Die „Supernase“ mit dem guten Riecher für Komik

Bei Mike Krügers` Bödelhits „Mein Gott, Walter!“ oder „Der Nippel“ zeigten sich die Burgdorfer Fans überaus textsicher. (Foto: Georg Bosse)
 
Nach der Show ist vor der Show: Mike Krüger und MARKTSPIEGEL-Geschäftsführer Klaus Hoffmann planen ein weiteres Gastspiel des Quickborner Entertainers im VAZ Burgdorf. (Foto: Georg Bosse)

Mike Krüger sortierte aus: „Is` das Kunst, oder kann das weg?“

BURGDORF (gb). Locker in Jeans und legerem Sakko stand er inmitten von Umzugskartons auf der Bühne. Warum die Kartons? „Ich bin vor Kurzem von Quickborn nach Hamburg gezogen. Und vielleicht könnt ihr mir ja beim Aussortieren helfen“, erklärte Mike Krüger. Aussortiert ist der „Dino“ der deutschsprachigen Komikerszene, der mit seinem aktuellen Live-Programm „Is` das Kunst, oder kann das weg?“ am vergangenen Samstagabend vom MARKTSPIEGEL auf der Bühne des Burgdorfer Veranstaltungszentrums (VAZ) präsentiert wurde, noch lange nicht. Und das die „Supernase“ immer noch einen guten Riecher für ungenierte Gags hat, bewies Mike Krüger bei seinem gut zweistündigen Spaßauftritt im restlos ausverkauften VAZ.
Er holte eine Frisbeescheibe aus einem Karton eines nicht ganz unbekannten Baumarktes: „Is` das Kunst, oder kann das weg? Letztes Mal war ich so verwirrt. Da habe ich einen Frosch geworfen und den Frisbee über die Straße getragen.“ Kurzerhand lässt er zwei blaue Wurfscheiben ins Publikum segeln und greift zu seiner Gitarre. Darauf haben seine unzähligen Hardcore-Fans nur gewartet und zeigten sich im Verlaufe des Abends bei den klassischen Blödelhits des komischen (Ex-)Quickborners, „Mein Gott, Walter!“ oder „Der Nippel“, textsicher. „Menschenskind, die Lieder sind schon über 30 Jahre alt und ihr könnt sie immer noch mitsingen. Alles Elefanten hier in Burgdorf“, kokettiert die Lach-Legende schmunzelnd mit dem Erinnerungsvermögen seines dankbaren Publikums.
Erinnert an seinen ersten Auftritt in Burgdorf wurde Mike Krüger von Günther Jäger und Hartmut „Matze“ Unverzagt. 1981 war der damals 30-Jährige in der Burgdorfer Gymnasium-Aula zu Gast. Nach dem Auftritt wurden seinerzeit gemeinsame Erinnerungsfotos geschossen, die sich Günther Jäger und Matze Unverzagt jetzt mit echten Krüger-Autogrammen „veredeln“ lassen konnten.
Mittlerweile, mit beinahe 60 Jahren und einer 35-Jährigen Bühnenkarriere auf dem Buckel, hat sich Mike Krüger kaum verändert. Die Haare sind grauer und noch lichter geworden. „Alkohol ist keine Lösung, sondern ein Destillat“, strotzt er vor Lebenserfahrung. Auch Boulevard-Promis wie Lothar „Loddar“ Matthäus, Dieter Bohlen, „Naddel“ oder Top-Einlocher „Tiger“ Woods („Schwarz auf weiß“) bleiben vor seinem bissigen Humor nicht verschont. Neben vergnüglichen Possen über seine „fürchterliche“ Kindheit, Saufgelagen und Tarnmanövern bei der Bundeswehr, über Schönheits-OPs („Können Sie kurz mal die Fresse halten“) oder dem Wasserbett („Totes Meer“) im ehelichen Schlafzimmer ging es auch schon mal leicht unter die (männliche) Gürtellinie. Da gehörte „Was ist 12 Zentimeter lang und macht Frauen dick - Duplo!“ noch zur einer biederen Erkenntnisform.
„Kunst kommt von Können. Käme es von Wollen, so hieße es Wulst“ soll Friedrich Nietzsche (1844-1900) gesagt haben. Mike Krüger ist ein Kumpeltyp, der Komikerkunst auch nach über drei Jahrzehnten immer noch machen kann und machen will. Die Sympathien des Publikums gehörten an diesem gelungenen Abend jedenfalls ganz dem Hamburger, der am Ende natürlich auch um Zugaben „angebaggert“ wurde. Es bekam gleich drei Dreingaben. Unter anderem eine amüsante Adaption von Frank Sinatras Welthit „My Way“ in der krügerschen Fassung „Mein Knie tut im Mai weh.“