"Das ist ein Stück Selbständigkeit"

Der ehrenamtliche Fahrer Wolfgang Bock vom Seniorenrat Burgdorf bringt Dorothea Mügge und weitere Seniorinnen regelmäßig zum Einkaufen und für weitere Besorgungen in die Innenstadt.

Ehrenamtliche Fahrer des Seniorenrats bringen ältere Menschen zum Einkaufen oder zum Arzt

Burgdorf (fh). Sich die Waren im Supermarkt selbst aussuchen können, unter Leute kommen und eine Runde mit Bekannten klönen – der wöchentliche Einkauf ist für Dorothea Mügge keine lästige Erledigung, sondern auch ein Stück Selbständigkeit und eine Möglichkeit, soziale Kontakte zu pflegen. Seit vier Jahren nutzt die 86-Jährige dafür den Fahrdienst des Seniorenrats fast jeden Mittwoch. „Das ist eine große Erleichterung“, betont sie. Denn die ehrenamtlichen Fahrer bringen sie nicht nur von A nach B, sondern helfen ihr auch beim Einsteigen, tragen ihre Taschen zur Tür bieten weitere Unterstützung an.
Vor sechs Jahren hat Dorothea Mügge ihr Auto verkauft. „Ich habe damals gemerkt, dass ich vor allem im Dunkeln nicht mehr so gut gucken konnte und mich nicht mehr so sicher fühlte“, erinnert sie sich. Ihren Führerschein habe sie zwar noch, aber ans Steuer setze sie sich seitdem nicht mehr. „Wenn man vorher viel gefahren ist, ist das eine ganz schöne Umstellung. Man kommt nicht mehr so einfach überall hin“, sagt sie. Als sie aus der Zeitung von dem Fahrdienst des Seniorenrates erfahren habe, sei sie deshalb sofort begeistert gewesen.
Den Service nutzen zur Zeit insgesamt 13 Seniorinnen – im Moment ausschließlich Frauen. Einige von ihnen fahren jede Woche mit, andere in größeren Abständen oder nur bei schlechtem Wetter. Je nach Wunsch werden sie beispielsweise zu Edeka, Rewe oder Aldi gebracht und nach dem Einkauf wieder abgeholt. „Wenn jemand ein Rezept abholen möchte, halten wir aber auch mal beim Arzt an oder fahren sie zur Bank zum Geldabheben“, erläutert Wolfgang Bock. Er ist einer von derzeit fünf ehrenamtlichen Fahrern, die sich beim Seniorenrat engagieren.
Am Dienstag können die Senioren telefonisch mitteilen, ob sie den Service in der jeweiligen Woche nutzen möchten und eine Uhrzeit vereinbaren. Dafür nimmt sich Ursula Meyer vom Seniorenrat viel Zeit. Denn für die Seniorinnen sei schon die Anmeldung eine willkommene Gelegenheit, sich auszutauschen. „Sie freuen sich, jemanden zum Reden zu haben und wir kommen oft ins Klönen“, sagt Meyer. Der Fahrdienst solle nicht etwa den Taxi-Unternehmen Konkurrenz machen, sondern sei in erster Linie ein soziales Projekt, bei dem es auf die zwischenmenschlichen Kontakte ankomme.
Am Mittwochvormittag holen die Fahrer die Senioren dann zwischen 8.30 und 10 Uhr im 20-Minuten-Takt von zu Hause ab. Durch die Corona-Epidemie haben sich die Abläufe verändert. „Vorher sind auch mal drei Fahrgäste gleichzeitig bei mir eingestiegen. Jetzt fahren wir sie einzeln“, so Bock. Bei der Rückfahrt könnten sich dadurch mitunter Wartezeiten ergeben, vor allem, wenn jemand schneller fertig sei, als gedacht. Doch das stört Dorothea Mügge nicht. Manchmal planen sie und die anderen Fahrgäste sogar ganz bewusst etwas mehr Zeit ein. „Dann trinken wir nach dem Einkauf noch zusammen einen Kaffee. Das habe ich während des Lockdowns wirklich vermisst“, sagt sie.
Der Fahrdienst richtet sich an ältere Menschen, die weder ein eigenes Auto noch öffentliche Verkehrsmittel nutzen können. Rollatoren und andere Gehhilfen können mitgenommen werden. Das Angebot ist kostenlos, der Seniorenrat bittet aber um eine Spende und schlägt als Richtwert 2,50 Euro vor. Wenn das am Ende des Jahres unterm Strich nicht ausreicht, springt der Förderverein für Burgdorfer Senioren ein. Anmeldungen für den Fahrdienst nimmt der Seniorenrat dienstags von 10 bis 12 Uhr unter Telefon (05136) 898305 entgegen.