Ein Jahr im Ausnahmezustand

Präsentieren die Burgdorfer Jahreschronik 2020: der Vorsitzende der Stadtsparkasse Burgdorf Heiko Nebel (hinten von links), VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich, Bürermeister Armin Pollehn und Chronik-Autor Burkhard Wolters, in der vorderen Reihe die Fotografen Joachim Lüers (rechts) und Helmut Steinseifer (links) sowie der VVV-Vorsitzende Karl-Ludwig Schrader.

In der Burgdorfer Chronik 2020 dokumentiert der VVV die Auswirkungen der Corona-Epidemie

Burgdorf (r/fh). Rückblicke auf das Schützenfest, den Oktobermarkt, das Ramlinger Erntefest und die Otzer Woche sind eigentlich fester Bestandteil der Burgdorfer Jahreschroniken, die der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) seit 1985 herausgibt. Wegen der Corona-Epidemie mussten die vier genannten Veranstaltungen ebenso wie zahlreiche andere abgesagt werden - teilweise zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Die druckfrisch erschienene Chronik 2020 unterscheidet sich insofern deutlich von ihren Vorgängern. Mit Texten und Fotos hält sie auf 190 Seiten fest, wie sehr sich die Corona-Epidemie auch in Burgdorf auf die lokale Wirtschaft, das kommunalpolitische Geschehen sowie das öffentliche und private Leben ausgewirkt hat. Sie berichtet aber nicht nur über Restriktionen und Absagen, sondern auch über neue kreative Veranstaltungsformate, Solidarität und die aufkeimende Hoffnung angesichts sinkender Infektionszahlen im Sommer. Seit der Herausgabe der ersten Burgdorfer Jahreschronik vor 35 Jahren hat es eine vergleichbare Situation noch nicht gegeben.

Vom Autokino bis zur Comedy-Nacht

Am Pfingstwochenende 2020 präsentierte der Stadtmarketingverein (SMB) Burgdorf ein Autokino auf dem Schützenplatz - die erste Großveranstaltung seit Beginn der Pandemie. Ende Mai konnte dann das Stadtmuseum wieder öffnen: Bis zum erneuten Lockdown im Herbst waren dort eine Ausstellung der Radfahrgalerie Burgdorf sowie die „Raumschiffwelten aus Lego-Bausteinen“ zu sehen. Mit der Open-Air-Veranstaltung „Comedy am Rodelberg“ am 7. August im Stadtpark erwachte auch die Kultur zumindest im Außenbereich wieder aus ihrem monatelangen Dornröschenschlaf. Auch der Kunstmarkt am 6. September, der Pferde- und Hobbytiermarkt am 19. September als einziger in dieser Saison, der Flohmarkt auf dem Spittaplatz am 4. Oktober sowie die Burgdorfer Comedy-Nacht am 28. Oktober konnten stattfinden. Im Theater am Berliner Ring musste der Beginn der neuen Spielzeit hingegen mehrfach verschoben und schließlich ganz abgesagt werden.
Die Jahreschronik zeigt auch auf, wie sich die Burgdorfer mit vereinten Kräften gegen die Auswirkungen der Pandemie gestemmt haben. Dazu gehörte beispielsweise die Gründung der Initiative „Burgdorf hilft!“, die mit zahlreichen prominenten Unterstützern bis heute aktiv ist. Sie sammelte größere Geldbeträge für Gutscheine, die unterstützungsbedürftige Einwohner erhielten. Der Stadtmarketingverein unterstützte mit Aktionen wie „Burgdorf hält zusammen!“ oder dem „City-Mittwoch“ im November den örtlichen Einzelhandel.
Wenn auch die Corona-Pandemie die Kommunalpolitik vorrangig in Atem hielt, fielen im vergangenen Jahr auch andere richtungsweisende Entscheidungen: Erstmalig seit vielen Jahren beschlossen die Politiker im Rat den Doppelhaushalt 2021/22 einstimmig. Außerdem wurde die Sanierung der Rathäuser I und II auf den Weg gebracht, beim Rathaus III soll untersucht werden, ob Renovierung oder Neubau wirtschaftlicher sind. Der Rat sprach sich für den Erhalt des Trimm-dich-Pfads aus und gegen die Errichtung eines Klärschlammlagers. Nach entsprechendem politischem Beschluss wurde in Hülptingsen eine seit Jahren geforderte Bedarfsampel aufgestellt.

Abschied von bedeutenden Persönlichkeiten

Die Jahreschronik erinnert auch an bedeutende Burgdorfer Persönlichkeiten, die im vergangenen Jahr verstarben: der langjährige Vorsitzende des Seniorenrates Wolf Büttner mit 85 Jahren, der Burgdorfer Bildhauer Hilko Schomerus mit 81 Jahren, der ehemaliger Ortsbürgermeister von Schillerslage und langjährige Vorsitzende des Fördervereins der St. Pankratius-Kirche Manfred Dunker mit 81 Jahren, der Ehrenstadtbrandmeister Kurt Fuchs mit 89 Jahren.

Die Burgdorfer Jahreschronik 2020 umfasst 190 Seiten im A5-Format. Sie für 9 Euro bei folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Bleich Drucken und Stempeln (Braunschweiger Straße 2, nur hier für VVV-Mitglieder: 8 Euro), Buchhandlung FreyRaum (Marktstraße 54), Wegeners Buchhandlung (Marktstraße 65) und im Stadtmuseum (Schmiedestraße 6, samstags und sonntags von 14 – 17 Uhr) sowie in der KulturWerkStadt (Poststraße 2, sonntags von 14 - 17 Uhr). Die älteren Ausgaben der Jahreschronik sind bei Bleich Drucken und Stempeln weiterhin vorrätig. Burkhard Wolters und Gerhard Bleich haben die Ereignisse des vergangenen Jahres zusammengestellt. Die Mehrheit der Fotobeiträge stammt von Joachim Lührs, Horst Weick und erstmals von Helmut Steinseifer. Die Stadtsparkasse Burgdorf fördert das Projekt maßgeblich.