"Ein bis zwei Minuten sparen"

Das Feuerwehrhaus der Ortsfeuerwehr Hülptingsen soll neu gebaut werden. (Foto: Lisa Otto)
 
Carsten Kreitz von der Bonner Planungsgesellschaft Forplan stellt den Entwurf des neuen Bedarfsplans im Feuerwehrausschuss vor.

Das Planungsbüro Forplan erarbeitet neuen Feuerwehrbedarfsplan: Einsatzkräfte sollen noch schneller vor Ort sein

BURGDORF (fh). Die ehrenamtlichen Feuerwehrleute setzen sich in Burgdorf und in den Ortsteilen Tag für Tag für die Sicherheit ihrer Mitbürger ein und machen dabei einen guten Job, wie auch die Einsatzbilanzen bei den jüngsten Jahreshauptversammlungen wieder belegt haben. Bei den Abläufen gebe es im Einzelnen aber noch erheblichen Verbesserungsbedarf: Denn bei vielen Einsätzen würden die Feuerwehrleute später am Einsatzort eintreffen, als es bundesweite Empfehlungen vorsehen. Zu diesem Ergebnis sind der Statistiker Carsten Kreitz und sein Team von dem Bonner Forschungs- und Planungsbüro Forplan gekommen.
Die Stadt hatte sie damit beauftragt, einen neuen Feuerwehrbedarfsplan für Burgdorf zu erstellen. In der jüngsten Sitzung des Feuerwehrausschusses hat Kreitz nun den ersten Entwurf vorgestellt, den er vorab bereits in einer Arbeitsgruppe mit Bürgermeister Alfred Baxmann, Stadtbrandmeister Dennis-Frederic Heuer und Verwaltungsmitarbeitern besprochen hatte.
Zunächst haben die Mitarbeiter von Forplan 154 Einsätze ausgewertet, um die Leistungsfähigkeit der Burgdorfer Ortswehren zu analysieren. Dabei legten sie eine Hilfsfrist zugrunde, an der sich auch die Rechtsprechung orientiere, erläutert Kreitz. Demnach solle die erste Einheit mit einer Stärke von neun Einsatzkräften innerhalb von acht Minuten nach der Alarmierung vor Ort sein. "Diese Vorgabe soll in mindestens 80 Prozent der Fälle erreicht werden", definiert Kreitz die Zielvorgabe.
Davon sind alle Burgdorfer Ortsfeuerwehren weit entfernt. Der Erreichungsgrad habe in den Jahren 2015 bis 2017 bei durchschnittlich 19,5 Prozent gelegen. "Die Zielsetzung von 80 Prozent wurde damit konstant und sicher verfehlt", resümiert Kreitz nüchtern. Es bestehe deshalb aber kein Grund zur Panik. "Das heißt nicht, dass es in Burgdorfer gefährlicher ist als in anderen Städten. Und es heißt auch nicht, dass die örtlichen Feuerwehren nicht leistungsfähig sind. Oft haperte es an ein bis zwei Minuten oder es fehlte an ein oder zwei Einsatzkräften", ordnet der Statistiker die Ergebnisse ein.
Trotzdem sei das ein klarer Arbeitsauftrag an Feuerwehr und Stadtverwaltung: "Wir müssen die Leistungsfähigkeit erhöhen und schauen, wie Sie schneller und mit mehr Personal ausrücken können", formulierte Kreitz. In seiner Präsentation im Feuerwehrausschuss hat er dazu bereits einige konkrete Vorschläge gemacht.
Einen ersten Schritt habe die Verwaltung bereits gemacht, indem sie für die Ortsfeuerwehr Burgdorf das neue HLF 20 bestellt hat. Denn dieses Fahrzeug biete Platz für neun Einsatzkräfte. "Bisher rückte in der Regel zuerst ein Staffelfahrzeug mit sechs Personen und danach die Drehleiter mit zwei Personen aus", schildert Kreitz. Noch mehr Fahrzeuge hätten es innerhalb der Acht-Minuten-Frist meist nicht zum Einsatzort geschafft. So sei vorprogrammiert gewesen, dass in der vorgegebenen Zeit, höchstens acht, aber eben nicht neun Feuerwehrleute angekommen seien. Das könne sich nun ändern.
Alle Probleme seien damit aber noch nicht aus der Welt. Auch die Ausrückzeiten müssten verkürzt werden, empfiehlt Kreitz. "Bisher brauchen alle Burgdorfer Ortsfeuerwehren fünf bis sechs Minuten, bis das erste Fahrzeug das Feuerwehrhaus verlässt. Das ist ganz klar zu lang", urteilt er. Ziel seien vier Minuten, das heißt es müssten ein bis zwei Minuten eingespart werden.
