Ein Fenster ins Erdreich

Zusammen mit Waldpädagogin Ariane Raguse suchen Niklas (von links), Theo und Emil im Waldboden nach kleinen Lebewesen.
 
Emil und Theo betrachten mit der Lupe eine kleine Assel, die sie gefunden haben.

Waldpädagogin Ariane Raguse geht mit den Kindern der Kita Otze regelmäßig auf Erkundungstour

Otze (fh). Theo, Emil und Niklas wühlen im Waldboden: Zwischendurch schauen sie immer wieder konzentriert durch ihre großen bunten Lupen. Was sie suchen? „Das wissen wir noch nicht so genau, irgendwelche kleinen Tiere“, erklärt Theo. Die drei Jungen sind sechs Jahre alt und kommen im Sommer in die Schule. Deshalb können sie nach der Corona-Zwangspause seit der jüngsten Lockerung nun eine der beiden neu eingerichteten Vorschulgruppen in der Kita Otze besuchen, vorerst allerdings nur alle zwei Tage im Wechsel.
Am Mittwochvormittag sind sie zusammen mit ihren Erzieherinnen Susanne Bicher und Ninja Feldmann sowie der Waldpädagogin Ariane Raguse auf Entdeckungstour gegangen. Den kleinen Bereich, den die Jungen Schicht für Schicht freilegen, bezeichnet Raguse als Bodenfenster. „Es gewährt uns einen Einblick, in das vielfältige Leben im Erdreich“, erläutert sie. Ganz oben seien die herabgefallenen und verdichteten Blätter noch gut erkennbar, darunter werde es immer feiner.
Ihre Arbeit teilt sich Ariane Raguse so ein, dass sie nachmittags möglichst für ihren Sohn und ihre Tochter da sein kann. Im normalen Betrieb kommt sie zweimal pro Woche in die Kita Otze. Sie arbeitet dabei nicht mit einer festen Gruppe zusammen, sondern nimmt immer nur die Kinder mit, die gerade Lust darauf haben. Mal geht es dann ins Dorf, mal auf die Wiese oder an den Bach und ganz oft in den Wald direkt gegenüber von der Einrichtung.
Die Brüder Theo und Emil sind fast jedes Mal dabei. „Sie interessieren sich für alles, was da kreucht und fleucht“, weiß Raguse. Vor allem von kleinen Bodentieren und Insekten seien sie fasziniert, ebenso von Tierspuren. Nicht nur unterschiedliche Huf- und Pfotenabdrücke hätten sie schon untersucht, sondern vor allem auch Fraßspuren. „Wenn wir einen zerfledderten Fichtenzapfen finden, wissen mittlerweile fast alle Kinder, dass das ein Specht war“, lobt Raguse.
Ursprünglich hat sie in Hildesheim Metalldesign studiert und künstlerisch gearbeitet, vor zwei Jahren sattelte sie dann um: Zufällig sei sie im Internet auf den Lehrgang der Niedersächsischen Landesforsten gestoßen und habe sich sofort um einen Platz beworben. Sie wurde angenommen und absolvierte dann die Ausbildung zur Waldpädagogin. „Ich wollte gern noch mehr über die Natur vor unserer Haustür erfahren“, begründet sie ihre Motivation.
Einen engen Bezug dazu habe sie schon seit ihrer Kindheit gehabt. „Mein Vater war Jäger und ich saß oft mit ihm zusammen auf dem Hochsitz. Er hat die Tiere immer lieber beobachtet, als zu schießen“, erinnert sie sich. Jüngst hat die 42-Jährige nun auch selbst ihre Jägerprüfung bestanden. Und auch sonst hätten Natur und Nachhaltigkeit in ihrem Leben immer eine große Rolle gespielt. „Mein Mann ist Tischler und wir heizen zu Hause ausschließlich mit den Holzabfällen aus seiner Werkstatt“, nennt sie ein Beispiel.
Und noch aus einem anderen Grund mache ihr die Arbeit als Waldpädagogin viel Spaß: Sie könne dabei auch ihre Kreativität und ihr künstlerisches Interesse einbringen. So habe sie mit den Kita-Kindern beispielsweise an Bäumen Waldgeister aus Ton angebracht: mit Eicheln als Augen und Zweigen als Armen und Beinen. Ein anderes Mal hätten sie mithilfe von selbstgemachtem Kleister Postkarten mit Blüten und anderen Naturmaterialien gestaltet.
Die Erzieherin Susanne Bicher sieht in der Kooperation mit der Waldpädagogin einen großen Gewinn für die Kita in Otze. „Wenn die Kinder uns unterwegs zum Beispiel fragen, ob sie eine Pflanze essen können, haben wir nicht immer eine Antwort darauf“, gibt sie zu. Ariane Raguse aber wisse es ganz bestimmt. „Das ist eine tolle Unterstützung für uns“, lobt Bicher. Dabei gehe es aber nicht nur um Wissensvermittlung, sondern auch um Sprache, Motorik und Gemeinschaftserlebnisse.
Ariane Raguse arbeitet auch mit einigen anderen Kindergärten und Schulen zusammen, bisher aber mit keiner so eng wie mit der Kita in Otze. „Ich würde mir natürlich wünschen, dass noch weitere Einrichtungen dazukommen“, sagt sie. Außerdem bietet sie seit kurzem auch Waldführungen für Erwachsene an. Und zwar nicht nur in Otze, sondern auch in Lehrte, in der Uetzer Herrschaft und in Burgwedel
Wer Interesse hat, erreicht die Waldpädagogin unter Telefon (0151) 19617877 oder per E-Mail an ariane@naturmarktstark.de.