Die Geschichte des Radfahrens

Die Hochräder entwickelten sich um 1870 zu einem Statussymbol. (Foto: VVV/Archiv)
 
Am morgen können die Besucher in der Ausstellung viele Modelle aus der Geschichte des Fahrrads entdecken. (Foto: VVV/Archiv)

Das Stadtmuseum die Ausstellung "Kuriositäten auf zwei Rädern"

Burgdorf (r/fh). Wer um 1870 Fahrrad fahren wollte, brauchte nicht nur einen dicken Geldbeutel, sondern auch eine Portion Wagemut: Davon können sich die Besucher der neuen Ausstellung "Kuriositäten auf zwei Rädern" im Burgdorfer Stadtmuseum überzeugen. Vor allem bei dem Modell von James Starley und William Hillman mit dem riesigen Vorder- und dem extrem kleinen Hinterrad konnte es zu gefährlichen Stürzen kommen, wenn ein Hindernis übersehen wurde. Trotzdem wurde das sogenannte Ordinary-Hochrad bald zu einem Statussymbol und war bei gut betuchten Bürgern beliebt.
Die Ausstellung ist vom morgigen Sonntag, 31. Mai, bis zum 16. August im Stadtmuseum, Schmiedestraße 6, zu sehen. Das Team vom Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) hat wegen der Corona-Epidemie entsprechende Abstands- und Hygienemaßnahmen umgesetzt: So ist die Besucherzahl begrenzt, der Zutritt ist nur mit Mund-Nasen-Schutz gestattet und Personen aus unterschiedlichen Haushalten müssen einen Abstand von 1,50 Metern zueinander halten. Um all das zu kontrollieren, werden mehr Ehrenamtliche benötigt als üblich. Deshalb öffnet das Stadtmuseum vorerst nur sonntags und zusätzlich am Pfingstmonat, 1. Juni, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von den Anfängen bis heute

Für die Zusammenstellung sind Gerhard und Heidrun Rickert sowie Walter Euhus verantwortlich. Fördernde Unterstützung leisten die Hannoversche Volksbank und die Region Hannover. Sie haben nicht nur Exponate aus der umfangreichen Sammlung der Burgdorfer Radfahrgalerie ausgewählt, sondern weitere Modelle unter anderem von Museen in Berlin und Frankfurt ausgeliehen.
So erleben die Besucher die Entwicklung des Fahrrads von den Anfängen, die noch an den Kutschenbau angelehnt waren, bis heute. Nach dem Hochrad folgte als nächste Station das „Rover Safety Bicycle“ der beiden britischen Erfinder John Kemp Starley und William Sutton. Als wesentliche Neuerung erhielt es zwei gleichgroße Laufräder, einen Pedalantrieb in der Mitte, der über eine Kette dem Antrieb des Hinterrades diente, sowie eine verbesserte Lenkung, die dem Fahrer eine präzise Steuerung ermöglichte. Und schon nach weiteren zehn Jahren erschienen die ersten Fahrräder in ähnlicher Form, wie man sie heutzutage kennt: mit einem Fünfeck- oder Trapezrahmen, der für Stabilität und Stoßfestigkeit sorgt.

Moderne Fahrrad-Kuriositäten

Mit der Erfindung des Niederrades war die Geschichte der Fahrrad-Kuriositäten noch lange nicht am Ende: Immer wieder überraschten Bastler und Hersteller mit ihren ziemlich skurril anmutenden Ideen. So ist in der Ausstellung unter anderem das Hercules Cavallo zu sehen, das nicht mit Fußpedalen angetrieben wird, sondern durch Auf- und Abbewegungen des ganzen Körpers. Hinzu kommen ein Sesselrad aus den 1920er Jahren, ein Zwillingstandem aus Taiwan und das ehemals kleinste fahrbare Fahrrad der Welt.
Und auch einige Konstruktionen aus neuerer Zeit können bestaunt werden: unter anderem ein Bauchliegefahrrad mit Armantrieb und Fußsteuerung und ein vollverkleidetes Liegerad, das einem Pinguin nachempfunden ist.