"Die Gespräche sind ganz wichtig"

Die aktiven und ehemaligen Fahrer freuen sich über das zehnjährige Bestehen des Fahrdienstes: Uwe Rainer Krüger (von links), Horst Böhmer, Wolfgang Bock und Wilfried Weber.

Seit zehn Jahren holen Ehrenamtliche jeden Mittwoch Senioren von zu Hause ab und bringen sie zum Einkaufen in die Innenstadt

Burgdorf (fh). Der ehrenamtliche Einkaufsfahrdienst feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Dabei war das Projekt des Seniorenrates und des Fördervereins für Burgdorfer Senioren 2010 zunächst eher schleppend angelaufen – und auch heute ist es nicht unbedingt ein Angebot für die breite Masse. Aber diejenigen, die den Fahrdienst nutzen, wissen ihn zu schätzen und wollen ihn nicht missen. Drei Seniorinnen fahren jede Woche mit, zwei weitere hin und wieder.
Jeweils mittwochs holen die ehrenamtlichen Fahrer sie zwischen 8.30 und 10 Uhr von zu Hause ab und bringen sie zum Rewe-Parkplatz an der Marktstraße. Von dort aus können sie bei den Einzelhändlern einkaufen oder den Wochenmarkt besuchen; auch Ärzte, Apotheken und weitere Dienstleister finden sich im Umkreis. Ab 11 Uhr werden sie nach Vereinbarung wieder abgeholt. „Dabei geht es nicht nur darum, jemanden mal schnell zum Einkaufen zu fahren. Auch die Kommunikation ist ganz wichtig“, betont Ursula Meyer.
Sie ist seit der Wahl im vergangenen Herbst Mitglied im Seniorenrat und betreut jetzt das Büro des Gremiums im hinteren Teil des Rathauses I. Dort nimmt sie auch immer dienstags von 10 bis 12 Uhr die Anmeldungen für den Fahrdienst entgegen. „Anfangs dachte ich noch, dass ich die Zeit nutzen kann, um zwischendurch etwas zu sortieren oder andere Arbeiten zu erledigen“, sagt sie und fügt dann mit einem Schmunzeln hinzu: „Aber meistens bin ich in den zwei Stunden komplett mit Telefonieren beschäftigt.“
Denn für die Seniorinnen – im Moment sind es ausschließlich Frauen – sei schon die Anmeldung eine willkommene Gelegenheit, sich auszutauschen. „Sie freuen sich, jemanden zum Reden zu haben“, sagt Meyer. Der Fahrer Wilfried Weber bestätigt, dass die zwischenmenschliche Komponente ganz wichtig sei. „Wenn wir noch einen Moment Zeit haben, laden unsere Fahrgäste uns auch mal in der Stadt auf einen Kaffee ein oder bitten uns noch kurz in ihre Wohnung“, beschreibt er. Auch während der Corona-Zwangspause habe er einige Anrufe erhalten und die Seniorinnen hätten sich erkundigt, wie es ihm gehe.
Der Fahrdienst sei deshalb auch nicht als Konkurrenz zu den Taxi-Unternehmen zu sehen, sondern in erster Linie ein soziales Projekt. Das Angebot ist kostenlos, der Seniorenrat bittet aber um eine Spende; als Richtwert schlägt er 2,50 Euro vor. Wenn das am Ende des Jahres unterm Strich trotzdem nicht ausreicht, springt der Förderverein für Burgdorfer Senioren ein. Dabei sind die Kosten im Vergleich zu den Anfängen vor zehn Jahren deutlich gesunken. Zunächst hatte der Förderverein für den Service noch einen Kleinbus vom VVV angemietet – gegenwärtig nutzen die Fahrer hingegen ihre Privatautos.
Wegen der Corona-Epidemie wird im Moment jeder Fahrgast einzeln in die Innenstadt gebracht. Aber auch sonst gebe es meist mehrere Touren, weil die Senioren in unterschiedlichen Teilen von Burg­dorf leben. „Jeden Mittwoch legen die Fahrer 20 bis 30 Kilometer zurück“, schätzt Uwe Rainer Krüger, der selbst lange Zeit beim Fahrdienst aktiv war; mittlerweile aber aufgrund eigener körperlicher Einschränkungen aufgehört hat.
Er kann sich noch gut an die etwas holprigen Anfänge erinnern: „Bei der allerersten Fahrt hatten wir null Fahrgäste“, blickt er zurück. Doch davon ließ sich der Seniorenrat Burgdorf nicht entmutigen. Er hatte das Projekt damals zusammen mit dem Förderverein für Burgdorfer Senioren iniitiert. Der Vorschlag dazu war bei der Ideenwerkstatt „Alt werden – aktiv bleiben in Burgdorf“ 2009/2010 eingebracht worden und hatte dort viel Zuspruch erhalten. Ebenso bei einer anschließenden Umfrage, die der Seniorenrat mit Unterstützung der Berufsbildenden Schule (BBS) entwickelt hatte.
Anstatt aufzugeben und den Fahrdienst gleich wieder einzustampfen, änderten die Ehrenamtlichen deshalb das Konzept. Ursprünglich richtete sich das Angebot ausschließlich an Senioren aus der Südstadt, die in der Innenstadt einkaufen wollten. Der Seniorenrat hatte eine Route festgelegt und mehrere Haltepunkte bekannt gegeben, an denen die Fahrgäste wie bei einem Linienbus zusteigen konnten. Doch das wurde nicht angenommen. „Wir wollen ja gerade Menschen mit eingeschränkter Mobilität ansprechen und für die war der Weg zum Sammelpunkt eine Hürde“, vermutet Krüger rückblickend.
Kurzerhand boten die Ehrenamtlichen deshalb an, die Senioren direkt von zu Hause aus abzuholen und wenig später erweiterten sie den Service außerdem auf ganz Burgdorf inklusive der Ortsteile. Auch danach blieb die Zahl der Fahrgäste überschaubar, es lief aber zusehends besser. Und nach der einjährigen Pilotphase beschlossen Seniorenrat und Förderverein trotz der durchwachsenen Bilanz, das Projekt fortzusetzen.
Die richtige Entscheidung, ist Horst Böhmer überzeugt. Er ist seit der ersten Stunde dabei und übernimmt bis heute regelmäßig Fahrten. „Ich war vor zehn Jahren von der Idee angetan und wenn man so etwas macht, kann man ja nicht gleich wieder aufhören“, begründet er lakonisch und fügt dann schnell hinzu: „Außerdem mache ich es gern. Wir haben nette Fahrgäste, es ist eine gute Atmosphäre.“
Weitere Infos gibt es immer dienstags von 10 bis 12 Uhr im Büro des Seniorenrates im Rathaus I, Marktstraße 55 (Hintereingang), Telefon (05136) 898305.