Debatte über Ortsfriedhöfe

Der Ortsrat Schillerslage ist dagegen, den kleinen Dorffriedhof für alle Burgdorfer zu öffnen. (Foto: privat)
 
Die Stadtverwaltung spricht sich ebenso wie die SPD dafür aus, die Ortsfriedhöfe für alle Burgdorfer zu öffnen. Der Friedhof in Heeßel wäre aufgrund der räumlichen Nähe vor allem für Weststädter eine Alternative zum Friedhof am Niedersachsenring. (Foto: privat)

SPD will Bestattungen für alle Burgdorfer zulassen / Aus vielen Dörfern kommt Widerstand

Burgdorf (fh). Den Friedhofsentwicklungsplan hat der Rat Anfang des vergangenen Jahres einstimmig beschlossen - doch welche Maßnahmen aus dem Konzept abgeleitet werden sollen, ist strittig. Eine emotionale Diskussion dreht sich derzeit um die sieben Ortsteilfriedhöfe in Beinhorn, Heeßel, Otze, Ramlingen, Schillerslage, Sorgensen-Dachtmissen und Weferlingsen. Während der Stadtfriedhof am Niedersachsenring allen Burgdorfern offen steht, dürfen in den Dörfern nur Menschen beerdigt werden, die vorher dort gelebt haben. Ausnahmen werden im begründeten Einzelfall in Rücksprache mit dem jeweiligen Ortsbürgermeister oder Ortsvorsteher zugelassen.

Viele Ortsteile lehnen Öffnung ab

Die SPD möchte das ändern und fordert in einem Antrag, auch die Ortsteilfriedhöfe für alle Burgdorfer zu öffnen. Die Stadtverwaltung hat das aufgegriffen und einen detaillierten Beschlussvorschlag dazu erarbeitet. Doch in den meisten Ortschaften stößt das auf Widerstand. Einzig der Ortsrat Ramlingen-Ehlershausen hat sich eindeutig für das Vorhaben ausgesprochen. "Bei uns gibt es relativ viel Zuzug. Viele Menschen, die jetzt hier leben, möchten auch, dass ihre Angehörigen in der Nähe bestattet werden. Die Grenzen sind da oft fließend", begründet CDU-Ortsratsherr Robert Apel.
Der Ortsrat Otze hat signalisiert, dass er eine Öffnung mittragen würde, aber auch mit einer Beibehaltung der bisherigen Regelung einverstanden wäre. Die beiden anderen Ortsräte Schillerslage und Heeßel sowie die Ortsvorsteher von Beinhorn, Dachtmissen und Weferlingsen lehnen das Ansinnen hingegen vehement ab. Sie fürchten einen "Bestattungstourismus" und als Folge eine Überlastung der kleinen Dorffriedhöfe.

Friedhöfe sind nicht kostendeckend

Die Verwaltung sieht dieses Risiko nicht: Die Sargbestattungen gingen zurück, argumentiert sie. Immer mehr Menschen wählten eine Urnenbeisetzung mit deutlich kleineren Grabstellen oder pflegefreie Bestattungsformen, zum Beispiel in den BaumOasen. Andere entschieden sich für den Friedwald in Uetze oder den Ruheforst im Deister, die beide privat betrieben werden. Das Fazit der Verwaltung: Auf allen Ortsteilfriedhöfen gebe es mehr als genug Platz. Es sei davon auszugehen, dass künftig sogar größere Flächen freiblieben.
Und nicht nur das: Um sich langfristig weiterhin alle Friedhöfe leisten zu können, müsse die Stadt verhindern, dass die Belegungszahlen immer weiter zurückgingen. 2018 konnten nur noch rund 67 Prozent der Kosten für Betrieb und Pflege der städtischen Friedhöfe am Niedersachsenring und in den Ortsteilen aus den Pachteinnahmen der Grabstellen gedeckt werden. Mit anderen Worten: Die Stadt muss kräftig draufzahlen. Und sie fürchtet, dass diese Lücke im Laufe der nächsten Jahre eher noch wächst. "Wir können die Friedhöfe nur halten, wenn sie auch belegt sind. Deshalb ist es wichtig, dass wir der Abwanderung zu privaten Anbietern entgegenwirken", betonte Julia Krause von der Tiefbauverwaltung. Deshalb sei die Öffnung der Ortsteilfriedhöfe auch finanziell ratsam.

"Wir wollen Dorfkultur wahren"

Dieser Einschätzung schloss sich Robert Apel an, der für die CDU nicht nur im Ortsrat Ramlingen-Ehlershausen, sondern auch im Rat der Stadt sitzt. "Die Gefahr einer zu geringen Belegung und damit einer mangelnden Kostendeckung ist in meinen Augen deutlich realer, als drohender Bestattungstourismus", betonte er. Sein Parteikollege Barthold Plaß, der seinerseits sowohl Mitglied des Rates als auch des Ortsrates Schillerslage ist, hielt dagegen: "Dieses Thema darf nicht rein wirtschaftlich betrachtet werden. Es geht darum, Dorfkultur und Identität zu erhalten."
Die bisherige Regelung sei ausreichend und habe nicht zu Konflikten geführt. So seien auch Ortsfremde in begründeten Einzelfällen auf den Ortsfriedhöfen bestattet worden, zum Beispiel wenn die Angehörigen, die die Pflege der Grabstelle übernehmen, in dem Dorf leben oder der Verstorbene selbst einen besonderen Bezug zu dem Dorf hatte. Diese Ausnahmeregelung greift allerdings nicht, wenn sich beispielsweise Einwohner der Burgdorfer Weststadt nur aufgrund der räumlichen Nähe in Heeßel oder Schillerslage bestatten lassen wollen.
Tatsächlich sind das die beiden Friedhöfe, für die es in den vergangenen Jahren die meisten Anfragen gab: Seit 2004 waren es in Heeßel 18, von denen sechs abgelehnt wurden und in Schillerslage sieben, von denen vier abgelehnt wurden. "Wir haben uns bei diesen Entscheidungen immer an den Beschluss des Verwaltungsausschusses gehalten und sie im Einvernehmen mit der Stadt getroffen", betont der Heeßeler Ortsvorsteher Heiko Reißer.

Pollehn wirbt für Kompromiss

Der Ortsvorsteher von Dachtmissen Jörg Neitzel verwies auf die Entstehungsgeschichte der Dorffriedhöfe. "Sie wurden in der Regel von den ortsansässigen Landwirten gegründet, die große Grabstellen gekauft und dadurch die finanzielle Grundlage geschaffen haben", erläuterte er und schloss: "Vor diesem Hintergrund hätte ich mit von der Verwaltung etwas mehr Fingerspitzengefühl gewünscht!"
Dem Eindruck, dass es daran gemangelt habe, will Bürgermeister Armin Pollehn entgegenwirken und versucht bei diesem Thema, eine Entscheidung gegen den Willen der Ortsräte und -vorsteher zu vermeiden. Im Verwaltungsausschuss hat er deshalb einen Kompromissvorschlag unterbreitet: Eine Öffnung soll es demnach zunächst nur auf den Friedhöfen in Otze und Ramlingen geben - auf den übrigen fünf könnte die bisherige Regelung Bestand haben. Abgestimmt wurde darüber noch nicht. Zunächst wollen die Fraktionen noch einmal darüber beraten. Bei der jüngsten Ratssitzung Mitte Dezember wurde das Thema deshalb abgesetzt und wird nun voraussichtlich Mitte Februar erneut auf der Tagesordnung stehen.