Burgdorf hat neue Schiedsleute

Der bisherige Schiedsmann Dieter Rohles übergibt den neuen Amtsinhabern Stefanie Baumann und Burkhard Timm Fachliteratur.
 
Burkhard Timm ist als Schiedsmann für die Ortschaften zuständig.

Stefanie Baumann und Burkhard Timm vermitteln künftig bei Nachbarschaftsstreit und anderen Konflikten

Burgdorf (fh). Ein Ast ragt zu weit über den Gartenzaun, die Musik oder die Kreissäge sind zu laut oder der Rasensprenger ist falsch eingestellt – bei Nachbarschaftsstreitigkeiten und ähnlichen Konflikten werden von jetzt an Stefanie Baumann und Burkhard Timm vermitteln. Sie sind die neuen Schiedspersonen der Stadt Burgdorf und lösen damit Dieter Rohles und Vera Müller ab. Baumann ist für die Kernstadt zuständig und Timm für die Ortschaften. Die beiden sind vom Rat für fünf Jahre gewählt und kürzlich vom Direktor des örtlichen Amtsgerichts Andreas Henze offiziell verpflichtet worden. „Das ist eine tolle, spannende Aufgabe, zu der ich sie eigentlich nur beglückwünschen kann“, so Henze.
Timm ist pensionierter Förderschulrektor und vor zwei Jahren mit seiner Frau von Hannover nach Ehlershausen umgezogen. An seinem neuen Wohnort schätzt er vor allem die Nähe zur Natur und geht mit seinen Labradoren gern in Feld und Wald spazieren. „Ich möchte darauf achten, dass die Gesprächsteilnehmer miteinander reden und sich nicht in gegenseitigen Beschuldigungen und Rechtfertigungen verlieren“, beschreibt der 70-Jährige seine Zielsetzung als Schiedmann.
Baumann ist 45 Jahre und arbeitet als Chemielaborantin. Außerdem ist sie als Dozentin an der Volkshochschule (VHS) im Bereich Fotografie tätig und fährt in der Freizeit gern Fahrrad. Als ausgebildete Mediatorin hat sie aber auch Erfahrung bei der Schlichtung von Streitigkeiten. „Ich möchte herausfinden, was wirklich Kern des Konflikts ist“, begründete sie ihre Motivation für das neue Ehrenamt als Schiedsfrau.
Auch Dieter Rohles weiß aus Erfahrung, dass sich der Streit vordergründig zwar meist um Kleinigkeiten dreht, dahinter aber oftmals eine viel tiefere Wut steckt, die manchmal über Jahre gewachsen ist. Ein klassischer Fall seien Nachbarn, die vor 30 Jahren einträchtig nebeneinander gebaut haben. Sie kamen ins Gespräch, trafen sich hin und wieder auf ein Bier und freundeten sich vielleicht sogar an. Heute grüßen sie sich kaum noch und liegen stattdessen ständig im Clinch. „Das ist wie bei einer Ehe, die gut begonnen hat, irgendwann erste Abnutzungserscheinigungen zeigt und dann im heftigen Streit aueinander geht“, so Rohles. Viele haben dann irgendwann die Nase voll und wollen ihre Nachbarn verklagen. Doch bevor sich ein Gericht der Sache annimmt, müssen sie bei vielen Sachverhalten erst einmal an eine Schiedsperson wenden.
Dadurch sollen die Gerichte entlastet werden und für die Beteiligten hat es den Vorteil, dass es deutlich schneller geht und günstiger ist. Anders als der Richter wenden die Schiedsleute keine Gesetze an und fällen keine Urteile, sondern sind vor allem Moderatoren und achten darauf, dass beide Konfliktparteien zu Wort kommen und respektvoll miteinander umgehen. Ziel ist es, dass die Beteiligten selbst einen Kompromiss entwickeln, mit dem beide Seiten leben können. Wenn sie am Ende des Schiedsverfahrens dann eine Einigung unterschreiben, ist diese aber genauso verbindlich wie ein Gerichtsurteil.
Rohles hatte das Amt zehn Jahre lang inne und hat in dieser Zeit insgesamt 125 Schiedsverfahren geleitet. In 66 davon konnte eine gütliche Einigung erreicht werden. Außerdem habe er sich um mindestens genauso viele Tür-und-Angel-Fälle gekümmert, die ohne offizielles Verfahren bereits telefonisch oder bei einem Treffen in der Gaststätte gelöst werden konnten. „Ich bin mit Engagement, Freude, fast schon Leidenschaft an die Sache herangegangen“, sagt Rohles. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören, sagt der 74-Jährige. Trotzdem gebe er sein Amt mit Wehmut ab. Zu ihrer Amtseinführung brachte Rohles seinen Nachfolgern einige Fachliteratur mit und bot ihnen an, ihnen in der ersten Zeit zu helfen.
Wer bei Nachbarschaftsstreit, Beleidigung oder leichter Körperverletzung einen Schlichtungsversuch unternehmen möchte, kann sich direkt an die neuen Schiedspersonen wenden. Stefanie Baumann (Kernstadt) ist erreichbar unter Telefon (05136) 9713943 oder per E-Mail an schiedsfrau-baumann@burgdorf.de, Burkhard Timm (Ortschaften) ist erreichbar unter Telefon (0172) 5206445 oder per E-Mail an schiedsmann-timm@burgdorf.de.