Ein Hauch von Schützenfest

Meldung beim Kommandeur Rolf Hoppe: Maskottchen Piwi mit Jörg Schneider, Hoppes Enkelkind Fiete mit Geneiterscheibe und Ausrufer Bernd Kronfeld. (Foto: Holger Staab)
 
Obwohl das Schützenfest ausfallen musste, hat die Bäckerei Rückriem ihr Geschäft mit Flaggen und Birkengrün geschmückt. (Foto: privat)

Geneiterchef und Kommandeur ziehen mit dem Maskottchen PiWi um das Rathaus

Burgdorf (st). Am vergangenen Wochenende hätte die Burg­dorfer Schützengesellschaft von 1593 wieder ihr traditionelles Schützenfest gefeiert. Es ist das älteste Fest der Stadt und die vier Tage gehören zum Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Die Corona-Pandemie hatte aber auch Auswirkungen auf die Schützen und so musste das große Fest ausfallen.
Viele Schützenmitglieder, aber auch Freunde und Bürger der Stadt dachten mit Wehmut an die geselligen Abende, die Wettkämpfe vor den Scheiben, die Umzüge durch die Straßen Burgdorfs und die Feierlichkeiten im Festzelt. In diesem Jahr ist alles anders und so blieb Schützenchef Jörg Hoppe nichts anderes übrig, als nach vorn zu schauen: „Wir freuen uns auf das Burgdorfer Volks- und Schützenfest 2021, das wir vom 24. bis 27. Juni 2021 feiern möchten.“ Alle Mitglieder der Schützengesellschaft bekamen für die Vorfreude auf nächstes Jahr eine Postkarte mit „Wir freuen uns drauf“ und dem Termin zugesandt.
Einigen war das aber nicht genug. In kleinen Gruppen und unter Einhaltung der Pandemieregeln trafen sich an den eigentlichen Schützenfesttagen die Korporationen Aue Rosen, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern wollten, die Germanen, Junggesellen und Schützen, um zumindest über das ausgefallene Traditionsfest zu sprechen und daran zu erinnern. Einige Burgdorfer Einzelhändler, wie die Buchhandlung Freyraum, die Bäckerei Rückriem oder das Restaurant Fortore machten auf das ausgefallene Fest aufmerksam in dem sie die Geschäfte oder Vorgärten so schmückten, als würden die Umzüge stattfinden.
Bei kleinen Festivitäten in Burgdorf gab es sogar Lüttje Lagen und die Schießsportabteilung der Schützen um Saskia Piel und Hendrik Janssen versorgten ihre Mitglieder mit Waffeln, Bonbons und Getränken. Bei allen Aktionen war die Sehnsucht nach normalen Zeiten greifbar, aber trotz der Lockerungen und der Möglichkeit, wieder ein wenig Schießsport betreiben zu können, waren einige doch sehr traurig, obwohl die Gesundheit aller natürlich Vorrang vor Feierlichkeiten hat.
Eine besondere Aktion ließen sich Geneiterchef Bernd Kronfeld und Kommandeur Rolf Hoppe einfallen. Eigentlich hätten am vergangenen Sonntag um 13.45 Uhr die Meldungen der Teilnehmer des Schützenausmarsches vor dem Burgdorfer Rathaus stattfinden sollen. Einer der Höhepunkte jedes Schützenfestes. Die beiden Schützen holten sich Verstärkung vom Maskottchen der Burgdorfer Schützengesellschaft Piwi, in dem der Germane Jörg Schneider steckte und Hoppes Enkelkind Fiete Hoppe und marschierten um das Rathaus herum zur Rathaustreppe.
Einige Passanten, die gerade auf der Marktstraße spazieren gingen, staunten nicht schlecht, da doch das Schützenfest abgesagt war. Kronfeld machte seine übliche Meldung und gab auch die Aufforderung für alle Bürger zum Besten: „Wer will mit geneiten, ob use Schiebe scheiten!“ Die Aufforderung auf die Königsscheibe zu schießen und sich vorher im Rathaus anzumelden wird in jedem Jahr nach den Böllerschüssen in den Auewiesen durch die Stadt getragen und der Ausrufer verkündet sie. „Wir wollen schon auf das Schützenfest im nächsten Jahr blicken“, vermeldete der Kommandeur und überreichte Kronfeld eine Postkarte mit der Einladung für 2021. Der kleinste Teilnehmer Fiete bekam eine kleine Tüte Gummibären als Dankeschön für das Mitmachen.
Die Schützen der Stadt haben gezeigt, wie viel ihnen das Fest doch bedeutet. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben und so werden die Emotionen und schönen Momente, die das Traditionsfest bietet, eben nur auf 2021 verlagert.