"Die Gemeinschaft hat extrem gefehlt"

Doris Zander (von links), Janin Kausche-Ehrenberg und Hilke Oesterling freuen sich, mit dem neuen Halbjahresprogramm wieder durchzustarten. (Foto: privat)
 
Janin Kausche-Ehrenberg (von links), Hilke Oesterling und Doris Zander tauschen sich über das neue Halbjahresprogramm aus.

Erstmals seit Beginn der Pandemie gibt das Frauen- und Mütterzentrum wieder ein Halbjahresprogramm heraus

Burgdorf (fh). Doris Zander hält das ausgedruckte Halbjahresprogramm des Frauen- und Mütterzentrums in der Hand. Die drei DinA4-Seiten haben für die Vereinsvorsitzende auch eine symbolische Bedeutung. „Seit dem Beginn der Corona-Pandemie haben wir keine Veranstaltungsübersicht für die nächsten Monate mehr erstellt, weil eine verlässliche Planung einfach nicht möglich war“, sagt sie. Nun wage das Team wieder den Blick nach vorne.
Bis Juni bietet das Frauen- und Mütterzentrum Still- und Krabbelgruppen an, Babymassage, Autogenes Training, einen offener Spieletreff, ein Sonntags-Café und mehrere Workshops, unter anderem zu Naturkosmetik, Kochen für die Familie und Grillgewürzen. „Zu einigen Themen haben wir auch wieder externe Referentinnen gewonnen. Weil die weitere Entwicklung aber noch immer mit Unsicherheit behaftet ist, übernehmen wir mehr Angebote als sonst in Eigenregie“, sagt Zander.
Auch in den zurückliegenden 24 Monaten habe das Team die Hände nicht in den Schoß gelegt. „Wir haben immer etwas auf die Beine gestellt und neue Formate entwickelt“, betont die Vorsitzende. So sei beispielsweise die Ferienbetreuung nach draußen ins Burgdorfer Holz verlegt worden. „Das ist bei den Kindern und Eltern so gut angekommen, dass wir daran auch unabhängig von der Pandemie festhalten wollen“, sagt sie.
Und auch das Flohmarkt-Regal vor der Eingangstür habe sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Ursprünglich sei die Idee aus der Not heraus entstanden, als kontaktlose Alternative für Tauschbörsen und Basare. „Doch anscheinend haben wir damit einen Nerv getroffen. Es wird laufend etwas gebracht und mitgenommen. Die Sachen bleiben dort nie lange liegen“, so Zander. Es werde nicht nur von bedürftigen Familien dankbar angenommen. „Für viele spielt dabei auch Ökologie und Nachhaltigkeit eine große Rolle“, betont sie.
Auch einige bestehende Gruppen hätten sich neue Formate einfallen lassen: Der offene Spieletreff kam beispielsweise vorübergehend per Videokonferenz zusammen und die Frauen vom Sonntags-Café trafen sich zum Picknicken oder Spazierengehen draußen, wenn das Wetter und die Kontaktregeln es zuließen. Andere Angebote wie die Stillgruppen fielen über lange Zeit komplett aus oder wurden durch Telefonberatung ersetzt. „Gerade Schwangere und junge Mütter hatten in dieser schwierigen Zeit wenig Ansprache und Hilfestellung“, bedauert Zander.
Und auch in vielen anderen Bereichen hätten sich die Einschränkungen negativ ausgewirkt. „Das Frauen- und Mütterzentrum ist ein Ort der Begegnung. Die Gemeinschaft hat uns extrem gefehlt. Digitale Angebote können das auf Dauer nicht ersetzen“, sagt Vorstandsmitglied Hilke Oesterling.
Unter Einhaltung von Abstands-, Hygiene und Zutrittsregeln sei jetzt zwar wieder vieles möglich. „Aber wir können nicht überall einfach da weitermachen, wo wir vor zwei Jahren aufgehört haben. In manchen Bereichen ist es schwierig, die Gruppen wieder in Schwung zu bringen“, sagt Zander.
Einige Frauen hätten in der Zwischenzeit neue corona-konforme Hobbys gefunden, andere seien noch immer zurückhaltend was Treffen in größerer Runde angehe. Für die eine oder andere sei auch die Anmeldung eine Hemmschwelle. „Uns als Frauen- und Mütterzentrum machen eigentlich gerade die offenen Angebote aus, an denen man spontan teilnehmen kann“, betont Oesterling. Das sei wegen der Pandemie derzeit nach wie vor nicht möglich.
Auch am Frauen- und Mütterzentrum selbst seien die zurückliegenden zwei Jahre nicht spurlos vorübergegangen. „Unsere finanziellen Reserven sind fast komplett aufgebraucht“, sagt die stellvertretende Vorsitzende Janin Kausche-Ehrenberg. Sonst sei die Einrichtung regelmäßig mit Ständen auf dem Pferdemarkt, Oktobermarkt und vielen anderen Veranstaltungen präsent gewesen und habe beispielsweise Kinderschminken angeboten. „Dabei sind immer viele Spenden zusammengekommen. Auch wenn jeder nur einen oder zwei Euro gibt, läppert sich das“, sagt Oesterling.
Ein weiteres finanzielles Standbein seien die Fördermittel für Gruppen und Veranstaltungen. Weil vieles abgesagt werden musste, seien auch diese Zuschüsse weggebrochen. Die Fixkosten für Räume, Heizung und die Bürokraft liefen aber weiter. „Deshalb sind wir dankbar, dass wir einige großzügige Einzelspenden erhalten haben. Sie haben uns geholfen, uns über Wasser zu halten“, so Zander.