Dauerhafte Unterstützung für den VVV

Der VVV stellt nicht nur eine Vielzahl von Veranstaltungen auf die Beine, sondern ist auch Träger des Stadtmuseums und der KulturWerkStadt. (Foto: VVV)
 
Der derzeitige VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich will Ende 2022 in den Ruhestand gehen. (Foto: Archiv/Franka Haak)

Der Rat hat mit großer Mehrheit für einen jährlichen Personalkostenzuschuss von 75.000 Euro gestimmt

Burgdorf (fh). Die Stadt Burgdorf unterstützt den Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) ab 2021 dauerhaft mit einem jährlichen Personalkostenzuschuss in Höhe von 75.000 Euro. Das haben die Kommunalpolitiker in der letzten Ratssitzung des Jahres Mitte Dezember bei zwei Gegenstimmen mit großer Mehrheit beschlossen. Von dem Geld sollen künftig zwei halbe Stellen für die Geschäftsführung und eine halbe Sachbearbeiterstelle finanziert werden. "Der Verkehrs- und Verschönerungsverein ist für die kulturellen Angebote in der Stadt Burgdorf unverzichtbar. Die vielfältigen Aktivitäten schaffen einen erheblichen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt", heißt es in dem Antrag, den SPD, WGS, Bündnis 90 / Die Grünen, CDU und FDP gemeinsam eingebracht haben.
Diese Überlegung ist im Laufe der vergangenen drei Jahre herangereift: Seit der derzeitige VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich angekündigt hat, Ende 2022 in den Ruhestand zu gehen, wird diskutiert, wie an der Spitze ein Generationenwechsel gelingen kann. Deshalb beschloss der Rat 2017, dem Verein drei Jahre lang jeweils 50.000 Euro zur Verfügung zu stellen, um ihn bei der Entwicklung zukunftsfähiger Strukturen und der Suche nach möglichen Nachfolgern zu unterstützen. Von dem Geld wurden zwei Mitarbeiter jeweils mit halber Stelle engagiert, die bereit wären, sich die Geschäftsführung künftig zu teilen.
Ausgehend von diesen Erfahrungen hat der VVV nun in einem Zukunftskonzept dargelegt, dass er auch weiterhin auf erhebliche finanzielle Unterstützung der Stadt angewiesen sei, um seine Arbeit im bisherigen Umfang fortzusetzen. Der Zuschuss könne nicht wieder gestrichen werden, sondern müsse im Gegenteil sogar erhöht werden, weil zusätzlich zu den beiden Teilzeit-Geschäftsführern auch noch eine halbe Stelle für die Sachbearbeitung gebraucht werde.
Den gestiegenen Bedarf begründet der Verein damit, dass zum einen Gerhard Bleich seine Aufgabe mit großem persönlichen Engagement wahrnehme, das sehr deutlich über die vertraglich vereinbarte halbe Stelle hinausgehe. Zum anderen nehme die Arbeit in der Geschäftsstelle kontinuierlich zu. So stellten beispielsweise die Behörden höhere Anforderungen an Sicherheits-, Hygiene- und Veranstaltungskonzepte - nicht nur während der Corona-Epidemie. Außerdem steige die Zahl der Ehrenamtlichen und es würden regelmäßig neue Arbeitskreise gegründet, was zu einem höheren Koordinationsaufwand führe. Insgesamt falle immer mehr Bürokratie an und auch die Digitalisierung sowie die Werbung beispielsweise in den sozialen Netzwerken nehme mehr Zeit in Anspruch.
SPD, WGS, Bündnis 90/Die Grünen, CDU und FDP folgten dieser Argumentation. "Gerade jetzt in der Corona-Zeit merken wir, was uns fehlt, wenn keine Kulturarbeit stattfinden kann", so der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerald Hinz. Und der Vorsitzende der CDU-Fraktion Klaus Köneke betonte, dass der VVV kein Verein wie jeder andere sei. "Dort bringen sich viele Menschen ehrenamtlich ein, um für Burgdorf etwas zu tun", sagte er.
Nur die Freien Burgdorfer trugen den fraktionsübergreifenden Antrag nicht mit und stimmten im Rat uneinheitlich ab: Niklas Gottschalk votierte dafür, seine beiden Fraktionskollegen Rüdiger Nijenhof und Lukas Kirstein dagegen. "Ich vertrete die Linie, dass wir keine Stellen außerhalb des Stellenplans finanzieren sollten. Auch bei anderen Vereinen beteiligen wir uns nicht an den Personalkosten", hatte Kirstein seine Position im Finanzausschuss erläutert.
Als 2017 über den befristeten Zuschuss von jeweils 50.000 Euro für die nächsten drei Jahr abgestimmt wurde, hatte auch FDP-Ratsherr Thomas Dreeskornfeld noch so argumentiert. Doch nun kam er zu einem anderen Ergebnis. Der VVV sei kein klassischer Verein, sondern eine "verkappte Kulturabteilung der Stadt Burgdorf". Er übernehme viele Aufgaben, um die sich sonst die Stadt selbst kümmern müsste. Deshalb sei der Zuschuss gerechtfertigt.
Allen Politikern ist indes bewusst, dass eine solche freiwillige Leistung im Hinblick auf die Haushalslage der Stadt Burgdorf besonders von der Region Hannover als Kommunalaufsicht besonders kritisch beäugt wird. Deshalb heben sie in ihrem Antrag hervor, dass sich die Stadt sämtlicher kultureller Aufgaben entledigt habe. "Andere Kommunen versuchen mit wesentlich höherem finanziellen Aufwand, allerdings deutlich weniger Erfolg öffentliche Kulturarbeit zu gestalten", schreiben sie in dem Antrag.


Der VVV

Der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) Burgdorf wurde 1928 gegründet, ist aber vor allem in den zurückliegenden 50 Jahren stark gewachsen und hat sein Engagament ausgeweitet. Hatte er Mitte der 1970er Jahre rund 100 Mitglieder, sind es heute 2700. In rund 30 Arbeitskreisen stellen sie ehrenamtlich jedes Jahr rund 100 Aktivitäten auf die Beine - von Vortragsveranstaltungen und Ausflügen für Kinder, über Konzerte bis hin zum Stadtfest Oktobermarkt.
Außerdem ist der VVV Träger des Stadtmuseums und der Kulturwerkstadt, der Gastspiele des Theaters für Niedersachsen in der Aula des Gymnasiums sowie der Barock- und Schlosskonzerte. Er betreut außerdem die kommunale Fahrrad- und die Zinnfigurensammlung.