Burkhard Driest überfällt die Filiale der Stadtsparkasse

Burkhard Driest und Romy Schneider flirten in der legendären Talkshow. (Foto: VVV)

Zwölfteilige Serie zum Thema „Burgdorf schreibt Geschichte“

BURGDORF (r/jk). Im Stadtmuseum ist vom 5. Februar bis 27. März 2011 die Ausstellung „Burgdorf schreibt Geschichte“ zu sehen, die der VVV und die Stadt Burgdorf präsentieren. Sie gehört zu den ersten Höhepunkten des gleichnamigen Themenjahrs. Mit umfassenden Bild- und Textdokumenten werden bedeutende Ereignisse dokumentiert und namhafte Persönlichkeiten gewürdigt, die die Geschichte der Auestadt entscheidend geprägt und einen nachhaltigen überregionalen Einfluss gehabt haben. In den folgenden Wochen erscheint eine zwölfteilige Serie zu diesem Thema. Der erste Teil befasst sich mit berühmten Gästen der Auestadt. Zu ihnen gehörte der Schauspieler Burkhard Driest, dem die zweifelhafte Ehre zukommt, den ersten bewaffneten Raubüberfall in der Burgdorfer Kriminalgeschichte begangen zu haben.
Filmreifer Auftritt
Als der von heftigen Schulden geplagte und aus einer Stettiner Flüchtlingsfamilie stammende Göttinger Jurastudent Burkhard Driest (Jahrgang: 1939) am 11. Mai 1965 Burgdorf besuchte, hielt er sich nur kurze Zeit in der Stadt auf und verband keineswegs freundliche Absichten mit seinem Besuch. Ziel seines Aufenthaltes war es vielmehr, die Filiale der örtlichen Stadtsparkasse Vor dem Celler Tor um einen erheblichen Geldbetrag zu erleichtern. Als ob er Darsteller in einem Western wäre, drang der spätere Schauspieler Driest um 13.00 Uhr mit gezogener Waffe in die Bank ein und zwang die Angestellten zur Herausgabe alles vorhandenen Geldes. Ein Regisseur hätte ihn sicher wegen seines filmreifen Auftrittes gelobt. Nachdem er ohne auf nennenswerten Widerstand zu stoßen 7358 DM erbeutet hatte, konnte er ungehindert mit einem gestohlenen PKW aus Burgdorf flüchten. Durch seinen leichtsinnigen Umgang mit dem geraubten Geld geriet er schon eine Woche später in das Netz der Ermittlungsbehörden. Seine unorthodoxe Methode der Geldbeschaffung wurde mit einer mehrjährigen Zuchthausstrafe belohnt. Als Verbrechen eines gescheiterten Studenten wäre der Banküberfall längst in Vergessenheit geraten. Doch es sollte anders kommen.
Legendäre Talkshow mit Romy Schneider
Driest nutzte die Zeit im Gefängnis zur inneren Läuterung. Er verfasste mit dem 1974  erschienenen Buch „Die Verrohung des Franz Blum“ einen Roman über diese prägende Phase seines Lebens, der seinen Namen schlagartig in ganz Deutschland bekannt machte. Im selben Jahr war er mit der berühmten Schauspielerin Romy Schneider Gast in einer Talkshow. Das Fernsehpublikum konnte live die offensiven Sympathiekundgebungen der als „Sissi“ bekannt gewordenen Darstellerin für den jungen Driest verfolgen, der gerade seine neue künstlerische Laufbahn als Schauspieler begonnen hatte. Selten hatte man die sensible Schauspielerin so aufgeräumt erlebt wie in Anwesenheit des mit seinem neuen Brutalo-Image kokettierenden Driest. Naturgemäß dichtete die Regenbogenpresse ihnen später ein intimes Verhältnis an. In der Sendung berichtete Driest auch von seinem Überfall in Burgdorf und schilderte seine damaligen Lebensumstände, die ihn als „Gast“ mit unlauteren Motiven nach Burgdorf geführt hatten.
Karriere als Schauspieler und Autor
Nach diesem skandalumwitterten Auftritt im deutschen Fernsehen ging es steil mit seiner Karriere bergauf. In den folgenden Jahren spielte er in Kino- und Fernsehfilmen unter so bekannten Regisseuren wie Rainer Werner Fassbaender und Reinhard Hauff mit, zu denen er mehrmals die Drehbücher selbst verfasste, und inszenierte 1984 mit „Annas Mutter“ einen Spielfilm über Marianne Bachmeier, die den Mörder ihrer Tochter im Gerichtssaal getötet hatte. Für seine Rolle in dem Film „Private-Life-Show“ erhielt Driest 1996 in Monte Carlo die Silberne Nymphe als bester Filmschauspieler. Heute lebt er zurückgezogen auf Ibiza und schreibt spannende Kriminalromane, in deren auf der Ferieninsel angesiedelte Schauplätze er viel Lokalkolorit einfließen lässt.