Burgdorfer Konservenfabrik: Einst Deutschlands größte Konservenfabrik

Die Burgdorfer Konservenfabrik im Jahr 1893. (Foto: SMB)

Geschichtlicher Rückblick im Themenjahr „Burgdorf schreibt Geschichte“

BURGDORF (r/jk). Die zehnte Folge der Serie „Burgdorf schreibt Geschichte“ versetzt die Leser in eine glanzvolle Epoche der städtischen Wirtschaftsgeschichte zurück. Fast achtzig Jahre lang setzte die 1892 gegründete Burgdorfer Konservenfabrik dem städtischen Wirtschaftsleben ihren Stempel auf und machte die Stadt zum bekannten Standort industrieller Konservenherstellung mit einem rekordverdächtigen Produktionsvolumen.
Unternehmer mit Weitblick
Nachdem erste Pläne, eine Konservenfabrik in Burgdorf zu etablieren, gescheitert waren, nahm sich der in Derneburg ansässige Unternehmer Ludwig Warnecke des Projektes an und kaufte ein als Standort für die Fabrik vorgesehenes Grundstück an der Gartenstraße 15. Der 1848 geborene Kaufmann war eine vorausschauende Unternehmerpersönlichkeit und erkannte schon frühzeitig die weit reichenden Zukunftsperspektiven der gerade aufblühenden industriellen Massenanfertigung von Konserven, durch die Lebensmittel ohne Kühlung langfristig haltbar wurden.
Rasante Entwicklung
Das anfangs kleine Unternehmen entwickelte sich innerhalb weniger Jahre zum größten Burgdorfer Industriebetrieb. Es produzierte (seit 1920 mit einem Zweigwerk in Hannover-Wülfel) Spargel-, Erbsen-, Bohnen-, Karotten- und Pilzkonserven, die in ganz Europa verbreitet waren. Ein betriebseigenes, landwirtschaftliches Gut in Burgdorf lieferte Gemüse von 1800 Morgen. Zwischen 600 bis 700 landwirtschaftliche Betriebe steuerten weiteres Gemüse bei. In Saisonzeiten waren bis zu 1000 Arbeitskräfte in der Konservenfabrik beschäftigt.
Größte Konservenfabrik Deutschlands
Als die Hülptingser Konservenfabrik von Hugo von Hausen ihre Produkte ebenfalls als „Burgdorfer Konserven“ etikettierte, wurde ihr dies 1929 per Gerichtsurteil untersagt. Aus den Gerichtsakten ist zu entnehmen, dass die Burgdorfer Konservenfabrik mit einem Produktionsumfang von 5 Millionen Kilogramm die größte ihrer Art in Deutschland war. Großen Anteil an diesem Erfolg hatte Direktor Karl Huchel, der sich seit 1894 in den Dienst des Unternehmens gestellt hatte und am 1. April 1934 sein 40-jähriges Arbeitsjubiläum feiern konnte.
Der Neuanfang
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gelang es dem seit 1943 an der Spitze des Unternehmens stehenden Rudolf Meyer, in relativ kurzer Zeit kriegs- und plünderungsbedingte Schäden an den Betriebsanlagen zu beseitigen. Karl Huchel war am 28. Juni 1942 verstorben. Ein Jahr später hatte den Sohn des Firmengründers, Karl-Hermann Warnecke, am 8. November 1943 der Tod ereilt. Der „Neue Hannoversche Kurier“ konnte schon am 10. August 1945 berichten, dass die Konservenfabrik in Burgdorf wieder auf Hochtouren laufe. Dank des unermüdlichen Einsatzes des persönlich haftenden Gesellschafters Rudolf Meyer gelang es dem Unternehmen, an seine alten Erfolge anzuknüpfen. Seit den 1950er Jahren genoss es wieder eine unangefochtene Spitzenposition in der bundesdeutschen Konservenproduktion. „Burgdorfer Konserven“ waren ein internationaler, bis in die 1960er Jahre in ganz Europa geläufiger Qualitätsbegriff. Als größter Arbeitgeber vor Ort bot das Traditionsunternehmen vielen Burgdorfern einen vermeintlich sicheren Arbeitsplatz.
Ende einer Tradition
Doch der Schein wirtschaftlicher Sicherheit sollte trügen. Der international zunehmende Konkurrenzdruck veranlasste die Firmenleitung, 1969 in Verkaufsverhandlungen mit dem global tätigen Langnese-Iglo Konzern zu treten. Dieser übernahm das Unternehmen am 1. Januar 1970. Weit gehende Versprechungen begleiteten die offizielle Firmenübergabe am 24. Januar. Das Personal sollte auf 500 Personen aufgestockt und die Tiefkühlproduktion mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen pro Jahr eingeführt werden. Doch schon nach zwei Jahren stellte sich heraus, dass diese Zukunftspläne illusorisch gewesen waren. Langnese-Iglo kündigte die Schließung des Werkes aus Rentabilitätsgründen an und stellte die Produktion am 30. Dezember 1971 ein. 360 Arbeitsplätze gingen verloren. Damit fand ein langes Kapitel erfolgreicher Burgdorfer Wirtschaftsgeschichte ein unrühmliches Ende.