Der Advent erstrahlt in Violett

In der Adventszeit wird die St.-Pankratius-Kirche mit der neuen LED-Technik in violettes Licht getaucht.
 
Der Herr der Farben: Fabian Heller stand während der Adventsandachten hinten in der Kirche an der Lichtsteuerung.

St.-Pankratius-Gemeinde eröffnet die Kirche am Spittaplatz und setzt neue LED-Technik ein

Burgdorf (fh). Während Pastorin Friederike Grote vorne am Altar vom blauen Himmel, der gelben Sonne und der grünen Natur spricht, steht Fabian Heller hinten an der Lichtsteuerung und zaubert die entsprechenden Farben oben ans Deckengewölbe. Pünktlich zum ersten Adventswochenende hat die St.-Pankratius-Gemeinde ihre Kirche am Spittaplatz zum ersten Mal nach der mehrmonatigen Renovierung wieder für Andachten geöffnet und den Besuchern bei diesem Anlass einen ersten Eindruck von dem neuen Beleuchtungskonzept vermittelt. "Das war auch für uns selbst eine Premiere. Vorher waren wir noch gar nicht dazu gekommen, alle Farben auszuprobieren", sagt Heller.
Er ist ehrenamtlich im Kirchenvorstand aktiv und hat sich jetzt der neuen LED-Technik in der Kirche angenommen. Wird er von nun an also in jedem Gottesdienst am Lichtpult stehen und für die richtige Ausleuchtung sorgen? Er schüttelt lachend den Kopf. "In den nächsten Wochen müssen wir noch einiges testen und einstellen. Künftig kann man dann eines von 16 gespeicherten Farbprofilen wählen. Das ist dann für jeden ganz einfach zu bedienen", so Heller. Während der Adventszeit soll die Kirche beispielsweise in violettes Licht getaucht sein - in der evangelischen Liturgie die Farbe der Buß- und Vorbereitungszeit zum Beispiel vor Weihnachten und Ostern.
Die farbige LED-Beleuchtung ist sicherlich die auffälligste Veränderung. Außerdem wurden die Wände weiß gestrichen und sorgen für einen hellen Gesamteindruck. Viele andere Renovierungsarbeiten bleiben hingegen im Verborgenen wie beispielsweise die 1,5 Kilometer Kabel, die neu verlegt wurden, und einige Details fallen nur denjenigen auf, die die Kirche wirklich gut kennen: Pastor Dirk Jonas freut sich zum Beispiel über die neuen schlichten Hängeleuchten im Altarraum. "Wir haben uns in den zurückliegenden Monaten oft über Skizzen und Modelle gebeugt. Jetzt freue ich mich, dass auch in der Realität alles sehr stimmig wirkt", sagt er.
Auch in den nächsten Wochen werden hin und wieder Handwerker in die Kirche kommen: Vor allem in den Nebenräumen stehen einige Restarbeiten aus und im Kirchenschiff müssen noch die Säulen restauriert werden. Dann ist der erste Teil des Projektes "In neuem Glanz erstrahlen" geschafft. Im Frühjahr soll die Instandsetzung der Orgel folgen. Insgesamt kosten die beiden Maßnahmen rund 500.000 Euro - vor allem aufgrund der Erneuerung der Elektrik und des aufwendigen Beleuchtungskonzeptes deutlich mehr als ursprünglich angenommen. Rund 200.000 Euro davon will die Gemeinde über Spenden finanzieren. "Wir haben bereits 170.000 Euro erreicht und befinden uns jetzt auf der Zielgeraden", sagt Andreas Bauer vom Fundraisingteam der Gemeinde.
Eigentlich hätte es nach der Renovierung einen großen Eröffnungsgottesdienst geben sollen. Doch das war wegen der Corona-Epidemie nicht möglich. Um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können und trotzdem möglichst vielen Burgdorfern einen Besuch zu ermöglichen, feierte die Gemeinde stattdessen vier kurze Andachten. Diese Gelegenheit haben am ersten Adventswochenende insgesamt mehr als 200 Menschen genutzt.
Das ließ sich auch Kerstin Gerigk-Rosengart nach einer arbeitsreichen Woche nicht entgehen. Ihr familiengeführtes Reinigungsnehmen war von der Gemeinde engagiert worden, um die Kirche vor der Wiedereröffnung sauber zu machen. Am Samstag nahm sie nun zusammen mit ihrem Mann, ihrer Mutter und ihren vier Kindern auf einer der Bänke Platz, die sie in den Tagen zuvor mehr als einmal geputzt hatten. "Der Staub hat sich immer wieder dort abgesetzt", sagte Pastorin Friederike Grote mit einem Schmunzeln. Und auch sonst habe die Reinigung dem Burgdorfer Unternehmen einiges abverlangt. "Das war nicht allein der Baustellendreck. Man hat auch gemerkt, dass die Kirche wahrscheinlich 30 Jahre lang nicht mehr so gründlich geputzt worden ist", sagte Grote und überreichte der Familie als Dank für ihren Einsatz ein kleines Geschenk.
In ihrer Predigt griff die Pastorin immer wieder das Symbol der Türen auf. Sie sei froh, dass diejenigen der St.-Pankratius-Kirche nun wieder offen stehen. Viele andere blieben hingegen wegen der Corona-Epidemie in diesem Jahr verschlossen. Nicht nur bei Restaurants und Kultureinrichtungen, sondern auch im Privaten. "Wir fragen uns, ob wir bei Freunden und Verwandten klingeln sollen oder ob wir den Gruß lieber in den Briefkasten werfen", nannte Grote ein Beispiel. Doch trotz aller Vorsicht und Abstandsgebote blieben die Menschen einander zugewandt. "Was ich in den vergangenen Monaten nicht erlebt habe, sind verschlossene Herzenstüren. Und genau darauf kommt es in der Adventszeit an", so die Pastorin.
Für musikalische Begleitung sorgten bei den Andachten acht Sängerinnen und Sänger der Jugendkantorei, die sich mit viel Abstand zu beiden Seiten der Empore verteilt hatten. Passend zur Wiedereröffnung der Kirche und dem Hauptmotiv der Predigt sangen sie unter anderem das Weihnachtslied "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit".