Burgdorf bekommt ein Mobilitätskonzept

Heinz Mazur vom Ingenieurbüro PGT gibt im Verkehrsausschuss einen Ausblick auf das Mobilitätskonzept.
 
Auch die Hochbrücke wird ein Thema des Mobilitätskonzepts sein.

Das Ingenieurbüro PGT untersucht im Auftrag der Stadt unterschiedliche Aspekte der Verkehrsplanung

Burgdorf (fh). Wie können die Schulwegsicherheit gesteigert und die Bedingungen für Radfahrer verbessert werden? Soll die Hochbrücke über die Bahnschienen saniert oder durch einen Neubau ersetzt werden?
Und welche Auswirkungen hätte es, wenn aus der Marktstraße eine Fußgängerzone oder eine Einbahnstraße würde? Die künftige Verkehrsplanung sorgt bei Ratspolitikern und Bürgern immer wieder für hitzige Debatten.
In den nächsten zwei Jahren soll das hannoversche Ingenieurbüro PGT Umwelt und Verkehr nun viele dieser Fragestellungen bündeln und ein ganzheitliches Mobilitätskonzept erarbeiten. Im Doppelhaushalt 2021/22 sind dafür 183.000 Euro eingestellt. Die Stadt hatte die Leistung ausgeschrieben und von mehreren Firmen Angebote eingeholt. Im Dezember hat der Verwaltungsausschuss entschieden, dass PGT den Zuschlag bekommt.
Bei einer Präsentation im Bauausschuss hat Geschäftsführer Heinz Mazur am Donnerstagabend, 21. Januar, nun das weitere Vorgehen grob skizziert. Welche Schwerpunkte im Mobilitätskonzept gesetzt werden, will das Team von PGT in den nächsten Monaten zunächst mit Politikern und Verwaltung sondieren und anschließend auch die Bürger einbeziehen. „Daraus entwickelt sich wahrscheinlich erst einmal eine lange Wunschliste, die wir dann anschließend sortieren und präzisieren müssen“, erläutert Mazur.
Die Sommerpause wolle das Planungsbüro für die Auswertung dieser ersten Phase nutzen. „Spätestens nach der Kommunalwahl im September legen wir dann einen Arbeitsplan vor“, kündigt Mazur an. Im nächsten Schritt gelte es anschließend, eine sichere Datenbasis zu gewinnen, beispielsweise durch Verkehrszählungen, Videoaufzeichnungen oder den Rückgriff auf einen Pool von Handy-Daten, die zur Berechnung von Verkehrsströmen genutzt werden. Bei einigen Fragestellungen könne man außerdem auf frühere Untersuchungen zurückgreifen und sie gegebenenfalls aktualisieren oder ergänzen.
Auch im weiteren Verlauf sollen dabei nicht nur Verwaltung und Politiker, sondern auch die Bürger immer wieder eingebunden werden. „In welcher Form wir das anbieten können, hängt von der Corona-Entwicklung ab“, betonte Mazur. So seien Versammlungen und Workshops zum Auftakt voraussichtlich allenfalls mit beschränkter Teilnehmerzahl möglich.
Doch es werde Alternativen geben. „Wir haben in den vergangenen Monaten auch in anderen Projekten schon verstärkt mit Online-Befragungen gearbeitet und damit gute Erfahrungen gesammelt“, so Mazur. Gegenüber den klassischen Beteiligungsformaten hätten sie sogar einen großen Vorteil: „Zu den Workshops und Versammlungen kommen meistens vor allem ältere Einwohner. Online erreichen wir auch die jüngere Generation“, berichtete er.
Damit aber auch Burgdorfer ohne Computer oder Internetanschluss nicht außen vor blieben, könnten zusätzlich Papierfragebögen angeboten werden. „In Städten ähnlicher Größe haben wir auf diesen Wegen Antworten von 800 bis 1500 Bürgern erhalten. Das ist eine gute Quote“, so der PGT-Geschäftsführer. Er hoffe aber, dass es vor Ablauf des zweijährigen Projektzeitraums wieder möglich werde, sich auch vor Ort mit vielen Teilnehmern zu treffen. „Der direkte Austausch und die Diskussion von Angesicht zu Angesicht sind immer etwas einfacher“, räumt er ein.
Das fertige Mobilitätskonzept soll dann sowohl kurz- und mittelfristige Ziele für die nächsten fünf Jahre enthalten, als auch große Weichenstellungen für die nächsten 15 Jahre und darüber hinaus. „Aus anderen Projekten wissen wir, dass sich aber auch schon im laufenden Prozess oftmals akuter Handlungsbedarf ergibt und einzelne Maßnahmen schon angegangen werden, bevor das Mobilitätskonzept überhaupt beschlossen ist“, so Mazur.

Das Ingenieurbüro

Das Ingenieurbüro PGT Umwelt und Verkehr wurde 1983 gegründet und hat seinen Sitz in Hannover. Geschäftsführer sind Heinz Mazur und Ralf Losert. Sie haben rund 15 Mitarbeiter. Zum Team gehören Wissenschaftliche Mitarbeiter und Technische Zeichner. Das Unternehmen ist vor allem in den Bereichen Umwelt-, Verkehrs- und Stadtplanung tätig und hat nach eigener Darstellung seit seiner Gründung mehr als 3000 Projekte umgesetzt. Zu den Auftraggebern gehören Städte, Gemeinden, Landkreise sowie in einigen Fällen Bund und Länder. Außerdem ist PGT für Privatunternehmen und Investoren tätig. Auch die Stadt Burgdorf hat schon mehrfach mit dem Planungsbüro zusammengearbeitet, unter anderem bei der Umgestaltung der Marktstraße nach dem Bau der neuen B188.