Blick ins Wespennest

Ernst Schmidt vom Nabu zeigt den Zweitklässlern der Gudrun-Pausewang-Grundschule ein Wespennest.
 
Zur Veranschaulichung hat Ernst Schmidt für seinen Vortrag unterschiedliche Wespen- und Hornissennester mitgebracht.

Der Nabu-Experte Ernst Schmidt gibt Unterrichtsstunde an der Gudrun-Pausewang-Grundschule

Burgdorf (fh). Anielle, Jonas und Vito wissen nicht so recht, was sie von dieser besonderen Schulstunde in der Aula erwarten sollen. An diesem Vormittag ist Ernst Schmidt vom Nabu Burgdorf in der Gudrun-Pausewang-Grundschule zu Gast, um den Schülern etwas über Wespen und Hornissen zu erzählen. Und so richtig wohl ist den allermeisten dabei nicht. "Ich wurde schon am Hals gestochen", sagt die siebenjährige Anielle. "Und ich am Finger", fügt Jonas hinzu. Auch Vito hat ungute Erinnerungen. Was sie tun, wenn eine Wespe ihnen zu nahe kommt? "Weglaufen", sind sich alle drei einig.
Aufgeregt berichten die Schüler Ernst Schmidt von ihren Erfahrungen. Doch der lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Ausführlich erklärt er ihnen, warum Wespen beim Grillen gern auf dem Teller landen und kleine Stückchen vom Bratwürstchen herausbeißen und abtransportieren? "Sie brauchen Protein, um ihre Brut zu füttern", so der Experte. Und warum zieht sie auch der Zwetschgenkuchen beim Kaffeetrinken magisch an? "Während der Nachwuchs Protein braucht, benötigen die Arbeiterinnen selbst vor allem Zucker als Flugbenzin", begründet er.
Und seine wichtigste Botschaft an die Kinder: "Eigentlich wollen Wespen gar nicht stechen. Das tun sie nur, wenn sich jemandem ihrem Nest nähert oder wenn sie selbst in Bedrängnis geraten", erläutert Schmidt. Deshalb solle man nicht um sich schlagen oder die Wespen anpusten, sondern am besten Ruhe bewahren, empfiehlt er. Spätestens als er Schaukästen mit unterschiedlichen Wespen- und Hornissennestern hervorholt, ist dann bei den meisten Kindern die Angst vergessen und sie schauen sich die kunstvollen Bauwerke fasziniert an.
Schließlich geht Schmidt noch auf ein verbreitetes Vorurteil ein: "Immer wieder höre ich, dass Wespen zu nichts nutze seien. Aber das stimmt nicht", sagt er. Ebenso wie Bienen seien sie wichtige Bestäuber für viele Pflanzen. "Außerdem fressen sie kleinere Insekten und haben dadurch eine wichtige Funktion für das ökologische Gleichgewicht", betont der Experte.
Die Gudrun-Pausewang-Grundschule arbeitet regelmäßig mit dem Nabu Burgdorf zusammen, beispielsweise bei Waldspaziergängen. "Aber beim Thema Wespen ist es das erste Mal, dass wir einen Experten zu Besuch haben", sagt Schulleiterin Dorit Steenken. Die Schule habe Kontakt zu Ernst Schmidt aufgenommen, weil es in diesem Jahr besonders viele Wespen gebe. "Auch auf unserem Gelände haben wir ein Nest, in der Nähe des Lehrerzimmers", sagt sie.
Außerdem gebe es wegen der Corona-Epiedemie mehrere Eingänge und Laufwege, damit sich Schüler unterschiedlicher Jahrgänge nicht begegnen. "Einige gehen dabei regelmäßig über unsere Obstwiese, wo sich auch Wespen aufhalten", so die Schulleiterin. Auf den Rat von Ernst Schmidt hin sammeln die Hausmeister nun aber regelmäßig heruntergefallene Äpfel ein, sodass die Wespen nicht mehr so stark angelockt würden.
Vor allem aber sollten die Kinder lernen, nicht panisch zu reagieren, wenn sie auf eine Wespe treffen. Und da hat der Unterricht bei dem Nabu-Experten anscheinend schon einiges bewirkt. Anielle, Jonas und Vito sind im Laufe der Stunde zwar noch nicht zu richtigen Wespen-Fans geworden, aber weglaufen wollen sie künftig auch nicht mehr. "Ich würde einen Schritt zurücktreten und dann stehen bleiben und mich nicht bewegen", sagt Vito und die anderen beiden nicken.

Beratung und Hilfe

Da Wespen und Hornissen unter Naturschutz stehen, dürfen ihre Nester nicht einfach entfernt werden. Wer eines im Garten oder am Haus hat und nicht weiß, wie er sich verhalten soll, kann sich an Ernst Schmidt wenden, unter Telefon (05136) 7918. "In den meisten Fällen, ist das völlig unproblematisch und stellt keine Gefahr dar. Ich leiste dann vor allem Aufklärungsarbeit", so der Nabu-Experte. Nur in ganz wenigen Ausnahmen stelle er einen Freischein aus, sodass die Betroffenen dann einen Schädlingsbekämpfer mit der Vernichtung des Nestes beauftragen können.