Bleibt das Lehrschwimmbecken ein Leerschwimmbecken?

Bei der Inaugenscheinnahme des leeren Lehrschwimmbeckens in der südstädtischen Gudrun Pausewang-Grundschule sollten die Mitglieder des Bau- sowie Schul-, Kultur- & Sportausschusses vom bröckelnden Zustand und den gravierenden Sicherheitsmängeln an der gesamten Anlage überzeugt werden. (Foto: Georg Bosse)
 
Dem bunten und lautstarken Protest der Gudrun Pausewang-Grundschüler sowie ihrer Eltern für den Erhalt ihres Lehrschwimmbeckens konnten Politik und Verwaltung mal eben nicht aus dem Wege gehen. Dennoch stehen die Eltern bezüglich der Schwimmausbildung ihrer Kleinen zu allererst in der Pflicht und können ihre Verantwortung nicht einmal kurz an der kommunalen Schul-„Garderobe“ abgeben. (Foto: Georg Bosse)

Entscheidung zur Zukunft des Südstadt-Bades wurde verschoben

BURGDORF (gb). Wenn ein Lehrschwimmbecken zu einem Leerschwimmbecken, wie jüngst in der Gudrun-Pausewang-Grundschule geschehen, gemacht wird, kann das bei den Betroffenen schon mal Empörung und lauten Protest hervorrufen. Diese basisnahe Erfahrung mussten am vergangenen Montag die Mitglieder der Burgdorfer Ratsausschüsse für „Bau“ sowie „Schule, Kultur & Sport“ machen. Denn nach einer kollektiven Begehung des allseits geschätzten, aber nun trockengelegten, Lehrschwimmbeckens in der Südstadt war eine gemeinsame öffentliche Sitzung in dem Schulgebäude anberaumt worden.
Die Ad hoc-Schließung des Grundschulbassins war nach Ansicht der Stadtverwaltung dringend geboten, weil sich „gravierende Sicherheitsmängel“, so Gebäudemanager Jörg Lahmann, aufgetan hatten. So mangelt es dem Bad beispielsweise an Brandschutzklappen und tauglichen Fluchtwegen. Trotz dieses Befundes wuchs bei der Schulleitung, der Elternschaft und ihrer dort grundschulversorgten Kinder der Widerstand gegen die daraus resultierende Maßnahme der Stadt - die (vorläufige) Schließung. Diesen Widerstand bekamen die Verwaltungsspitze um Bürgermeister Alfred Baxmann sowie die Ausschussmitglieder vor und während der Sitzung hautnah und lautstark zu spüren. Als sich nämlich die Politiker und Verwaltungsleute ihren Weg durch das Getümmel plakatprotestierender Kinder und Eltern bahnen mussten, um zum Sitzungsraum zu gelangen, konnte von einem „Bad in der Menge“ im eigentlichen Sinne kaum die Rede sein.
Bei der anschließend von beiden Seiten emotional geführten Aussprache über die Zukunft des Lehrschwimmbeckens sahen die Befürworter des Bades durch die Schließung das baldige Ende des selbsternannten Burgdorfer Status` als „familien- und sportfreundliche Stadt“ erreicht. Demgegenüber ließ eine Bemerkung der B´90/Grünen-Ratsfrau Simone Heller aufhorchen: „Die intensive Nutzung des Lehrschwimmbeckens war mir bis heute nicht so klar.“ Während des Austausches von Argumenten ließ die Körpersprache von Alfred Baxmann wenig erahnen, ob sich dabei routinierte Lässigkeit oder legere Gleichgültigkeit auszudrücken suchte. Und FDP-Ratsherr Karl-Ludwig Schrader verfuhr nach dem Grundsatz „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.“
Schweigen war an diesem Abend allerdings nicht die Sache des linken Ratsherrn Michael Fleischmann. Er stellte den Antrag, das Lehrschwimmbecken nach der Sanierung des Schulgebäudes weiter zu betreiben. Denn eine Schließung in dem hochproblematischen Umfeld Südstadt sei komplett daneben. Ebenso daneben hält Fleischmann nach eigenem Dafürhalten die „fragwürdigen Umbaumaßnahmen“ in der Burgdorfer Innenstadt. „Hinzu kommt die riesige Geldverschwendung im Gewerbegebiet „Nordwest“, das in seiner Dimension gegen die Wand gefahren ist. Und bei wichtigen, sozial-politischen und pädagogischen Projekten