Bundesverdienstkreuz im Doppelpack

Adolf W. Pilgrim und seine Frau Christel Pilgrim-Hoffmann haben für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz erhalten. (Foto: Region Hannover)
 
Regionspräsident Hauke Jagau (links) und der Burgdorfer Bürgermeister Armin Pollehn (rechts) gratulieren Adolf W. Pilgrim und Christel Pilgrim-Hoffmann zum Bundesverdienstkreuz. (Foto: Region Hannover)

Hohe Auszeichnung für das Burgdorfer Ehepaar Adolf W. Pilgrim und Christel Hoffmann-Pilgrim

Burgdorf (fh). Für ihr jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement haben Christel Hoffmann-Pilgrim und ihr Ehemann Adolf W. Pilgrim kürzlich beide das Bundesverdienstkreuz erhalten. Das war für Hoffmann-Pilgrim gewissermaßen ein Rollentausch. Denn als stellvertretende Regionspräsidentin hat sie von 2001 bis 2006 selbst mehrfach solche Ehrungen vorgenommen. Umso mehr fielen ihr nun die Unterschiede auf: Statt sonst bis zu 70 Gästen waren sie wegen der Corona-Epidemie nur zu siebt. „Mein Mann und ich, unsere beiden Töchter, Regionspräsident Hauke Jagau, Bürgermeister Armin Pollehn und eine Mitarbeiterin der Region“, zählt sie auf.
Doch gerade deshalb habe die Feierstunde ihren ganz eigenen Charme gehabt. „Normalerweise sind die Verleihungen meist sehr getragen und förmlich, bei uns ging es ganz locker und familiär zu“, beschreibt Hoffmann-Pilgrim. Schließlich seien sie mit Hauke Jagau seit vielen Jahren bekannt und hätten sich gefreut, ihn einmal wiederzusehen. „Er hat seine Ansprache ganz persönlich gestaltet, und wir haben uns auch die ein oder andere Zwischenbemerkung dazu erlaubt“, ergänzt Adolf W. Pilgrim mit einem Augenzwinkern.
Und viele, die sonst sicherlich zur Feierstunde gekommen wären, gratulierten stattdessen auf anderem Weg zu der besonderen Auszeichnung. „Wir haben so viele große Blumensträuße bekommen, dass wir gar keine Vase mehr übrig hatten. Und unser Telefon war quasi ununterbrochen besetzt“, schildert Hoffmann-Pilgrim. Die vielen Glückwünsche von Nachbarn, Freunden und Wegbegleitern hätten ihnen große Freude gemacht.

Adolf W. Pilgrim

Als SPD-Mitglied hat sich Adolf W. Pilgrim 30 Jahre lang ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert. Für zwei Wahlperioden gehörte er dem Kreistag Hannover an. Von 1996 bis 2016 war er dann Ratsmitglied in Burgdorf und Vorsitzender der SPD-Fraktion. In dieser Zeit hat er sich insbesondere für den Bau der Umgehungsstraße B188 neu eingesetzt, an der Schaffung des Gewerbegebietes „Nordwest“ mitgewirkt und war maßgeblich an der Gründung der Stadtwerke Burgdorf und die Wirtschaftsbetriebe Burgdorf beteiligt. Weitere wichtige Themen waren für ihn die Ausweisung neuer Wohngebiete und die Einrichtung der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Burgdorf. Für sein umfangreiches Engagement wurde er 2017 zum Ehrenratsherrn der Stadt Burgdorf ernannt.
Aber auch außerhalb der Kommunalpolitik hat Pilgrim viel bewegt: So hat er beispielsweise zur Gründung des Anti­kriegshauses in Sievershausen beigetragen und als Vorstandsmitglied im Trägerverein über viele Jahre an der inhaltlichen Entwicklung dieser Einrichtung mitgewirkt. Des Weiteren ist er seit vielen Jahren im Burg­dorfer „Arbeitskreis Gedenkweg 9. November“ aktiv, der an die Geschehnisse der Reichspo­gromnacht 1938 erinnert. Seit 2018 ist er außerdem Vorsitzender des Sozialverbandes (SoVD) Burgdorf.
Hauptberuflich hat Pilgrim von 1968 bis 2000 beim Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Burgdorf gearbeitet, danach bis zu seinem Ruhestand 2003 dann beim Kirchenkreis Burgwedel-Langenhagen. Zuletzt leitete er das Kirchenkreisamt Burg­dorfer Land.
Auch dort engagierte er sich weit über seine dienstlichen Aufgaben hinaus, insbesondere im sozialen und diakonischen Bereich. Außerdem pflegte er die Partnerschaften mit dem Kirchenkreis Borna in Sachsen/DDR und insbesondere dem Kirchenkreis Johannesburg-West in Südafrika.
Auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand war Adolf W. Pilgrim bis 2019 weiterhin Mitglied des Partnerschaftsausschusses, reiste zum Austausch nach Südafrika und beherbergte südafrikanische Gäste bei den Gegenbesuchen in Burgdorf.

Christel Hoffmann-Pilgrim


Christel Hoffmann-Pilgrim ist seit 1971 Mitglied der Arbeiterwohlfahrt (AWO) und hat von 2007 bis 2017 den Ortsverein Burg­dorf 20 Jahre lang als Vorsitzende geleitet. In dieser Zeit organisisierte sie viele Treffen, kulturelle Veranstaltungen und Fahrten für die AWO-Mitglieder. Dabei setzte sie sich mit hohem persönlichem Einsatz nicht nur für die Seniorenarbeit ein, sondern hatte auch die Interessen und Belange von Kindern und Jugendlichen im Blick. Dabei konnte sie nicht zuletzt ihre Berufserfahrung als Erzieherin und langjährige Leiterin der Kita in der Südstadt (heute Südstern) einbringen.
Fast zeitgleich mit ihrem Beitritt zur AWO war Hoffmann-Pilgrim 1971 auch Mitglied der SPD geworden. Nachdem sie sich unter anderem in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) engagiert und zehn Jahre lang den SPD-Ortsverein Burgdorf stellvertretend geleitet hatte, wuchs bei ihr der Wunsch, sich auch aktiv vor Ort in die Politik einzubringen. Doch als Kita-Leiterin war sie bei der Stadt angestellt und konnte deshalb nicht für den Rat kandidieren.
Stattdessen ließ sie sich von ihrer Partei in die Versammlung des Kommunalverbandes Großraum Hannover (KGH) entsenden. Nach Bildung der Region Hannover im Jahr 2001 war Hoffmann-Pilgrim fünf Jahre lang Mitglied der Regionsversammlung und Erste Stellvertretende Regionspräsidentin.
Die große Herausforderung in diesen Jahren sei es gewesen, dass die Landeshauptstadt und die Kommunen sowie ihre jeweiligen politischen Gremien und Vertreter, die nun in der Region aufgingen, erst einmal, zusammenwachsen mussten. „Da prallten ganz unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Ich bin froh und stolz, dass uns das trotzdem gelungen ist“, so Hoffmann-Pilgrim rückblickend. Für dieses Engagement wurde sie 2006 mit der Ehrennadel der Region ausgezeichnet.
In Burgdorf ist Hoffmann-Pilgrim außerdem seit 1978 beim Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) aktiv. Dabei wirkt sie vor allem intensiv im Arbeitskreis Stadtmuseum und KulturWerkStadt mit. Im Laufe der vergangenen 15 Jahre hat sie vor allem viele stadtgeschichtliche Ausstellungen konzipiert, organisiert und gestaltet. „Jetzt bereiten wir gerade die nächste Ausgabe der ‚Burgdorfer Köpfe‘ vor“, sagt sie.