Beteiligung im Stadtteil ermöglichen

Bei der Befragung werden die Wünsche und Ideen der Teilnehmer auf einem Flipchart festgehalten. (Foto: privat)

Der Nachbarschaftstreff erhält vom Land einen Zuschuss von 180.000 Euro für das Projekt "Mein - Dein - Unser Weg"

Burgdorf (fh). Gemeinschaft erleben und sich für das eigene Quartier oder den Stadtteil einsetzen - das will der Nachbarschaftstreff Ostlandring in den nächsten drei Jahren mit dem Projekt "Mein - Dein - Unser Weg" erreichen. Diese Idee hat auch die Jury des Wettbewerbs "Gute Nachbarschaft" überzeugt, den das Land Niedersachsen seit 2017 auslobt. Deshalb gewährt sie für das Vorhaben einen Zuschuss in Höhe von 180.000 Euro. Keine Selbstverständlichkeit! Schließlich hatten Einrichtungen aus ganz Niedersachsen insgesamt 85 Konzepte eingereicht, von denen die Jury 19 ausgewählt hat.
Dass der Nachbarschaftstreff Ostlandring dazugehört, freut auch die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch. "Ich konnte mich bei einem persönlichen Besuch von der großartigen Arbeit, die für die Menschen vor Ort geleistet wird, überzeugen", sagt sie. Die Pandemie habe gezeigt, dass das gemeinsame Miteinander keine Selbstverständlichkeit sei. "Umso wichtiger ist es, Projekte zu stärken, die für den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft einen entscheidenden Beitrag leisten", so Hanisch.
Im August 2019 hatte der Nachbarschaftstreff bereits ein Vorgängerprojekt auf den Weg gebracht, das sich bei dem Wettbewerb ebenfalls durchsetzen konnte und eine Förderung erhielt. Im Mittelpunkt stand dabei eine Befragung im vergangenen Frühjahr, bei der Marion Jakobi und Claudia Ohnesorg vom Nachbarschaftstreff von den Südstädtern wissen wollten, ob sie sich an ihrem Wohnort wohlfühlen, welche Plätze ihnen besonders gefallen und was sie gern ändern würden. Um möglichst viele Menschen zu erreichten, bauten sie ihr Flipchart nicht nur im Garten der Einrichtung auf, sondern auch auf Spielplätzen, in der AWO-Kita und auf dem Rubensplatz. "Eigentlich waren für die Befragung sechs Wochen eingeplant, doch aufgrund des ersten Corona-Lockdowns Mitte März mussten wir sie nach zwei Wochen abbrechen", blickt die Leiterin des Nachbarschaftstreffs Marion Jakobi zurück.
Aber schon in dieser kurzen Zeit sei die Aktion auf große Resonanz gestoßen: Rund 80 bis 90 Einwohner der Südstadt hätten teilgenommen. "Und sie haben ganz konkrete Vorstellung und Wünsche für ihren Stadtteil formuliert", so Jakobi. Dabei ginge es zum Beispiel darum, bestimmte Bereiche zu verschönern oder Sitzbänke aufzustellen. Was die Leiterin des Nachbarschaftstreffs aber ganz besonders freut: "Die Teilnehmer haben zum Ausdruck gebracht, dass sie dafür auch selbst aktiv werden und sich einbringen wollen." Genau daran will der Nachbarschaftstreff mit dem Folgeprojekt nun anknüpfen.
Ganz wichtig sei es, die Beteiligung niederschwellig ohne allzu große Verpflichtungen zu ermöglichen. "Wenn erst ein Verein gegründet werden muss, schreckt das viele ab", begründet Jakobi. Soweit es die Corona-Situation zulässt, sollten im ersten Schritt stattdessen immer mal wieder an unterschiedlichen Orten Begegnungspavillons aufgebaut werden, in denen die Menschen ins Gespräch kommen und vielleicht gemeinsame Interessen entdecken können. Alternativ könnten zunächst kleine coronakonforme Stadtteilspaziergänge angeboten werden. "Bestenfalls entstehen daraus kleine Gruppen, die selbst die Initiative ergreifen und uns gar nicht mehr brauchen", beschreibt die Leiterin des Nachbarschaftstreffs eines der Ziele.