wird gespart“, sprudelte es aus Fleischmann nur so heraus. Dieses „brennende“ Bekenntnis zum Fortbestehen des Bades und der zustimmende Beifall des Publikums rief hiernach die Sozialdemokratin Christa Weilert-Penk auf den Plan. Die stellvertretende Bürgermeisterin unterstellte ihrem Vorredner dabei „billigen Populismus“. Sie habe großen Respekt vor dem Engagement der Eltern und Kinder, so Weilert-Penk weiter und versicherte, dass Burgdorf trotz schwieriger Finanzlage als familienfreundliche Stadt erhalten bleibe. „Wir sind mit dem Ziel hier, um durch die Aussprache eine solide Grundlage für unsere Entscheidungsfindung zu bekommen. Das Thema ist in der SPD-Fraktion noch nicht abschließend besprochen worden“, erklärte Christiane Gersemann (SPD). Ähnlich äußerte sich auch Klaus Köneke (CDU). „Das Lehrschwimmbecken ist mittlerweile 40 Jahre alt. Wir wollen unsere Entscheidung auf Basis richtiger Fakten und Zahlen treffen“, sagte Köneke mit einem deutlich skeptischen Ton in Richtung Verwaltung. Daher besteht bei den Christ- und Sozialdemokraten also noch genügend Diskussionsbedarf.
Diese Phase hat die WGS schon hinter sich. Ihre Postion machten Gabriele Heldt (Schillerslage) und Kurt-Ulrich Schulz deutlich. „Ich möchte daran erinnern, dass vor zehn Jahren der Weiterbetrieb des Lehrschwimmbeckens nur durch das Engagement des Schulfördervereins sowie Geld der Stadt ermöglicht wurde und keine weiteren Investitionen mehr zu erwarten waren. Das ist ein Fass ohne Boden“, sprach Heldt Klartext und Schulz ergänzte: „Natürlich wäre es wünschenswert das Bad zu belassen. Aber die Welt geht nicht unter, wenn das Becken geschlossen wird.“ Dabei vergaß der WGS-Mann selbstverständlich nicht in einem Nebensatz zu erwähnen, auch dem Burgdorfer Freibad infolge der sich stets weiter verschlechternden Haushaltslage die Existenzfrage zu stellen. So musste man zwangsläufig auch zu der Frage gelangen, ob es im Hallenbad, ganz abgesehen von Transportproblemen und fachlichen Aufsichten, überhaupt noch Kapazitäten für zusätzliche Nutzergruppen wie die Gudrun Pausewang-Grundschüler gäbe? „Ja“, lautete die Antwort von Stadtrat Michael Kugel, der den Verwaltungsvorschlag, das Lehrschwimmbecken endgültig zu schließen, begründet hatte. Diese Antwort nahmen die Eltern sowie Claudia Baumgarten vom Schulelternrat (SER) nur kopfschüttelnd und äußerst zweifelnd zur Kenntnis.
Und weil nach der Aussprache noch immer reichlich Redebedarf bis hin zur Entscheidungsfindung bestand, wurde die Entscheidung vertagt. Um allen die Suche nach dem richtigen Beschluss zu „erleichtern“, übergab Claudia Baumgarten eine Liste mit rund 700 „Pro-Bad“-Unterschriften an Politik und Verwaltung. Der Haken dabei: Nachdem Jörg Lahmann einen zwingenden Sanierungsbedarf in Gesamthöhe von geschätzten 120.000 Euro für unbedingt erforderlich hält, um einen sicheren Betrieb des Bades zu gewährleisten, war gewissermaßen klar, dass die Stadt wegen ihres dritten, drastisch defizitären Etats in Folge keinen finanziellen Spielraum mehr sieht, diese Investition zu tätigen. Ob jedoch die Schließung des Lehrschwimmbeckens und weitere monetäre Entlastungsmaßnahmen, wie der Abbau von Hundetoiletten oder das zusätzliche Aufstellen von Parkautomaten auf dem Schützenplatz und am Finanzamt, einen Haushaltsausgleich bis 2015 herbeiführen können, darf bei der augenblicklichen Situation der Kommune stark bezweifelt werden. Und dann steht vielleicht die Familienfreundlichkeit Burgdorfs wirklich auf dem Spiel. Zum Ende der geräuschvollen Sitzung stellte Wolfgang Obst (CDU) die in diesem Zusammenhang eigentlich entscheidende Frage: „Was können wir uns überhaupt noch leisten?“