Die Kinder sind gefragt

Alexander Dedden vom Kinderschutzbund Burgdorf will die Teilnehmer bei der Ferienbetreuung an Entscheidungen beteiligen.

Ideenbox in der Herbstferienbetreuung: Kinderschutzbund Burgdorf will junge Menschen mitbestimmen lassen

BURGDORF (fh). Kinder und Jugendliche mitbestimmen lassen, ihre Wünsche berücksichtigen und sie an Entscheidungen beteiligen - was der Kinderschutzbund Burgdorf sich vorgenommen hat, erscheint auf den ersten Blick nicht sonderlich überraschend. Eigentlich doch selbstverständlich für eine Institution, die sich für die Rechte junger Menschen einsetzt, oder? "Was in der Theorie so einfach klingt, stößt in der Praxis immer wieder an Grenzen. Wenn man wirklich ernst damit macht, kann das ganz schön anstrengend sein", sagt Annegret Lange-Kreuzfeld.
In der Offenen Ganztagsschule, der Ferienbetreuung und anderen Angeboten sei es oftmals an der Tagesordnung, dass Erwachsene die grundlegenden Entscheidungen treffen: Die Eltern melden ihren Nachwuchs an, die Betreuer stellen das Programm zusammen, das Küchenteam legt fest, was es zu essen gibt. "Wenn Kinder doch einmal beteiligt werden, haben sie meist nur die Wahl zwischen zwei Optionen: Wollen sie lieber Reis oder Nudeln? Lieber ins Schwimmbad oder auf den Spielplatz?", beschreibt Alexander Dedden, der Koordinator der Ferienbetreuung des Burgdorfer Kinderschutzbundes und fügt hinzu: "Echte Partizipation sieht anders aus."
Zusammen mit seinen Kollegen will er dem Ideal bald ein Stückchen näher kommen. "Wir wollen die Kinder häufiger fragen, was sie sich wünschen", kündigt Dedden an. Dafür wird er in der Herbstferienbetreuung eine Ideenbox aufstellen. Dort können die Teilnehmer die ganze Woche über Zettel mit Wünschen und Kritik einwerfen. "Montags und mittwochs werden wir sie gemeinsam mit den Kindern öffnen, darüber sprechen und über die Vorschläge abstimmen", erläutert Dedden. Dabei werde dann auch thematisiert, was sich beispielsweise aus finanziellen oder organisatorischen Gründen nicht oder zumindest nicht sofort umsetzen lasse.
Bereits in den Sommerferien hat der Kinderschutzbund einen Testlauf gestartet. Dabei hatten sich die Kinder unter anderem eine Übernachtung in der Betreuung gewünscht. "Spontan war das leider nicht mehr möglich. Aber wir haben diesen Wunsch nicht vergessen und bieten das jetzt in den Herbstferien an", so Dedden. Am Ende der ersten Ferienwoche können die Teilnehmer von Freitag auf Samstag, 11. bis 12. Oktober, in den Räumen des Kinderschutzbundes schlafen - natürlich mit einem spannenden Programm vor der Nachtruhe.
"Noch stehen wir ganz am Anfang bei diesem Thema", betont Dedden. Der Kinderschutzbund will weiter darüber diskutieren und erproben, wie eine gelungene Beteiligung aussieht, wo ihre Grenzen liegen und wo Hindernisse überwunden werden können. Und dabei sollen auch Kinder und Jugendliche mit einbezogen werden. Annegret Lange-Kreuzfeld ist bereits mit sechs jungen Menschen im Alter von 13 bis 21 Jahren im Gespräch, die einen Jugendrat im Kinderschutzbund Burgdorf gründen wollen. "Im Landesverband Niedersachsen gibt es so ein Gremium bereits, nun möchten wir das auch auf lokaler Ebene schaffen", sagt sie. Mit welchen Themen sich der Jugendrat beschäftigen wird, ob er sich nur intern im Kinderschutzbund einbringt oder sich mit seinen Forderungen auch öffentlich Gehör verschafft - all das sei noch offen. "Das können nur die jungen Akteure selbst entscheiden", ist Lange-Kreuzfeld überzeugt.