„Biogasanlage zieht Verlust von Arbeitsplätzen nach sich“

„Heißes Eisen“: Der angedachte Bau einer Biogasanlage im Burgdorfer Ortsteil Hülptingsen (hier exemplarisch der Bau einer kleineren Anlage in Thönse) wird in Burgdorf bis zum Frühjahr 2011 noch für viel Zündstoff in den Diskussionen sorgen. (Foto: Jens Kamm)

„Offener Brief“ der Hülptingser Gewerbebetriebe gegen den Bau der Biogasanlage

HÜLPTINGSEN (r/jk ). In einem „Offenen Brief“ an den Bürgermeister, die Fraktionen des Burgdorfer Rates, Stadtmarketing Burgdorf (SMB), die Bürgerinitiative BIBO und die Presse haben sich 24 Burgdorfer Unternehmen, vornehmlich aus dem Gewerbegebiet Hülptingsen, gegen die Errichtung einer Biogasanlage in Hülptingsen ausgesprochen.
Schon im Januar 2011 soll es auf Vermittlung der Burgdorfer Stadtverwaltung eine Informationsveranstaltung in Form einer öffentliche Expertenrunde geben, in die sowohl die potentiellen Betreiber als auch die Vertreter der Bürgerinitiative jeweils zwei Experten ihrer Wahl schicken können. Die Burgdorfer Stadtverwaltung wird ihrerseits noch einmal zwei externe Experten, die nicht der Verwaltung angehören, entsenden – vorzugsweise aus den Bereichen Immissions- und Klimaschutz. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest. Im Rahmen dieser Expertenrunde sollen sowohl die Burgdorfer Ratsmitglieder als auch die breite Öffentlichkeit umfassend auf einer „wissenschaftlichen Ebene“ über die Vor- und Nachteile einer geplanten Biogasanlage informiert werden.
Die anliegenden Burgdorfer Gewerbebetriebe haben in dem „Offenen Brief“ schon einmal im Vorfeld klar Stellung zur Errichtung der Biogasanlage bezogen:
„Mit großer Sorge betrachten wir die Planungen und Diskussionen zum möglichen Bau einer so genannten Biogasanlage in unmittelbarer Nähe unserer Gewerbegebiete. Eine derartige Agrarindustrieanlage entspricht nicht den Voraussetzungen, unter denen wir unsere Betriebe hier angesiedelt haben, und mit denen die Stadt Burgdorf für diesen Standort geworben hat.
Wir haben in Relation zu ähnlichen Gewerbegebieten in der Region hohe Preise für unsere Grundstücke bezahlt (z.B. ca. 300 Prozent mehr als in Hänigsen), haben neue Arbeitsplätze geschaffen oder vorhandene erhalten und für Steuereinnahmen gesorgt. Wir haben als Unternehmer jahrelang unsere Energie, Ideen und finanzielle Mittel in diesen Standort investiert.
Unsere Grundstücke und Immobilien werden bei einem Bau der Agrarindustrieanlage hohen Wertverlusten ausgesetzt sein. Negative Einflüsse auf eine weitere Vermarktung des Gewerbegebietes sind sicher. Die Zunahme an z.T. ungepflegten Leerständen ist schon jetzt unübersehbar. Mit der Fokussierung der Stadt auf das Gewerbegebiet Nord-West wird aus unserer Sicht diese Lage noch weiter verschärft.
Wir sehen unsere 24 Betriebe und 329 Arbeitsplätze durch Schwerlastverkehr, Lärm, Geruchsbelästigung, Luftverschmutzung und Explosionsgefahren stark gefährdet. Wir wollen unsere Mitarbeiter und uns selbst den Belastungen und Gefahren, die von dieser Industrieanlage ausgehen, nicht aussetzen.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass bei einem Bau der geplanten Agrarindustrieanlage mit dem Verlust von Arbeitsplätzen und der Abwanderung von Betrieben zu rechnen ist.“
Der „Offene Brief“ ist von folgenden Firmen mit unterzeichnet worden: AKS Automotive, Baulöwe Baumarkt, Baulöwe Gartenmarkt, Baumeister Blume (Bauunternehmen), Baumgarten-Büromarkt, Chinarestaurant-Dynastie, Concorde Sporting Hotel, Drescher Elektronik, Evels und von der Ohe, Friesecke-Bewässerungstrechnik, Gnest-Elektrotechnik, Hartmann Dachdecker GmbH, Heller Garten- und Landschaftsbau, Kaletta Metallbau, Kfz-Prüfstelle, ib-carbon, Möller Vermietung, Neugebauer & Partner (Werbeagentur), Pasemann Bauunternehmen, PEP International, Saatmann GmbH, Steelware GmbH, Werkzeuge Dietrich GmbH & Co.KG, Winkler Garten- und Landschaftsbau.
„Es ist keineswegs so, dass die Biogasanlage schon eine beschlossene Sache ist“, hatte Bauamtsleiter Hendrik Trappmann schon einmal im Vorfeld ausdrücklich den derzeitigen Sachstand betont. Es gehe derzeit lediglich darum, ob sich die Politik in einer Ratssitzung im Frühjahr 2011 für eine notwendige Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplanes in Hülptingsen, die für den Bau einer Biogasanlage notwendig ist, entscheiden wird. Erst dann würde zunächst ein solches Änderungsverfahren eingeleitet werden. Selbst nach der Einleitung könne es nach Ansicht des Bauamtsleiters noch ein bis zwei Jahre dauern, bevor mit einem Bau begonnen werden kann.