Burgdorfer Innenstadt wurde zur großen Showbühne

Die jungen „Kritzpritzknuckelmuckeldü“-Artistinnen vom Johnny B. rissen mit ihrer baumelnden und schwebenden Vertikalnummer das „Spittaplatz“-Publikum zu enthusiastischem Applaus hin. (Foto: Georg Bosse)

„Carmina Burana“ und Capoeira-Show, Kunst und Kinderzirkus

BURGDORF (gb). Am vergangenen Freitag hatten das Stadtmarketing Burgdorf (SMB), der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) sowie weitere Gruppen und Verbände erneut ihre Kräfte gebündelt und mit freundlicher Unterstützung der Stadtsparkasse (SSK) sowie der Stadtverwaltung die Burgdorfer City zur „Mitmachbühne“ gemacht. Denn die Veranstalter hatten im gegenwärtigen Mottojahr „Burgdorf lädt ein!“ Besucher aus Nah und Fern zu dem pulsierenden Stadtevent „Burgdorfer Nacht“ mit Kunst und Komödianten, Kinderzirkus und Kirchenführungen sowie Capoeira-Show und jacobsgrünem Kaffeklatsch gebeten. Diese kulturkreative Nacht gipfelte ab Einbruch der sommerlichen Dämmerung in der Aufführung von Carl Orffs „Carmina Burana“ auf dem Spittaplatz.
Die auf der zentralen Burgdorfer „Stadt-Plaza“ bereitgestellten Sitzplätze waren vollständig besetzt und auch hinter den Absperrgittern drängten sich neugierg gespannte Zuhörer, als der Burgdorfer Kammerchor, die Kinder- und Jugend-Kantorei sowie die Burgdorfer Kantorei unter der Leitung von Tina Röber-Burzeya bzw. Martin Burzeya die Sängerstimmen um 22 Uhr zum mächtigen Chor zu Ehren der Schicksalsgöttin „Fortuna“ aufbranden ließen. Die Solisten dieser Burgdorfer Darbietung von Orffs szenischer Kantate in der Fassung für zwei Klaviere und Schlagwerk waren Konstanze Rutloff (Sopran), Jean-Sébastien Stendel (Tenor) sowie der gebürtige Celler Dietmar Sander (Bass). Das (sinfonische) Schlagwerk ließen Henning Ahlrichs, Kai Altendorf, Annika Böse, Agatha Cuirkot, Thorsten Keller und Sebastian Treller erschallen.
Vier Stunden zuvor hatte der SMB-Vorsitzende Dr. Karl-Heinz Vehling die „Burgdorfer Nacht“ auf der Spittaplatz-Bühne formell und formvollendet eröffnet. Dabei gab er seiner Freude über die frühsommerlichen Temperaturen, die tausende Gäste auf den Weg nach Burgdorf brachten, freien Lauf. „Die Innenstadt ist heute zu einem großen Ausstellungraum geworden“, sagte Vehling und verwies dabei auf die Einzelhändler-Aktion „StadtMuseum - Geschichte im Schaufenster“. Die an den Innenstadtstraßen gelegenen Geschäfte erlaubten so einen Blick auf allerlei alte und eindrucksvolle Exponate. So konnten die „shoppenden Nachtbummler“ beispielsweise „Historische Stadtpläne“ (Modehaus Obermeyer), „Zweiräder aus der Burgdorfer Radfahrgalerie (Buchhandlung Gillmeister), „Schreibmaschinen“ (Schuh-Profi), „Spielzeug“ (EDEKA-Cramer), „Spinnräder“ (F.W. Fehling), „Tischlerwerkzeuge“ (Karos Fotostudio) oder „Zinnfiguren-Dioramen“ (Optiker Meyer) entdecken.
Angesichts dieser Programmvielfalt hatte Bürgermeister Alfred Baxmann in seinem Grußwort gesagt, dass der Begriff „Schlafstadt“ für Burgdorf nur ein Gerücht sei. „Wer dieses Gerücht weiterhin verbreitet ist eine Schnarchnase“, blieb Baxmann im Bild und fügte hinzu: „Wir haben den Zug der Zeit nicht verschlafen, weil wir nicht nur staunendes Publikum, sondern auch Akteure sind. Und wir haben tolle Talente, die ihre Stadt selbst „bespielen“ können.“
Da ist was dran. Denn außergewöhnliches Talent und erstaunliches Können bewiesen die mambohopsenden Hula Hoop-„Südsternchen“, die artistische Einradgruppe des Heessler SV, die „Künstlerin aus Paris“ (Anne Grabow/Stefanie Kraatz), die nach ihren „liederlichen” Eröffnungsnummern das Publikum in der Hannoverschen Volksbank begeisterten und nicht zuletzt der großartige Kinder- und Jugendzirkus des Johnny B. (Haus der Jugend) allemal.
Diese berauschende „Burgdorfer Nacht“ war wirklich nicht allein zum Schlafen da...