„Der Leib des Denkens“ ist von Flatulenz befallen

Der Ex-Gymnasiallehrer und Sprachschützer Klemens Weilandt sezierte mit seinem Vortrag in der Burgdorfer KulturWerkStadt die sprachlichen und schriftlichen Blähungen in den deutschen Medien, in Politik und Verwaltung sowie in der Wirtschaft. (Foto: Georg Bosse)

Klemens Weilandt lieferte mit Sprachglossen (k)einen Grund zur Heiterkeit

BURGDORF (gb). „Die Sprache ist gleichsam der Leib des Denkens“. Diese Aussage wird dem deutschen Philosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel (1770-1831) zugeschrieben. An diesem Leib ist Klemens Weilandt, früherer Gymnasiallehrer aus Uetze und leidenschaftlicher Sprachschützer, schon seit längerer Zeit eine traurige Erkrankung aufgefallen: die Flatulenz (von lat. „flatus“ Wind; Blähungen). Nur das diese unangenehmen Blähungen nicht rektal, sondern oral entweichen. Und es windet recht heftig - nicht nur im deutschen Blätterwald.
Mit seinem Vortrag „Sprechblasen - stirbt unsere Sprache an Blähungen?“, den Weilandt in der Burgdorfer KulturWerkstadt zum Besten gab, brachte der Pensionär die rund 50 Zuhörer mit Beispielen sprachlicher Verirrungen zum Schmunzeln und zum Stirnrunzeln. Dabei bediente er sich hauptsächlich Kostproben aus den regionalen Gazetten. Aber nicht nur hier fand und findet der 72-Jährige mustergültiges Anschauungsmaterial für „Blähdeutsch“, „Schrumpfgrammatik“ und „Sprachmüll“. Auch die FAZ, das ZDF und die ARD sitzen mit ihren sprachlichen und schriftlichen Fehlleistungen „in der ersten Reihe“.
Nicht nur einzelne Wörter seien heute bedroht, sondern die gesamte Sprache drohe durch „Sprachschlamperei und Kumpeldeutsch“ zu verenden, so Weilandt, der seine bisweilen oberlehrerhaften Ausführungen gerne mit Hinweisen auf seine zwei veröffentlichten Bücher garnierte. „Blütenlese“ (2008) ist eine Glossensammlung, die (k)einen Grund zur Heiterkeit liefert und „Deutsch - oder so“ (2005) deckt „bitterernst“ die Gleichgültigkeit und die Nachlässigkeit im Umgang mit der deutschen Sprache auf, die der Autor zu recht vehement anprangert. So oder so: „Ick liebe dir? Ick liebe dich? Wie`t richtig is, ick weeß et nich, und`t is mich ooch Pomade. Ick lieb nich uf den dritten Fall, ick lieb nich uf den vierten Fall, ick lieb uf alle Fälle!“ (Berliner Gedicht).