Der „Schwarze Herzog“ lagert vor den Toren der Auestadt Burgdorf

Das Heer des „Schwarzen Herzog“ lagert vor der völlig zerstörten Auestadt. (Foto: SMB)
 
Der braunschweigische Herzog Friedrich Wilhelm wurde wegen der von ihm getragenen schwarzen Uniform der „Schwarze Herzog“ genannt. (Foto: SMB)

„Burgdorf schreibt Geschichte“ am 2. und 3. August 1809

BURGDORF (r/jk). Der heutige 5. Teil der Serie „Burgdorf schreibt Geschichte“ wendet sich den ersten Augusttagen des Jahres 1809 zu, als die Einwohner der Stadt nur eine Frage bewegte: Würde ihre schwer geplagte Stadt, die nur fünf Wochen zuvor am Sonntag des 25. Juni von einer verheerenden, nur 82 Häuser verschonenden Brandkatastrophe heimgesucht worden war, jetzt zum Schauplatz einer blutigen Vernichtungsschlacht werden? Was war geschehen ?
Im Verlauf des 2. August traf die Nachricht ein, dass der braunschweigische Herzog Friedrich Wilhelm - wegen der von ihm getragenen schwarzen Uniform der „Schwarze Herzog“ genannt - mit seinen Husaren im Anzug auf die Auestadt war. Ihm eilte der Ruf eines verwegenen und unerschrockenen Haudegens voraus.
Erbitterter Gegner Kaiser Napoleons
Am 9. Oktober 1771 erblickte Friedrich Wilhelm als vierter Sohn des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig das Licht der Welt. 1789 trat er in preußische Kriegsdienste, wurde Kapitän bei einem Infanterieregiment und kämpfte u.a. 1806 in der Schlacht bei Jena und Auerstedt gegen französische Truppen. Obwohl er von seinem im selben Jahr verstorbenen Vater als sein Nachfolger bestimmt wurde, konnte er seine Regentschaft nicht antreten, weil ihn der nach den französischen Revolutionswirren an die Macht gelangte Kaiser Napoleon 1807 aus seinem Land vertrieben hatte. Daraufhin zog er sich nach Schlesien in das durch Erbfolge zu Braunschweig gehörende Fürstentum Oels zurück. 1808 musste er auch den Tod seiner Ehefrau verkraften.
Aufstellung eines Freikorps
Fest entschlossen, der Eingliederung seines Landes in das französisch regierte Königreich Westfalen energischen und dauerhaften Widerstand entgegenzusetzen, stellte er ein aus 2000 Mann bestehendes Freikorps zusammen, das wie ihr Anführer dunkle Uniformen trug und deshalb die „Schwarze Schar“ genannt wurde. Am 12. Mai 1809 brach Friedrich Wilhelm mit seinem Söldnerheer in Richtung Sachsen auf. 550 Kilometer lagen in den nächsten 18 Tagen vor ihm. Schon bald musste er erkennen, dass er trotz kleiner Anfangserfolge der Überlegenheit der französischen Truppen nicht gewachsen war.
Schlacht bei Braunschweig
Nach einem Gefecht, das am 1. August 1809 in der Nähe von Ölper bei Braunschweig stattfand, konnte er dem gegnerischen Druck nicht mehr standhalten und musste den Rückzug antreten. In den Abendstunden des 2. August traf er mit seinen schwarzen Husaren vor der fast völlig zerstörten Stadt Burgdorf ein. Da die Nachwirkungen der verheerenden Katastrophe einen Einzug in die Stadt nicht gestatteten, ließ er am Försterberg vor dem Braunschweigischen Tore ein Biwak errichten, in dem er mit seiner „Schwarzen Schar“ die Nacht verbrachte. Völlig erschöpft sanken die Soldaten auf ihrem provisorischen Feldlager nieder und fielen in einen unruhigen Schlaf.
Bange Stunden
Angstvoll erwarteten die Burgdorfer Einwohner die heran nahenden Morgenstunden. Würde der neue Tag Tod und Verderben bringen, wenn es vor der Auestadt zu einer Entscheidungsschlacht zwischen dem braunschweigischen Freikorps und den anrückenden französischen Truppen käme? Doch bei einbrechendem Tageslichte konnten die Einwohner aufatmen. Im Lager am Braunschweigischen Tore herrschte bereits reges Treiben. Herzog Friedrich Wilhelm hatte den unverzüglichen Abmarsch befohlen. Kurze Zeit später erfolgte der rasche Aufbruch Richtung Hannover. Große Erleichterung herrschte in der Auestadt, dass sie das Schicksal dieses Mal verschont hatte. Nun konnte es weiter ungehindert an den Neuaufbau der Stadt gehen, dem auch das heutige Erscheinungsbild der Innenstadt und seiner Sehenswürdigkeiten zu verdanken ist.
Flucht über die Weser
Ohne dass es zu einer erneuten Konfrontation der Gegner kam, gelangte die Schwarze Schar am 6. August über Delmenhorst nach Brake und Elsfleth an der Wesermündung, wo sie von englischen Schiffen aufgenommen wurde, die die Flucht auf das Inselreich ermöglichten. Nach den Befreiungskriegen konnte Herzog Friedrich Wilhelm 1813 wieder die Regierung in Braunschweig übernehmen. 1815 kämpfte er unter Marschall Blücher erneut gegen den aus seiner ersten Verbannung zurück gekehrten Kaiser Napoleon und starb durch einen Pistolenschuss am 16. Juni 1815 während der Schlacht bei Quatre-Bras in Belgien. Er hinterließ zwei minderjährige Söhne. Zwei Tage nach seinem Tod konnte Napoleon bei Waterloo vernichtend geschlagen werden und neben den anderen französisch besetzten deutschen Territorialstaaten auch Braunschweig befreit werden.
Ein am 2. August 1859 feierlich eingeweihtes Denkmal steht an der Immenser Straße und bewahrt das Gedenken an den „Schwarzen Herzog“. Seine Inschrift lautet: „Hier lagerte am 2. August 1809 der Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels mit seiner kühnen schwarzen Schar“. Es wurde auf Initiative des Bürgervorstehers Theodor Klauke und dreier wohlhabener Burgdorfer Bürger errichtet.
An diese bewegte Zeit erinnert der Verein Stadtmarketing Burgdorf (SMB) mit seinen Erlebnis-Stadtführungen, bei denen der Schauspieler Andreas Jäger in die Rolle des „Schwarzen Herzogs“ schlüpft und sich mit seinen Gästen auf eine Zeitreise in das Burgdorf des 1809 begibt. Gruppen und Vereine können diese Erlebnisführung nach eigenen Terminwünschen bei Stadtmarketing-Geschäftsführer Gerhard Bleich buchen (Tel. 05136/1862). Die nächste öffentliche Führung mit dem „Schwarzen Herzog“ ist 2012 geplant.