Dafür sieht Kreitz mehrere Ansatzpunkte. "Viele Einsatzkräfte halten sich tagsüber, wenn sie arbeiten, im Bereich einer anderen Ortsfeuerwehr auf. In diesen Fällen wäre über Doppelmitgliedschaften und entsprechend zusätzliche Schleifen auf dem Meldeempfänger nachzudenken", schlägt Kreitz vor. So könnten sie sowohl an ihrem Wohn- als auch am Arbeitsort mit ausrücken.
Ein weiteres Problem: Die Bereiche der einzelnen Ortsfeuerwehren seien nicht optimal zugeschnitten. "In den Randbereichen könnte manchmal eine andere Feuerwehr schneller vor Ort sein", erläutert Kreitz. Er wisse aber auch, dass sich die Gebiete nicht an feuerwehrtechnischen Erfordernissen oder Ausrückzeiten orientierten, sondern den früheren Gemarkungsgrenzen der Ortschaften. Weil sie historisch gewachsen seien, wolle er auch nicht grundsätzlich daran rütteln. "Es wäre aber sinnvoll, zumindest jeweils die Feuerwehr mit zu alarmieren, die den kürzesten Weg hat", so Kreitz.
Das betreffe ganz besonders die Ortsfeuerwehren Burgdorf und Hülptingsen. "Durch die Lage ihres Feuerwehrhauses, ist der Bereich, in dem die Ortsfeuerwehr Burgdorf am schnellsten ist, sehr klein", hat Kreitz analysiert. Vor allem im Süden der Stadt gebe es einerseits wegen der vielen Hochhäuser einen Einsatzschwerpunkt, andererseits aufgrund der Lage aber ein besonderes Defizit beim Erreichungsgrad. "In vielen Fällen wäre die Ortsfeuerwehr Hülptingsen schneller dort", so Kreitz. Er schlägt vor, sie deshalb bei Einsätzen in der Südstadt häufiger hinzuzuziehen. Das solle auch bei der Wahl des Standortes für das neue Hülptingser Feuerwehrhaus berücksichtigt werden.
Denn dass dieser Neubau innerhalb der nächsten fünf Jahre dringend nötig sei, stehe ohnehin außer Frage. Das Gebäude weise erhebliche Mängel auf, die am jetzigen Standort nicht zu beheben seien. Die Politiker des Feuerwehrausschusses nahmen das zum Anlass, um die Verwaltung aufzufordern, zu ihrer nächsten regulären Sitzung im November konkrete Planungen für das Feuerwehrhaus Hülptingsen vorzulegen. Der Erste Stadtrat Lutz Philipps stellte in Aussicht, dem nachzukommen. "Da sind wir sowieso dran. Dafür hätten wir den Bedarfsplan nicht gebraucht", sagte er. Es seien bereits zwei mögliche Standorte gefunden, bei denen nun die Eigentumsverhältnisses zu klären seien.
Zum Ende der Präsentation konnte sich die Stadt doch noch über etwas Lob freuen. "Die meisten Feuerwehrhäuser sind in gutem Zustand, auch im Vergleich zu anderen Kommunen", sagt Kreitz. In Burgdorf, Dachtmissen, Heeßel, Otze und Weferlingsen seien nur kleine Maßnahmen erforderlich. "Diese Häuser können noch weitere 15 bis 20 Jahre weiter funktionieren", stellt der Fachmann in Aussicht. Und auch an dem Fahrzeugpark und den geplanten Neuanschaffungen übt er wenig Kritik.
Die Ratsfraktionen wollen in den nächsten Wochen über den Bedarfsplan beraten. In der Sondersitzung des Feuerwehrausschusses am 9. Mai steht dann die Abstimmung auf der Tagesordnung.

Das Planungsbüro

Forplan ist eine Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen, Brand- und Kathastrophenschutz mit Sitz in Bonn. Projektleiter ist der Diplom-Ingenieur Manfred Unterkoffer. Das Unternehmen ist nach eigener Darstellung auf Feuerwehrbedarfspläne spezialisiert. Zwölf Mitarbeiter würden sich mit nichts anderem befassen und pro Jahr etwa 50 bis 70 Feuerwehrbedarfspläne erstellen. Carsten Kreitz hat nach eigener Aussage bereits 20 bis 30 Feuerwehrbedarfspläne federführend betreut.