Ein Dorf mit dunklem Geheimnis

Wachtmeister Görgen (Kevin Borchert) ist sichtlich genervt, als Franziska Neddermeyer (Monika Büntjen) während der Verhörs lieber über Privates plaudern möchte.
 
Wachtmeister Görgen (Kevin Borchert) versucht den Annäherungsversuchen von Bürgermeisterin Kathie (Petra Borchert) zu entgehen.

Das VVV-Theater führt die Kriminalkomödie „Willkommen in Nedderknöfel!“ auf

Burgdorf (fh). Eine alte Schreibmaschine statt Computer und Internet? Ein Dienst-Tandem inklusive Polizei-Fahrradhelmen statt Einsatzwagen? Und nur ein einziger Falschparker in den Akten der zurückliegenden 40 Jahre statt echter Verbrechen? Als Wachtmeister Görgen aus Frankfurt in das kleine Dorf Nedderknöfel strafversetzt wird, kann er kaum fassen, was ihm da für die nächsten fünf Jahre zu blühen scheint. „So kann ich nicht arbeiten!“, ruft er immer wieder verzweifelt und rauft sich die Haare.
Mit dieser Szene beginnt die Kriminalkomödie „Willkommen in Nedderknöfel!“ von Andreas Kroll, mit der das VVV-Theater am gestriegen Freitagabend Premiere geiert hat (nach Redaktionsschluss). Dafür hatte sich sogar der Autor persönlich angekündigt, der ursprünglich aus Hänigsen stammt. Die Aufführung am morgigen Sonntag, 1. Mai, ist bereits ausverkauft. Für die dritte und zugleich letzte Aufführung am Freitag, 6. Mai, ab 20 Uhr gibt es noch Karten.
Ein wenig Hoffnung keimt bei Wachtmeister Görgen (Kevin Borchert) auf, als Franziska Neddermeyer (Monika Büntjen) sich als Zeugin meldet. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sie das Verhör vor allem dazu nutzen will, etwas über den neuen Polizeibeamten aus der Großstadt zu erfahren und ihn ganz nebenbei mit ihrer Freundin Betti zu verkuppeln. „Sie ist noch so jung und schon Witwe. Ihr Mann ist im Moor versunken“, erzählt sie. Ein wenig stutzig wird Wachtmeister Görgen, als er wenig später erfährt, dass auch Bürgermeisterin Kathie (Petra Borchert) Witwe ist, weil ihr Mann vom Trecker überfahren wurde.
Und auch alle anderen Bewohnerinnen von Nedderknöfel scheinen ihre Männer auf tragische Art und Weise verloren zu haben: Sie sind in den Mähdrescher geraten, ins Osterfeuer gefallen oder wurden auf dem Schützenfest versehentlich erschossen. Der Mann von Frau Neddermeyer wurde sogar auf dem Trecker angeschossen, fuhr durchs Osterfeuer und versank dann im Moor, weiß Dorfpolizist Emil Wintermeyer (Jan Gooßmann) zu berichten. „Seltsam, das hat sie mir ja gar nicht erzählt“, sagt Görgen und schaut seinen Kollegen nachdenklich an. Spätestens jetzt ist sein kriminalistischer Spürsinn erwacht und er will dem dunklen Geheimnis von Nedderknöfel auf den Grund gehen.
Eigentlich stand das Stück „Willkommen in Nedderknöfel!“ schon 2020 auf dem Spielplan des VVV-Theaters, einer Laienspielgruppe des Verkehrs- und Verschönerungsvereins. Doch kurz vor der Premiere machte der Beginn der Corona-Epidemie ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur die Aufführungen mussten abgesagt werden, auch Proben waren lange Zeit nicht möglich.
Im vergangenen September hat die Gruppe dann einen neuen Anlauf gewagt und die Vorbereitungen wieder aufgenommen. „Einige Schauspieler waren mittlerweile abgesprungen, sodass drei Rollen neu besetzt werden mussten. Zum Glück ist unser Hauptdarsteller Kevin Borchert als Wachtmeister Görgen dabei geblieben. Er ist quasi während des gesamten Stücks auf der Bühne“, sagt Regisseur Peter Hilmer. Aber auch alle anderen seien in ihre Rollen hineingewachsen. „Es war toll zu sehen, wie sich Schauspieler und Stück im Laufe der Zeit entwickeln“, sagt er.
Die größte Herausforderung sei es gewesen, das Stück mit dem kleinen Team aus 16 Aktiven zu stemmen. „Es fehlten uns vor allem Helfer, die sich beispielsweise um die Organisation drumherum kümmern. Das müssen wir alles selbst nebenbei machen“, so Hilmer. Deshalb würde er sich freuen, wenn sich für die nächste Spielzeit weitere Interessierte finden.