"Die Talsohle haben wir hinter uns"

Kimberly Göpfert (links) ist vor Kurzem neu zum Team der Kita Otze dazugestoßen und wird die stellvertretende Leitung übernehmen, wenn Sarah Weber demnächst in Mutterschutz und Elternzeit geht.
 
In der Kita Otze sind viele Elemente aus Holz gestaltet, zum Beispiel die Emporen in den Gruppenräumen.

Nach massiver Personalnot im Frühjahr ist an der Kita Otze wieder ein Großteil der Stellen besetzt

Otze (fh). Wo von Montag bis Freitag Kinder herumwuseln und lebhaft durcheinander reden, haben die Erzieher der Kindertagesstätte (Kita) Otze am vergangenen Samstag konzentriert miteinander diskutiert. In kleinen Teams verteilten sie sich auf dem Flur, in den Gruppenräumen und auf dem Außengelände, um an einem neuen Konzept für die Einrichtung zu arbeiten und Ideen für die pädagogische Arbeit zu sammeln. Dafür sind sie freiwillig außerhalb ihrer Arbeitszeit zusammengekommen. Die stellvertretende Kita-Leiterin Sarah Weber vermittelt Aufbruchsstimmung: "Wir stehen noch ganz am Anfang und es wird noch dauern, bis wir wieder in normalen Fahrwassern sind. Aber die Talsohle haben wir hinter uns", sagt sie.
Die zurückliegenden zwei Jahre seien für das Team eine Belastungsprobe gewesen. Denn die Kita hat nicht nur einen Anbau erhalten, sondern auch das bestehende Gebäude wurde umfassend renoviert - und das alles im laufenden Betrieb. "Unser Außengelände konnten wir zeitweise gar nicht nutzen. Wenn wir mit den Kindern nach draußen wollten, mussten wir entweder auf den benachbarten Sportplatz oder in den nahegelegenen Wald", beschreibt Weber. Und auch im Gebäude habe das Team immer wieder improvisieren müssen. "Erzieherinnen und Erzieher mussten oft ganz spontan mit ihrer Gruppe umziehen, wenn in ihrem angestammten Raum die Renovierung losging", nennt Weber ein Beispiel. Die Flure seien mit Möbeln und Kisten zugestellt gewesen. "Das Thema Bau hatte lange Zeit eine ganz hohe Priorität, anderes musste zurücktreten", so Weber.
Mehrere Mitarbeiter zogen irgendwann die Reißleine, sodass zum 1. April dieses Jahres acht Stellen unbesetzt waren. "Für die verbleibenden Fachkräfte kamen zu den Herausforderungen des An- und Umbaus nun auch noch die personellen Engpässe hinzu", schildert Weber. Selbst bei der ohnehin deutlich reduzierten Notbetreuung während des Corona-Lokdowns hätten teilweise Abstriche gemacht werden müssen. Der Elternrat schlug Alarm. Bürgermeister Armin Pollehn, weitere Verwaltungsmitarbeiter und Politiker trafen sich mit dem verbleibenden Kita-Team zu Krisengesprächen und bemühten sich, möglichst schnell neues Personal zu finden.
Seitdem geht es langsam wieder bergauf: Die Bauarbeiten sind jetzt weitgehend abgeschlossen und sechs der acht vakanten Stellen sind bereits wieder besetzt. "Jetzt fehlen nur noch eine feste Gruppen- und eine Vertretungskraft", sagt Weber. Allerdings müsse sich das Team aufgrund der neuen Räume und der vielen Mitarbeiterwechsel neu finden und neue Konzepte entwickeln. "Wir können jetzt nicht einfach wieder so weitermachen, wie vor Corona. Die Strukturen passen nicht mehr. Da liegt noch viel Arbeit vor uns", räumt Weber ein.
Eine der neuen Mitarbeiterinnen ist Kimberly Göpfert, die auch gleich die stellvertretende Leitung übernehmen wird, wenn Weber demnächst in Mutterschutz und Elternzeit geht. Sie habe sich ganz bewusst für die Kita Otze entschieden, betont sie. "Mir hat gefallen, dass in den Bewerbungsgesprächen offen angesprochen wurde, wo die Einrichtung gerade steht und welche Schwierigkeiten es gibt", begründet sie. Für sich selbst sehe sie darin auch die Chance, sich aktiv einzubringen und mitzugestalten. "Alle sind motiviert, jetzt wieder durchzustarten", sagt sie.
Je mehr sich die Lage entspannt, desto mehr könne sich das Team nun auch über das Ergebnis freuen. "Der einzige Wermutstropfen ist für uns, dass unser Außengelände durch den Anbau sehr viel kleiner geworden ist. Das empfinden viele langjährige Mitarbeiter als Verlust", sagt Weber. Dafür habe die Kita an anderer Stelle aber neue Möglichkeiten gewonnen. "Wir haben jetzt zum Beispiel einen eigenen Bewegungsraum. Bisher mussten wir für sportliche Aktivitäten in die Turnhalle nebenan, in der es aber immer weniger freie Zeiten gibt", so Weber. Außerdem sind eine Bücherei und eine Kinderküche als gruppenübergreifende Räume hinzugekommen. Und auch sonst seien viele Details optimiert worden. "Wir haben uns im Zuge des An- und Umbaus intensiv Gedanken gemacht, wie wir den Platz am besten nutzen können", so Weber.
Pädagogisch und inhaltlich will die Kita ihren Schwerpunkt "Natur und Umwelt" künftig noch weiter ausbauen. Dafür arbeitet sie bereits seit längerem mit der Waldpädagogin Ariane Raguse zusammen. Beim Umbau hat das Team bewusst auf natürliche Farbtöne gesetzt. "Oft sind Kitas ja sowohl von außen als auch von innen sehr bunt. Wir haben alles etwas schlichter gehalten, damit es nicht so viel Ablenkung und Reizüberflutung gibt", beschreibt Weber. Dafür könnten dann ganz gezielt Farbakzente gesetzt werden, zum Beispiel durch knallgrüne Teppiche.
Ansonsten finden sich in der Einrichtung viele Elemente aus Holz. "Wir arbeiten eng mit einem Tischler zusammen, der uns zum Beispiel individuelle Garderoben und Türschilder für die Toiletten und Abstellräume angefertigt hat", so Weber. Dabei bleibe durch Jahresringe, Astlöcher und weitere Merkmale auch für die Kinder die Verbindung zu dem Baum sichtbar, aus dem der Werkstoff entstanden ist. All das solle sie dazu animieren, das Material anzufassen und kennenzulernen und über den Werkstoff Holz ins Gespräch zu kommen. "Letztlich können wir so auch niederschwellig an das Thema Umweltschutz heranführen", erläutert Weber.

Die Kita Otze

Durch den Anbau sind eine Krippengruppe mit 15 Plätzen und eine halbe Kindergartengruppe mit zehn Plätzen hinzugekommen. Insgesamt können jetzt 115 Kinder in 3,5 Kindergarten- und zwei Krippengruppen betreut werden. In der Kita Otze sind derzeit 21 pädagogische Mitarbeiter tätig.