Ein Jahrzehnt der Widersprüche

Vor dem Burgdorfer Bahnhofsgebäude waren 1928 Pferdekutschen noch genauso zu sehen wie erste Automobile. (Foto: VVV/Archiv)

Neue Ausstellung über die 1920er Jahre ist in Kooperation mit dem Historischen Museum Hannover entstanden

Burgdorf (fh). Die ersten Autos rollen über die Straßen und abends vergnügt man sich im Varieté-Theater oder beim Charleston in den Tanzlokalen, doch gleichzeitig leidet die Bevölkerung unter den Folgen des Ersten Weltkriegs, die Inflation steigt unaufhaltsam und die Wirtschaftskrise bahnt sich an: Eine neue Ausstellung unter Regie des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) beleuchtet die 1920er Jahre in all ihren Widersprüchen. Sie ist bis zum 22. Mai immer sonntags von 14 bis 17 Uhr im Stadtmuseum, Schmiedestraße 6, zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Das Besondere dabei: Die Ehrenamtlichen vom VVV haben die Ausstellung diesmal in enger Kooperation mit dem Historischen Museum Hannover konzipiert. „Wir haben bei geschichtlichen Themen schon immer Mal Kontakt zu den Mitarbeitern aufgenommen oder uns einzelne Exponate ausgeliehen, aber in dieser Form ist das eine Premiere“, betont VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich.
Denn schon bei der Vorbereitung haben sich der stellvertretende Leiter des Historischen Museums Andreas Fahl sowie Mitarbeiterin Eva Catherina Heesen aktiv eingebracht und eine Reihe von Ausstellungsstücken aus dem Magazin des Historischen Museums beigesteuert, unter anderem Mode und Kunst aus der damaligen Zeit, alte Radioapparate, Inflationsgeld, ein altes Motorrad und sogar ein komplettes bürgerliches Wohnzimmer mit typischen Einrichtungsgegenständen. „Das tut der Ausstellung sehr gut. Sie ist dadurch noch spannender geworden“, stellt Bleich in Aussicht. Und auch beim umfangreichen Beiprogramm mit Führungen für Erwachsene und Mitmachaktionen für werde sich das Historische Museum einbringen. „Zum ersten Mal haben wir dabei museumspädagogische Profis an Bord“, so der VVV-Geschäftsführer.
Anhand von Schautafeln, Fotos und Exponaten erhalten Besucher einen umfangreichen Einblick in die Zeit vor rund 100 Jahren. Politisch hatte es nach dem Ersten Weltkrieg mit der Gründung der Weimarer Republik einen demokratischen Neuanfang gegeben. Die Ausstellung zeichnet diese Entwicklung nach und beschäftigt sich mit der Frage, warum dieser Versuch scheiterte und 1933 in der Nazi-Diktatur endete. Die Ausstellung thematisiert aber auch Wirtschaft, Stadtentwicklung und Architektur, Kunst, Musik, Theater, Literatur und das Alltagsleben in dieser bewegten Epoche.
Zudem richtet sich der Fokus auf die 1920er Jahre in Burgdorf, die kommunalpolitisch durch die letzten sechs Amtsjahre des Bürgermeisters Heinrich Schuster geprägt waren. Er übernahm sein Amt 1889 und ging am 1926 nach 37-jähriger Amtszeit in den Ruhestand. In dieser Zeit hatte er unter anderem den Bau eines städtischen Elektrizitätswerks und die Modernisierung der Infrastruktur eingeleitet.
Der VVV hatte die Ausstellung zunächst in Eigenregier geplant. „Wie sonst auch haben wir dann Kontakt zum Historischen Museum aufgenommen, um uns nach passenden Exponaten zu erkundigen“, erinnert sich Bleich. Doch bei dieser Gelegenheit seien sie dann auch auf die anstehende Sanierung des Historischen Museums zu sprechen gekommen, die noch 2022 beginnen soll. Dafür muss es voraussichtlich für mehrere Jahre schließen. Schon jetzt ist der Betrieb wegen der Vorbereitungen eingeschränkt.
Bis zur Wiedereröffnung will das Team unter dem Motto "Geschichte unterwegs" an unterschiedlichen Orten in der Stadt Hannover mit Pop-up-Ausstellungen, Vorträge und anderen Projekten präsent sein und geschichtliche Themen vermitteln. Als davon hörte, habe er darin auch eine Chance für das Stadtmuseum erkannt. Und tatsächlich sei das Team schnell bereit gewesen, auch einen kleinen Ausflug außerhalb der Landeshauptstadt nach Burgdorf zu machen. „Das ist ein Glücksfall für uns“, sagt Bleich.

Kasten: Beiprogramm

● Öffentliche Führungen (6. März, 3. April und 8. Mai, 14 Uhr)
● Literarische Führungen (20. März, 27. März, 24. April, 14 Uhr)
● Familienangebot (6. März, 3. April und 8. Mai)
● Mitmachaktionen für Kinder (13. März und 15. Mai, 14 Uhr sowie 16. April und 21. Mai, 11 bis 13 Uhr)
● VVV-Juniorclub (21. April und 12. Mai, 16 Uhr)
● Osterferienprogramm für Horte (4., 5., 12. und 13. April)

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen gibt ein Begleitflyer, der zu den Öffnungszeiten im Stadtmuseum erhältlich oder auf der Internetseite www.vvvburgdorf.de abrufbar ist. Interessierte können sich unter buchungen.hmh@hannover-stadt.de oder der Telefonnummer (0511) 16843945 anmelden. Für die JuniorClub-Tage ist eine Anmeldung bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Telefon (05136) 1862, erforderlich.