Die Stadt ist Mittelpunkt großer Jubiläumsfeiern

Der große Festumzug im Jahr 2004 wurde von rund 20.000 Zuschauern am Straßenrand begeistert gefeiert. (Foto: VVV)

„Burgdorf schreibt Geschichte“: 1933, 1979 und 2004

BURGDORF (r). Thema des siebten Teils der Serie „Burgdorf schreibt Geschichte“, in der vertiefende Berichte zum laufenden Themenjahr zu lesen sind, sind die Jubiläumsfeiern der Jahre 1933, 1979 und 2004, bei denen die Einwohner mit ausgedehnten Festaktivitäten und Veranstaltungen stadthistorische Gedenktage feierten und auf ihre lange Geschichte zurückblickten, die sich seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegen lässt.
Jahr der Stadtrechtsverleihung nicht belegt
Es war nur eine kurze Mitteilung in der Chronik des 1646 verstorbenen Burgdorfer Superintendenten Georg Fathschild. Ihr war zu entnehmen, dass Herzog Otto von Braunschweig-Lüneburg (genannt „von der Heide“) Burgdorf im Jahre 1433 die Stadtrechte verliehen habe. Als historische Tatsache steht aber lediglich fest, dass die Braunschweig-Lüneburgischen Herzöge in diesem Jahr Burgdorf der Territorialhoheit des Hildesheimer Bischofs entrissen und ihrem Herrschaftsbereich einverleibten.
Die ungesicherte und durch verlässliche, urkundliche Archivquellen nicht belegbare Angabe einer 1433 erfolgten Stadtrechtsverleihung missbrauchte der im Frühjahr 1933 auch in Burgdorf an die Macht gelangte Parteiapparat der Nazis. Er organisierte ein langes Festprogramm zum vermeintlichen 500-jährigen Jubiläum der Stadt. Bürgermeister Stange gab im Namen des Magistrats die offizielle Parole heraus, dass die Feierlichkeiten sich „zu einer großen Kundgebung, einem Treuebekenntnis für Heimat und Vaterland gestalten“ sollten. Sie begannen am Sonnabend, 17. Juni 1933, mit der Erstaufführung des Festspiels „Burchtorp an der Auen“, dass Trude Heuer-Ivens für diesen Anlass verfasst hatte und mit seinen historischen Kostümen und von einheimischen Malern geschaffenen, prächtigen Kulissen die Zuschauer im voll besetzten Schützenhaus-Saal begeisterte.
Mehrtägige Festaktionen
Zu den Höhepunkten der Festlichkeiten gehörte das Schützenfest vom 22. und 23. Juni, die Sonnenwendfeier am 24. Juni und der große Festzug durch die Straßen der Stadt am Sonntag, 25. Juni. Vor dessen Beginn ließ Bürgermeister Stange unter dem tosenden Applaus der Festteilnehmer verlautbaren, dass sich der Magistrat entschlossen habe, dem „Volkskanzler Adolf Hitler das Ehrenbürgerrecht der Stadt Burgdorf zu verleihen, vor allem im Hinblick darauf, dass die 500-Jahrfeier der Stadt Burgdorf mit dem Jahr der nationalen Erhebung zusammenfällt“.
700-Jahr Feier
46 Jahre sollten vergehen, bis die Burgdorfer mit einem großen Veranstaltungsprogramm ein weiteres stadtgeschichtliches Festereignis zu feiern hatten. Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten vom 28. bis 30. September 1979 stand der 700. Jahrestag der ersten urkundlich nachweisbaren Erwähnung Burgdorfs. Die Lebensbeschreibung des Bischofs Otto I von Hildesheim und Urenkels Heinrich des Löwen, der von 1260 bis 1279 regierte, enthält einen Vermerk über den Kauf der Vogtei Burgdorf durch den Bischof. Vorher befand sie sich im Besitz des Hildesheimer Ministerialengeschlechtes derer von Escherde. Ein Datum nennt die Chronik nicht. Historiker nehmen deshalb das letzte Jahr der Chronik als für ein Jubiläum gesichertes Datum an. Höhepunkt der Feiern war der 6 Kilometer lange Festumzug am Sonntag, 30. September, den 10.000 Zuschauer an den Straßen der Kernstadt verfolgten. Unzählige Festwagen, viele Ehrengäste und Delegationen aus den Partnerstädten Burgdorf/Schweiz, Vanves und Rheden nahmen daran teil.
Größter Umzug der Stadtgeschichte
Ein Vierteljahrhundert später erinnerte die Stadt 2004 mit einer ganzjährigen Veranstaltungsreihe an ihre erste urkundliche Erwähnung in der Chronik des Bischofs Otto I. von Hildesheim vor 725 Jahren. Eine Projektgruppe, der Peter Bäuerle, Gerhard Bleich, Stefan Heuer, Hans Rode, Karl-Ludwig Schrader und Dagobert Strecker angehörten, hatte monatelange intensive Vorarbeit geleistet, alle städtischen Vereine und Organisation mobilisiert und mit ihnen zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen vorbereitet. Den Auftakt bildeten die stadtgeschichtlichen Sonderausstellungen „Zeitreise - Burgdorf durchs Objektiv gesehen“ und „Burgdorf – gestern und heute“, die der VVV und die Stadt Burgdorf im Stadtmuseum zeigten. Zu den Höhepunkten des bis zum Jahresende dauernden Veranstaltungsreigens gehörte der von 20.000 Zuschauern bejubelte Festumzug am Sonntag, 27. Juni, der mit über 4000 Akteuren, 30 Musikgruppen, 50 Festwagen und fast 150 teilnehmenden Dorfgemeinschaften, Vereinen, Gruppierungen und Organisationen zum größten Umzug der Burgdorfer Geschichte wurde, und der „Tag der Burgdorfer“ am Sonntag, 5. September, an dem sich die Auestadt mit attraktiven Ausstellungen, unterhaltsamen Vorführungen, Musikdarbietungen und Showevents in der Innenstadt präsentierte.