spielt im Leben von Jugendlichen eine große Rolle, ob in der virtuellen oder realen Erfahrungswelt. Viele fragen: Wie soll ich umgehen mit gewalttätigen Herausforderungen, ohne als „Opfer“, „Weichei“ oder „Schläger“ gebrandmarkt zu werden? Wie kann ich der Faszination von Waffen begegnen? Gibt es Übergänge von der virtuellen zur realen Gewalt? Was passiert mit meinem Kopf, meiner Seele, wenn ich stundenlang Gewaltphantasien am Computer auslebe?
Zum Inhalt: Herr Baris, der bosnische Hausmeister einer Schule irgendwo in Deutschland, will die Theaterbühne aufräumen. Die Theatervorstellung „Touch Peace“ fällt aus, da die Theater AG sich zerstritten und aufgelöst hat. Er bemerkt die Zuschauer und ist verunsichert. Der Schüler Ben taucht auf. Er wurde von der Schulleitung zu zehn Stunden „Sozialdienst“ verdonnert, da man bei ihm eine Pistole entdeckt und konfisziert hat. Die Begegnung dieser beiden verläuft anfänglich sehr wortkarg und abwartend. Ben ist genervt, aggressiv und voller Vorurteile gegen den Ausländer. Herr Baris beginnt zu verstehen, warum sich Ben seit Monaten in seine von Gewalt geprägte Computerwelt zurückgezogen hat. Daraufhin erzählt er von seinen eigenen Kriegserlebnissen in Bosnien, seiner Flucht und wie er damals in Deutschland neuen Lebensmut gefunden hat. Aber da ist noch ein Haken: die illegale Pistole von Herrn Baris. Und die Versuchung von Ben sie zu besitzen, um sein Problem zu lösen …(
Diese Inszenierung hat keinen erhobenen Zeigefinger. Sie ist trotz des schwierigen Themas lustig und unterhaltend, doch auch nachdenklich und berührend. Mit tief bewegenden persönlichen Geschichten, komödiantischen Einlagen, aber auch knallharten Auseinandersetzungen geht es um das „Eingemachte“: um den Verlust der Ehre und was daraus folgen kann. Die Schauspieler bewegen sich in einer sensiblen Inszenierung trotz der großen Verständigungsschwierigkeiten aufeinander zu. Sie zeigen Aufgeschlossenheit und sogar Mut einen neuen riskanten Weg zu gehen, um Frieden zu finden.
„Feindberührung 2.0“ ist eine Produktion des Hauses kirchlicher Dienste der Ev.-luth. Landeskircher und des „Theaters in der List“.