Bestattungskultur und Begegnung

Eine VVV-Projektgruppe bereitet die Gründung eines neuen Arbeitskreises zum Magdalenenfriedhof vor und schaut sich dafür die Begebenheiten vor Ort an. (Foto: VVV)
 
Eine VVV-Projektgruppe bereitet die Gründung eines neuen Arbeitskreises zum Magdalenenfriedhof vor und schaut sich dafür die Begebenheiten vor Ort an. (Foto: VVV)

VVV will neuen Arbeitskreis gründen, um den Magdalenenfriedhof zu erhalten und aufzuwerten

Burgdorf (r/fh). Um den historischen Magdalenenfriedhof unter der Hochbrücke zu erhalten und aufzuwerten, will der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) gemeinsam mit der Stadt Burgdorf einen neuen Arbeitskreis gründen. Ziel ist es, bedeutsame Grabstellen freizuschneiden und zu markieren, Hinweistafeln auszustellen, und im Internet sowie mit einem Flyer über Geschichte und Besonderheiten des Friedhofs zu informieren. Wer an einer ehrenamtlichen Mitarbeit im neuen Arbeitskreis interessiert ist, kann sich an einen der folgenden Ansprechpartner wenden: Jürgen Lange, Telefon (05136) 9769000, Matthias Schorr, Telefon (05136) 6624 oder Gerhard Bleich, Telefon (05136) 1862).
Der Arbeitskreis will den Magdalenenfriedhof nicht nur als Zeugnis der Bestattungskultur bewahren, sondern auch als Ort der Begegnung. Deshalb will er die Voraussetzungen schaffen, damit künftig weitere kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Konzerte auf dem Friedhof möglich sind. Schon jetzt bietet der Stadtmarketingverein (SMB) dort jedes Jahr eine thematische Stadtführung an und der Kulturverein Scena nutzt die Friedhofskapelle seit 2008 für Kunstausstellungen. Das soll weiter ausgebaut werden und die Ehrenamtlichen wollen auch eine Ausstellung über den Friedhof vorbereiten.

Friedhof entstand im Jahr 1584


Der Magdalenenfriedhof ist die älteste erhaltene historische Begräbnisstätte Burgdorfs. Die örtliche Kirchengemeinde hat ihn 1584 eröffnet. Angesichts der vielen Toten während der Pestepidemie sollte damit der Kirchhof rund um die St.-Pankratius-Kirche entlastet werden.
Die aus dem Haus Braunschweig-Lüneburg stammende Gräfin Magdalene von Bentheim-Steinfurt (1540-1586) verbrachte ihre letzten Lebensjahre im Burgdorfer Schloss und stiftete eine Kapelle auf dem neuen Friedhof. Diese musste zwar 1815 wegen Baufälligkeit abgerissen werden und die heutige Kapelle wurde erst 1869 im Stil der Gründerzeit erbaut - trotzdem tragen Kapelle und Friedhof bis heute den Namen von Gräfin Magdalene.
Seit den 1960er Jahren finden auf dem Magdalenenfriedhof keine regulären Begräbnisse mehr statt und in den siebziger Jahren hat er beim Bau der Hochbrücke erhebliche Flächen eingebüßt. Seit 1987 steht das erhaltene Areal unter Denkmalschutz.


Mehr als 630 Grabstellen


Die historische Gräberanlage beherbergt mehr als 630 identifizierbare Grabstellen. Unter ihnen befinden sich die letzten Ruhestätten vieler prominenter Persönlichkeiten der Stadt. Zu ihnen gehören der Burgdorfer Superintendent und bekannte Kirchenliederdichter Carl Johann Philipp Spitta (gestorben 1859), die Mitglieder der Unternehmerfamilie Niemack und der 1931 verstorbene Bürgermeister Heinrich Schuster, in dessen fast 40-jährige Amtszeit 1895 der Bau des ersten und einzigen städtischen Elektrizitätswerkes fiel.
Zu den ältesten auf dem Friedhof erhaltenen Grabmälern zählen diejenigen des 1753 verstorbenen Heeßeler Kirchenvorstehers Henning Kracke, des 1798 verstorbenen Obristen Christian Adam Marschall von Bieberstein und des Burgdorfer Drosten Johann Friedrich vom Ompteda, der 1810 verstarb und ein Jahr vor seinem Ableben eine detaillierte Beschreibung des Burgdorfer Brandinfernos von 1809 hinterließ.