Chris Ebner erzählte von „Tutti Frutti“

Chris Ebner erzählte in der Burgdorfer KulturWerkStadt von den Zeiten, als sich der schwarze Bebop-Jazz und R&B zum „weißen“ Rock 'n' Roll wandelte und dabei die strikte Trennung zwischen Schwarz und Weiß aufgeweicht wurde. (Foto: Georg Bosse)

Rock´n´Roll-Experte berichtete von der „schwarzen Seele“

BURGDORF (gb). Mit einem von Andy Lee am Piano musikalisch begleiteten Vortrag von Chris Ebner zur „schwarzen Seele“ des Rock 'n' Roll ist die Burgdorfer Themenausstellung „Let the good times roll“ in der KulturWerkStadt zu Ende gegangen. Mit Chris Ebner war eine höchst fachkundige Rock 'n' Roll-Kapazität in die Auestadt gekommen, die als Mitglied der Chefredaktion des Magazins „Rockin`Fifties“ und als freier Journalist der „Westfälischen Rundschau“ zahlreichen Rock-Legenden, wie Fats Domino, Jerry Lee Lewis oder Wanda Jackson, persönlich begegnet ist.
„Tutti Frutti“ (ital: alle Früchte), so die Bezeichnung von Ebners sachverständigen Betrachtungen, ist ein Klassiker der Rock 'n' Roll-Ära, der im Original von Little Richard (1955) stammt und der wenig später unter anderem von Pat Boone und Elvis Presley erfolgreich gecovert wurde.
Zeitlich jedoch reichen die Wurzeln des (weißen) Rock 'n' Roll viel weiter zurück. „Mit dem Jump Blues „Good Rockin`Tonight“ wurde der US-amerikanische Blues-Sänger Roy Brown bereits 1947 zum Wegbereiter des Rock 'n' Roll“, erklärte Chris Ebner. Es folgten die Jahre des Übergangs vom (schwarzen) Bebop-Jazz und Rhythm & Blues zum Rock 'n' Roll, einer Stilbezeichnung, die der amerikanische DJ Alan Freed 1951 geprägt haben soll. Der Begriff „Rock 'n' Roll“ war allerdings schon viele Jahre vorher in schwarzen R&B-Titeln, wie z.B. „Rock & Roll“ von den Boswell Sisters (1934), aufgetaucht. In der hohen Zeit des rebellischen Rock 'n' Roll von 1954 bis 1959 verband sich diese Musikrichtung mit dem Lebensgefühl einer Jugend- und Protestkultur.
Und mit der wachsenden Popularität von schwarzen Künstlern, wie Chuck Berry, Ray Charles, Carl Perkins oder Ike Turner, wurde auch die damals strikte Trennung zwischen Schwarz und Weiß aufgeweicht. Übrigens hatte Ike Turner (Ike & Tina Turner) den Song „Rocket 88“ (1951) geschrieben, der von Jackie Brenston in die R&B-Hitparade gesungen wurde und sich damit zum Prototyp zukünftiger Rock 'n' Roll-Titel entwickelte. Bill Haley nahm das Stück ebenfalls auf und manche bezeichnen diese Version als erste Rock 'n' Roll-Aufnahme. Heute wird der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch auf zeitgenössische Rockmusik angewendet.