Ein denkwürdiger Abend mit Joachim Gauck

Vor dem Vortrag gab es für Joachim Gauck (li.) noch eine Stärkung mit den Vorständen Thomas Pötsch und Heiko Nebel (v. re.) sowie Bürgermeister Alfred Baxmann und den Ratsfraktionsvorsitzenden Adolf W. Pilgrim (SPD) und Wolfgang Obst (CDU). (Foto: Georg Bosse)

Besucheransturm im Veranstaltungszentrum übertraf alle Erwartungen

BURGDORF (gb). Wortmächtig, stilsicher und freundlich ist Dr. h.c. Joachim Gauck in den letzten Monaten mit seinen Vorträgen durchs Land getourt. Auf dieser Strecke war der 71-jährige evangelische Pastor, Politiker und Publizist auf Einladung der Stadtsparkasse Burgdorf (SSK) am vergangenen Donnerstagabend auch in Burgdorf eingekehrt. Mit über 600 geladenen Gästen platzte das Burgdorfer Veranstaltungszentrum (VAZ) förmlich aus den Nähten. Joachim Gauck sei eine bedeutende Persönlichkeit und die Ikone der ostdeutschen Freiheitsbewegung, stellte SSK-Vorstand Thomas Pötsch den Referenten in seiner Begrüßungsansprache vor.
Als Beauftragter der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen von 1990 bis 2000, ist sein Name untrennbar mit dieser Institution verbunden („Gauck-Behörde“). Joachim Gauck sei in Zeiten, in denen die großen Volksparteien ihre Fundamente verlören, ein Hoffnungs- und Sympathieträger für die Menschen, so Pötsch weiter. Die außergewöhnliche Popularität, die Gauck bei der Bevölkerung genießt, schlug ihm 2010 auch als Präsidentschaftskandidat entgegen. Außerdem gilt Gauck, der 2009 seine Autobiografie „Winter im Sommer - Frühling im Herbst“ veröffentlichte, als brillanter Redner, was er auch in Burgdorf unter bemerkenswerten Beweis stellte.
Die prominente Geistesgröße ist ein beredter Verfechter von Freiheit, Verantwortungsbewusstsein und Gemeinsinn. „Ich lebe gern in diesem Land, weil ich jederzeit gehen kann“, sagt Gauck. Er wirft seinen Landsleuten vor angstgejagt und hysterisch zu sein, obwohl „es uns doch unverschämt gut geht“. „Das ist eine Kultur des Verdrusses, die immer nur benennt, was schlecht ist aber kaum, was gut ist. Dass beispielsweise in Berlin derzeit die Geigerzähler ausverkauft sind, ist doch kompletter Unfug“, entrüstet sich Gauck. Applaus.
Als einer der Führer des DDR-Widerstandes vor der Wende, blickt Gauck ein wenig stolz und wohl auch zu recht auf die friedliche und erfolgreiche Revolution zurück. Kraftvoll und schön seien sie gewesen, die Worte „Wir sind ein Volk!“. Gauck prangert die zunehmende „Wahlmüdigkeit“ an. Er sei erst mit den ersten freien und geheimen Wahlen 1990 in Rostock zu einem selbstbestimmten Bürger geworden - mit fünfzig Jahren.
Mit lang anhaltendem Beifall und abschließenden Dankesworten von SSK-Vorststand Heiko Nebel an Joachim Gauck, endete ein denkwürdiger Abend im Burgdorfer Veranstaltungszentrum, der am verlockenden Büffet noch einige Zeit seine Fortsetzung fand.