„Burgdorf kann richtig gut verschieden sein“

Kraftvoll blies das „Israel Brass Quintett“ zur Vernissage von Uwe Appolds „DU-facetten“ in der Burgdorfer St. Pankratiuskirche. (Foto: Georg Bosse)

Vernissage zum Burgdorfer Kunstraum-Experiment „DU-facetten“ von Uwe Appold

BURGDORF (gb). Um zu einem sinnhaften Höhepunkt des Themenjahres „Burgdorf schreibt Geschichte“ zu werden, hat sich seit vergangenem Freitag eine Ausstellung mit Bilderzyklen des Flensburger Künstlers Uwe Appold auf den Weg gemacht. Susanne Paul, Pastorin der Martin Luther-Kirchengemeinde Ramlingen/Ehlershausen/Otze, eröffnete den Kunstwerkreigen „DU-facetten“ in der St. Pankratiuskirche in Burgdorf. „Kunst und Glauben schaffen Begegnungen von verschiedenen Menschen nicht nur in Kirchenräumen“, begründete Paul dieses ambitionierte Projekt. Die Blechblasinstrumentalisten des „Israel Brass Quintett“ begleiteten die Vernissage mit kraftvollen Musikstücken.
Mit „DU-facetten“ wagen Uwe Appold sowie die drei evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden St. Pankratius (Burgdorf), St. Paulus (Südstadt) und Martin-Luther (Ramlingen/Ehlershausen/Otze) das Experiment, Burgdorf bis zum 3. Juli zu einem Kunstraum zu machen (der MARKTSPIEGEL berichtete). Dazu brachte Projektleiter Manfred Dunker (Schillerslage) mit dem Stadtmarketing-Verein Burgdorf (SMB), den Burgdorfer Stadtwerken und der Stadtsparkasse Burgdorf, mit dem Kulturverein „Scena“ sowie mit der katholischen St. Nikolausgemeinde und dem Benefizz-Laden Burgdorf eine außerordentliche Kooperation zusammen. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es, Appolds 133 Werke umfassenden Bilderzyklus auf 13 Standorte in der Kernstadt und den Ortsteilen Otze und Ehlershausen zu verteilen und jeweils thematisch geschlossen von menschlichen Existenz- und Glaubensfragen künden zu lassen.
Dabei setzt sich Uwe Appold „mit den existenziellen Erfahrungen des Menschen auseinander und interpretiert sie aus jüdisch-christlicher Sicht“, heißt es in dem begleitenden Flyer, der Auskunft zu den Ausstellungsorten und der dazugehörigen Bilderthematik gibt. So werden im Burgdorfer Schloss 11 „Schweigespuren“ (2008) zu Texten des deutschsprachigen Lyrikers Paul Celan (1920-1970) im Zusammenhang mit dem, ebenfalls von Uwe Appold geschaffenen, Gedenkfries für die ermordeten Burgdorfer Jüdinnen und Juden gezeigt. Die Struktur des Projektes „DU-facetten“ biete Kristallisierungspunkte, die, gepaart mit Individualität und Spiritualität, soziale und kommunikative Orte erzeugen, meinte der hannoversche Kulturwissenschafter Thomas Kaestle. „Burgdorf kann richtig gut verschieden sein und hat eine in die Zukunft gerichtete Erinnerungskultur. So schreibt Burgdorf Geschichte“, lobte Appold das hoch motivierte, bürgerschaftliche Netzwerk der Auestadt.
Nähere Informationen zum Burgdorfer „Kunst(zeit)raum“ unter www.du-facetten.de.