Der Umgang mit Schuld

Die Theologin Katharina von Kellenbach forscht unter anderem zu christlich-jüdischen Beziehungen und der Erinnerung an den Holocaust. (Foto: privat)

Arbeitskreis Gedenkweg 9. November lädt zu einem Vortrag ein

Burgdorf (r/fh). Nachdem Kain in der Bibel seinen Bruder ermordet hat, kennzeichnet Gott ihn, um seine Schuld sichtbar zu machen. Der Arbeitskreis Gedenkweg 9. November will diskutieren, was diese Geschichte für die Erinnerung an den Holocaust bedeutet. Gemeinsam mit dem Verein Begegnung – Christen und Juden Niedersachsen veranstaltet er einen Vortragsabend mit dem Titel "Verbrechen im Nationalsozialismus: Das Kainsmal oder Wie wird Schuld produktiv?". Er beginnt am Freitag, 6. Mai, um 19 Uhr im Paulus-Kirchenzentrum, Berliner Ring 17.
Das Kainsmal werde oft als Stigma oder Zeichen der Beschämung missverstanden. „Aber in der Kainsgeschichte steckt ein radikal neuer Zugang zur Schuld: keine Bürde oder Last, die durch Vergebung erleichtert und abgenommen werden muss; auch kein Schandfleck, der gereinigt und weggewaschen werden muss“, betont die Vorsitzende des Arbeitskreises Judith Rohde. Weil seine Schuld offen und transparent bleibe, dürfe Kain weiterleben, Vater werden und eine Stadt bauen.
Referentin ist Katharina von Kellenbach, die als Projektkoordinatorin an der Evangelischen Akademie zu Berlin arbeitet. In ihrem Vortrag beschäftigt sie sich mit den Äußerungen von Kriegsverbrechern, ihrer seelsorgerischen Betreuung in den Gefängnissen und dem Umgang der Kirchen mit Schuld im Nachkriegsdeutschland. Kellenbach ist evangelische Theologin. Seit 2001 baute sie am St. Mary’s College of Maryland in den USA den Fachbereich Religious Studies auf und war dort mehrere Jahre lang als Professorin für Religionswissenschaft tätig. Gegenwärtig arbeitet sie an der Evangelischen Akademie zu Berlin als Projektkoordinatorin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören jüdisch-christliche Beziehungen und Holocaust-Studien.