Das „Aus“ für den „Pflegestützpunkt Ostkreis“ ist nicht nachvollziehbar

Nach den Amtskollegen Voß und Backeberg unterschrieben Carl Jürgen Lehrke und Alfred Baxmann (v. li.) den gemeinsamen Protestbrief an den Verband der Ersatzkassen. Jan-Hinrich Brinkmann und Dagmar Lindemann (v.l.) schauten ihnen dabei über die Schultern. (Foto: Georg Bosse)

Bürgermeister der Ostkreis-Kommunen schreiben gepfefferten Protestbrief an den vdek

BURGDORF/ALTKREIS (gb). Zu einem ganz und gar nicht erfreulichen Anlass hatte Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann die örtliche Presse am vergangenen Donnerstag zu einem Gespräch ins Rathaus II eingeladen. In Anwesenheit von Dagmar Lindemann, Teamleiterin „Soziales“ in der Verwaltung von Uetze, sowie Sehndes Bürgermeister Carl Jürgen Lehrke kam Baxmann ohne Umschweife gleich zur Sache. „Wir sind sehr enttäuscht und fühlen uns verschaukelt“, erregte sich der Verwaltungschef in Richtung der Verbände der Gesetzlichen Krankenkasse in Niedersachsen (vdek).
Aber was hatte denn nun die Verärgerung in den Rathäusern in Sehnde, Lehrte, Burgdorf und Uetze ausgelöst? Trotz konstruktiver Kooperation mit der Region scheint das wohnort- und bürgernahe Konzept für die Errichtung von dezentralen Pflegestützpunkten im Osten von Hannover gescheitert zu sein. Obwohl der vdek dem Versorgungskonzept der Region und der vier Kommunen inhaltlich zugestimmt hatte, ließ sich der Pflegekassenverband nicht davon abbringen, immer wieder neue wirklichkeitsfremde Forderungen zu stellen, die vermuten lassen, dass es ihm nie darum gegangen war, eine dezentrale Pflegeberatung in der Region zu etablieren. „Wir fühlen uns durch die ewig neuerlichen Ansinnen der Kassen richtig düpiert“, sagte Carl Jürgen Lehrke
Für den Betrieb des Pflegenetzes sollten die 21 Regionsgemeinden von den Pflegekassen jährlich einen Euro pro Einwohner über 60 Jahre erhalten. Danach hatten mehrere Kommunen die Absicht erklärt, im Verbund zusammenzuarbeiten. Sehnde, Lehrte, Burgdorf und Uetze hatte sich darauf geeinigt, ein eigenes Betriebskonzept für einen Pflegestützpunkt „Ostkreis Hannover“ auf die Beine zu stellen. 13 Monate und über 50.000 vor geleistete Steuer-Euro später sind die Verhandlungen mit dem vdek vorläufig erledigt. „Wir wären am 1. Januar dieses Jahres bereit gewesen, die Stützpunktarbeit aufzunehmen, um die Beratung und Unterstützung von pflegebedürftigen Personen und ihren Angehörigen zu verbessern und miteinander zu vernetzen“, erklärte Burgdorfs Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann, der federführend mit dem gemeinsamen Betriebskonzept befasst ist. „Wenn sich die Angelegenheit weiter verzögert oder gänzlich scheitert, wird es uns auch nicht möglich sein, die einmalige Anschubfinanzierung des Bundes in Höhe von 50.000 Euro zu bekommen, die bis zum Stichtag 1. Juni abgerufen werden muss“, schob Dagmar Lindemann hinterher.
„Mehr Forderungen für weniger Gegenleistungen“, so Lehrke, ließen das Fass endgültig überlaufen. Die Bürgermeister Jutta Voß (Lehrte), Carl Jürgen Lehrke (Sehnde), Alfred Baxmann (Burgdorf) und Werner Backeberg (Uetze) brachten am 17. Februar einen von ihnen unterzeichneten, gepfefferten Protestbrief auf den Weg, in dem es unter anderem heißt: „Ihre neuen Forderungen sowie die Ablehnung des von den vier Kommunen Burgdorf, Lehrte, Sehnde und Uetze getragenen Stützpunktes „Ostkreis Hannover“ stoßen bei uns auf Unverständnis und sind in keiner Weise nachvollziehbar oder hinnehmbar.“ Und weiter: „Leidtragende an der nun eingetretenen Situation (...) sind übrigens nicht einzelne abstrakte Gebietskörperschaften, sondern die im Regionsgebiet lebenden Seniorinnen und Senioren, ihre Angehörigen oder Nachbarn und Freunde.“
„Den Pflegekassen ging es einzig darum, unser Konzept zu verhindern“, ließ Erwin Jordan, Sozialdezernent der Region Hannover, in einer Presseinformation verlautbaren.